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Gottlieb Jaeger

Gottlieb Jaeger reiste 1833 nach Amerika um für eine allfällige Auswanderung der Familie zu sondieren. Nach drei Jahren kehrte er zurück, da sich die Eltern nicht entschliessen konnten die Strapazen auf sich zu nehmen und sich zudem  die Verhältnisse in der Schweiz gebessert hatten

Jaeger, Gottlieb, von Brugg.

*28. dezember 1805 in Aarau, gesstorben 25. april 1891 in Brugg

Stadtammann von Brugg, Bundesrichter.

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no 1 Hormung 1833

                                                                                    Havre, den 13. Hornung 1833

Theuerst Eltern.

Meinem letzten brief zu folge sind wir also Sonntag den 17. des Morgens 9 Uhr v. Aarau abgereist u. kamen Abends zur guten Zeit in Listal an. Des anderen Morgens früh 5 Uhr bestiegen wir den Postwgen nach Belfort; das Wetter welches Tags vorher milde und schön gewesen, hatte sich gewendet u. ein starkes Schneegestöber begleitete uns den ganzen Vormittag. Nachmittags floss der Regen in Strömen, als wir in Belfort anlangten, sodass unser Austritt aus der Schweiz unfreundlich u. die ersten Schritte über Frankreichs Boden unangenehm waren.Die schlechte Witterung und die obwaltenden Fassnachtsbelustigungen retteten uns vor den Untersuchungen der Douane in St. Louis, unser Gepäck wurde nicht geöffnet und dadurch eine wesentliche Besorgnis(s) behoben, weil bei dem Drängen des Postens gewöhnlich nicht wieder ordentlich gepackt weden kann. Kaum hatten wir in Belfort etwas genossen, so musssten wir uns schon wieder in den Wagen setzen und fuhren Tag und Nacht in einem fort bis Paris; das Wetter war anhaltend schlecht u. stürmisch, des Nachts bisweilen etwas kalt,u. die Wege so schlecht, dass wir Donnerstag Vormittag erst ½ 8 Uhr in Paris anlangten. Neben der üblen Beschaffenheit der fast bodenlosen Strassen, lag die Ursache dieser Verspätungauch in der schlechten Organisation der Courses der Diligenses auf dieser Route, die im Winter wegen mangelnden Concurrance nur nachlässig besorgt werden; oft werden die Postpferde 6-8 Stunden wegs nicht gewechselt, ja einmal mussten die nämlichen schlechten Gäule den schwer belasteten Wagen 11 Stunden lang mitschleifen. Von Troyes weg hatten wir gute Pferde u. weil die Strassen von da bis Paris gepflastert sind, so ging es auf dieser Strecke rasch vorwärts. allein dabei nicht ganznicht ganz ohne Gefahr des Umwerfens, indem beim gegenseitigen Ausweichen der Wagen leicht das eine Rad in den bodenlosen Grund sinkt, während die ander Seite auf dem hocherhobenen Pflaster bleibt u. dadurch die Diligencen, welche ihre Lasten grossentheils oben auf dem Verdeck tragen, bald das Gleichgewicht verlieren. Indessen kamen wir ohne Unfall, von der ganzen Reise aber wüsste ich nichts (Angenehmes zu erzählen, weil eine erste Durchfahrt durch ein flaches u. ödes Land wenig interesse bietet, auch machen die zahlreichen Ruinen , die in den Dörfern seit denFeldzügen von 1813 u. 1815 fast überall noch sichtbar sind, einen unangenehmen Eindruck, besonders wenn man ohnehin nicht gut gestimmt ist. - Als wir in Paris ankamen, war die Post nach Havre schon verreist, wir mussten also bis folgenden Abend 6 Uhr daselbst verweilen u. benutzten diese kurze Frist, um die öffentlichen Plätze u. Gebäude zu besichtigen, die schönen Boutiques in Augenschein zu nehmenu. uns an dem Gewühl in den Strassen zu belustigen. Diese Promenade durch die Stadt ist unterhaltend u. in kurzer Zeit habe ich viel Schönes gesehen, allein ausser dem Louvre u. den Geräten der Tuillerien hat bei mir nichts einen wesentlichen Eindruck hinterlassen, weil die bevorstehende Reise mich zu sehr beschäftigte, als das die Schönheiten u. die Manigfaltigkeit der Hauptstadt Frankreichs etwas anderes als vorübergehendes Wohlgefallen erwecken konnte.

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no 3 juli 1833

No 3                                       Anschlisfarm bei Little Rock   Juli 1833

Theuerst Eltern und Geschwister.

Meinen Brief vom letzten März werdet Ihr ohne Zweifel empfangen u, meine glückliche Ankunft in N.Orl. vernommen haben. Da die Cholera an diesem Ort sehr überhand nahm, u. der Aufenthalt daselbstohnehin kostspielig u. langweilig ist, war ich froh, den 16. März 1833 auf dem Dampfschiff Little Rock denselben verlassen zu können. Noch ehe wir ganz aus der Stadt waren brach die Nacht herein, so dass ..N. Orl. bei meiner Abfahrt so wenig als bei meiner Ankunft aus einiger Entfernung von der Wasserseite betrachten konnte. Die Ufer des Mississipi sind obehalb N.O. von dem selben Charakter und Aussehen wie unterhalb der Stadt u. je weiter man sich von denselben entfernt, desto seltener werden die Pflanzungen längs dem Strome. Die Wälder treten wider an die Ufer hervor u. bald sieht man nur hin u. wieer eine vereinzelte Plantage oder die Abfälle eines holzhackker, welcher Brennmaterial für die Dampfbahn bereitet. An besonders günstigen Lagen sieht man bisweilen kl. Städten, d. h. Häusergruppen von mehr ode. weniger grossen Hütten mit einigen bessern Wohnhäusern vermengt, ohne Ordnung, ohne Symetrie. Die Strunke des Urwaldes noch in den Strassen hervorragend u. keine Spur eines den Gemeingeistgeist der Communität beurkundenden Werkes. So sind alle neuern Städte,welche wir sahen, so werden sie auch durch ganz Amerika sein.

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no 4 13.Sept 1833

no 4                                              Bei little Rock 13. September 1833

                                                                          

                                                                   Dazugekommend 14 Januar 1834

THeuerste Eltern u. Geschwister! Eure Briefe v. 8 u 10 April u. 23 Mai sind mir d. 8 ... durch H. Nicolet's Vermittlung zugekommen bei dem sie vermuthlich schon einige Zeit gelegen haben, u. so spät versendet wurden weil er erst andere Berichte u. Adressen abwarten musste. Ich danke Euch sehr für Eure beforderlichen Nachrichten, die mich gerade erfreuten als ich etwas an einem Fieber darniederlag, das nur durch eigene Unvorsichtigkeit zugezogen hatte, es dauerte nur wenige Tage, aber noch jetzt fühle ich mich etwas schwach u. muss vorzüglich strenge Diät halten, um einen Rückfall zu verhüten. Von Euren an mich gerichteten Fragen werdet Ihr manche in meinem Brief schon beantwortet findenm den ich vor etwa einem Monate abgehen liess, indessen will ich dieselben hier nochmals der Reihe nach durchgehen u. mit Beantwortung des Briefes v. Mutter anfangen.

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no 5 3. Dez 1833

No.5                                                            Little Rock 3 December 1833 angek. 28 Jenner 1834

                                                                        beantwortet d. 5 Hornung

Meine l. Eltern u. Geschwister!

Den Bericht über meine letze Reise durch das hiesige Territorium muss ich diesmal sehr kurz fassen denn die einzige Zeit die ich dazu habe, ist eine Nacht, die ich zufällig in der Stadt zubringen muss. seit der vorigen Woche da Grollmann u. ich zurückkamen, haben wir mit dem Einpacken unserer Effekten zugebracht, was den Tag über keine Ruhe zum Schreiben liess, u. des Abends konnte dies aus mangelndem Licht nicht geschehen; aus der Stadt war dieses auch nicht zu bringen, weil ein eingetretener Regen die Wasser anschwellen u. den Ort, wo wir waren, von der übrigen Welt abschloss. Wie Sie aus meinem letzten Brief wissen, sind wir am 20 vorigen Monat nach Arkansas Pass aufgebrochen, der Weg führte ungefähr 80 Meilen weit durch die grosse Prairie zwischen dem Arkansas u. White River.

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no 6 6.Dez 1833

v

No 6 Little Rock d 6 December 1833 angek. d 31 März 1834 bantw. 4. Juny

Mein theuerster Vater! einige Tage Regenwetter im Anfang dieser Woche hatten den Fluss, der uns von der Stadt scheidet, so angeschwollen, dass er nicht mehr zu passieren war, u. gegen unser Erwarten hielt sich der Wasserstand so hoch, dass der Wagen mit Grollman's Effekten nicht ganz gehemmt, aber doch so verzögert wurde, dass wir um einen Tag länger hier bleiben mussten, u. glücklicherweise trafen an diesem Tage eure bis zum 11. August reichenden Briefe nebst Zeitungen ein, ein früherer an H. Tschifeli, dat. v. 20 Juny, ist aber noch micht angelangt. Obschon ich nun erst vorgestern einen Brief für Euch auf die Post gelegt habe, so will ich doch die mir übrigen Stunden meines Hierseins benutzen um sogleich zu antworten, weil unter obwaltenden Umständen eine längere Zögerung nicht am Platze wäre, u. Ihr ohnehin nach Briefen Euch sehnt.

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no 6a Hornung 1834

Brief an H

Sechs Monate snd verflossen seit ich das letzte mal Dir mein Freund geschrieben, 2 Monate bin ich schon hier in L.R provisorisch angesiedelt - u habe noch keinen Bericht über m. Thun u Treiben nach Hause gesendet, u ohne die Ankunft des ersten Briefes v. D. Vater, wäre vielleicht noch einige, wenn auch nicht lange Zeit verflossen, bevor ich etwas hätte v. mir hören lassen. Ich kenne meine Saumseligkeit, meine Sünden, aber es geht mir so wie Manchem Andern, der seine Fehler kennt u sie desswegen doch nicht ablegt. So gut wie heute hätte ich fast jeden andern Abend die Feder ergreifen können, aber gar viel war ich nicht zu Hause od sonst beschäftigt. od. müde, wie es Dir auch gehen wird, wenn Du einst auf Deiner Farm sitzest, u die vielen Verrichtungenn, bedeuend od. unbedeutend u machen hast, die jetzt mich beschäftigen.

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no 7 27. Maerz 1834

Little Red River 27. März 1834 eingegangen den 18. Juny

Seit 3 Monaten seid Ihr meine Lieben Eltern, ohne Nachrichten von mir, u. ebenso lange habe ich keinen Brief v. Euch erhalten. Jede Woche erwartete ich mit immer grösserer Zuversicht, Eure Antwort auf meinen ersten Bericht über dieses Land, der spätestens Ende Oktober od. Anfangs Nov. nach Europa hätte gelangen sollen, also früh genug dass die Antwort schon vor 2 Monaten hätte hier eintreffen können. Ich bin sehr beunruhigt, denn wennich auch Euch dieses Frühjahr hier nicht erwarte, so könntet Ihr möglicher Weise jetzt doch schon auf der Reise sein u. am Ende gar in N.Orl. od. anderswo landen ohne dass ich Eure Abreise erfahren. Warum ich Euch nicht erwarte werdet Ihr v. Franz erfahren haben dem ich vor einigen Wochen geschrieben, ihm mein Wohlsein u. meine jetzige Beschäftigung meldend; es war die Beantwortung eines Briefes v. seinem Vater, der mir meldet, dass Ihr durch die verzögerte Ankunft meinesr Berichte in Eurem früheren Entschluss wankend geworden seid, das Zögern habe ich bereits wiederholt entschuldigt, was wird aber das Resultat Eurer Berathung sein nachdem Ihr meine Berichte empfangen? Ich habe in denselben keine Meinung über einen zu fassenden Entschluss geäussert, denn nach meinem Glauben war das Ob eine längst abgethane Sache, nur das wie, wo u. wann sollte noch zur Sprache kommen. Auch gut so - Ihr habt nur eine genauere Kenntniss alles Dessen, was Euch hier erwartet, denn vorher, u. Euer endlicher Entschluss, welcher er auch sein mag, kann nur um so reifer sein. Ich will inzwischen sehen, was ich hier auszurichten vermag; ich säe u. pflanze so viel die Witterung u. meine Kräfte erlauben, u. hoffe, ja bin überzeugt, dass mit beharrlichem Willen ich das erreichen kann, was ich mir vorgesetzt habe. Mühseliger ist es zwar sich mit den Ackergerätschaften sein Brod zu verdienen, als mit der Feder, aber die Arbeit ist doch erfreulicher, denn man sieht die Früchte wachsen u. reifen. Schon habe ich Tabak gesäet der zu keimen anfängt. Kartoffeln, verschiedene Gartensämereien habe ich im Boden auch etwas Baumwolle, u. nächste Woche wird mit dem Kornpflanzen angefangen. Es geht mir freilich Alles langsam, nicht allein weil mir die Beschäftigung ungewohnt, sondern auch weil ich aus Versehen des H. Zschifeli meinen Pflug nicht habe u. deswegen den Boden mir Hacke u. Shaufel bearbeiten muss, was mit dem Pflug in viel kürzerer Zeit geschehen könnte. Vieh habe ich noch keines gekauft, denn da meine Entschlüsse durch die Eurigen bedingt sind, so will ich mein Geld so viel möglich zusammenhalten, um nachher desto freier handeln zu können. Vielleicht jedoch schaffe ich nächstens eine Kuh herbei um dank Milch eine Abwechslung u der Gesundheit zuträgliche Verbesserung in unsere einfachen Mahlzeiten zu bringen.

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no 8 July 1834

no 8  

Little Red River 14 July 1834     ( angekommen d 11 sept 1834)

Meine th. geliebte Mutter. - Umsonst habe ich mich bemüht Deinen von Vater angekündigten Brief s. St Louis zu erhalten, er ist noch nicht eingegangen ebensowenig der v. Vater vom Nov od Dec., welch letzterer vermuthlich auch ganz verloren ist. Es thut mir leid darum, denn er schient einige mir interessante Nachrichten zu erhalten, u. aus Deinem Brief m. l. Mutter, hoffe ich entnehmen zu können, wie Du u. die andern Familien Glieder über das Auswanderungsprojekt denken. Aus Vater werde ich in dieser Beziehung nie recht klug, nach seinen Briefen scheint er die Sache nicht aufgeben zu wollen u. doch nicht die geringste Lust zur Ausführung zu haben. Allerlei Bedenklichkeiten u. Besorgnisse scheinen in ihm aufzusteigen, was mich aber ärgert u. was mich in meinem letzten Briefe vielleicht zu einiger Empfindlichkeit geführt hat, sind die steten Berufungen auf anderer Leute Meinungen u. Urtheil. Wie können andere Leute über das urtheilen was uns gut u. angenehm ist, u. was kümmern sie sich am Ende darum ob es uns zu Hause od. hier gut od. schlecht gehe; wie wenige waren es, die wirklich Theil daran nahmen, als Vater in den letzten Zeiten so schimpflich zurückgesetzt wurde. u. mancher davon bedauerte nicht die Person sondern nur die unterdrückte politisch Faction. - Weit aus die Mehrzahl aber, u. darunter gewiss viele, von denen es gar nicht erwartet wurde, konnten aus die Schadenfreude in unserer Gegenwart zurückhalten - Wie ungut handelte nicht selbst die Bürgerschaft v. Brugg gegen ihn, deren Besten er doch manche Stunde der geopfert? -

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no 8a Juny 1834

Zweiter Brief an Franz Hürner datiert vom 26 Juny 1834  

Litle Red R. angekommen d 2 September

Obschon ich eigentlich jetzt mit der Arbeit sehr gedrängt bin, so ergreife ich doch die Feder, um wieder einmal mit Dir, m Fr, ein paar Worte zu wechseln, denn unsere gemeinschaftliche Gelegenheit geht Allem vor u diese ist jetzt nach einem Brief zu beurtheilen, welchen D. Oheim letzte Woche erhalten, ihrer Entscheidung nahe. Nach d Schlusse meines letzten Briefes konnte ich Dir den Empfang eines Briefes meines v.4 Hornung d.J. anzeigen, u obschon es nicht derselbe ist welcher den eigentlichen Auftrag z. Besuch des Missouri u m. ... Gesinnungen überhaupt in Betreff der Auswanderung enthält, so konnte ich doch daraus entnehmen welches seine Meinung u was seine Stimmung ist. Alle meine Besorgnisse sind nur zu richtig gewesen, denn obschon m. Eltern im Falle Eurer Auswanderung jedenfalls entschlossen scheinen nich zurück zu bleiben, so hält m Vater d. politische Lage d. Schweiz u Europas für so, dass ein Verlassen d. Heimath nicht mehr gebietene Nothwendigkeit u nur unter günstigen Aussichten vorzunehmen sei, welch letztere er in meinen Berichten nicht zu finden glaubt. Er ist um sein Fortkommen w Existenz in diesem Lande besorgt u scheint v. d. beschwerden d. Reise u. Ansiedlung zurückzuschrecken. Unter diesen Umständen hielt ich es für meine Pflicht ihm d. bestimmten Rath zu geben die Ausführung seines Projekts so lang zu verschieben bis er selbst u die übrigen hausgenossen wieder mehr Neigung dazu fühlen. Ich nahm um so weniger Anstand diesen Rath zu ertheilen, da ich glaubte, auch v. Eurer Seite sei die einzige Hoffnung noch auf günstige Berichte aus d. Missouri gerichtet u da ich fest überzeugt bin, sie werden mit Wahrheit abgefasst Euren Erwartungen nicht entsprechen. Nun sprichst sich d. Brief Deiner Mutter, welche vorige Woche hier ankam, so aus, dass weder sie noch Du durch unsere Schilderungen abgeschreckt seien, u D. Vater die politische Lage des Vaterlandes so ansehe, dass er es rathsam finde, u für das künftige Glück s. Kinder erspriesslich finde den, wenn auch herben Schritt zu thun. Gewiss würde Eure Ankunft in diesem Lande NIemand mehr freuen denn mich, u wohin Ihr Euch auch wenden mögt, nach Norden od Süden, so werde ich bald bei Euch sein, obschon ich, aufrichtig zu gestehen, immer noch sehr wenig Hoffnung habe Euch hier zu sehen.

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no 9 25. july 1834

2) Little Red River 25.July 1834         Empf. 15 April 1835

Vor einigen Tagen sandte ich einen Brief an . geliebte Mutter, worin ich von meinem Entschlusse sprach, einige Jahre länger in diesem Lande zuverweilen. Verschiedene Umtände u Berücksichtigungen haben mich zu einer andern Ansicht gebracht, u ich bin nun entschlossen, Euren Wünschen gemäss, meine theuersten Eltern u Geschwister, die Reise nach der Heimat anzutreten, sobald ich durch Empfang es gewünschten Geldes dazu befähigt werde. Ich habe im Sinn die Heimreise über Newyork zu nehmen, u wünsche desshalb dass mit dem Gelde folgendes Arrangement getroffen werde. Ihr sendet mir lieber den Betrag meines Gurhabens an Tschif. 2 Wechsel auf Newyork circa 50 Dollars den ich irgendwo umsetzen kann, wenn ich mit meiner eigenen Barschaft u dem Verkauf meiner Effekten nicht auskommen kann. Der Umsatz einer kl. Summe wird mir leichter u mit weniger Verlust als ein grosser - Von beiden Wechseln schickt ihr Prima, Secunda u Tetia duch verschiedene Schiffgelegenheiten, auch stellt Ihr sie auf ein gut bekanntes Haus aus. - Vor all den übrigen Effekten die ich verlangt bedarf ich nun weiter nichts als 2000 Capseln zur Restitution an Gollmann, die Samereien Obst, Steine w Kernen etc sowie 1 od 2 Garten .. Rebmesser um damit einiges v. meiner Verbindlichkeit gegen Gollmann abzutragen; er hat zwar auch um Sämereien geschrieben - allein da seine Mutter eine Grossstadtbewohnerin so wird sie es irgend einem Gärtner übertragen u da denke ich dürfte aus den Händen einer bürgerlichen Familie doch das gediegenere u nützlichere hervorgehen. Was dann Bäume u besonders Reben betrifft, so wird ohnehin nicht so leicht Jemand bessern Bescheid wissen als Vater -

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nr 10 14.April 1835

10     Little Red River 14 Aril 1835           Empf 21 Juny 1835

Theuerste Eltern . - Gestern habe ich den Brief v. 22 Jenner d. J. erhalten, u da h Grollmann morgen nach N. Orl. geht, so will ich gleich antworten u ihm d. Brief mitgeben. Alle früheren Briefe sind mir ebenfalls zugekommen, u jetzt werdet Ihr auch unterrichtet sein, was für längere Zeit eine Stockung in meiner Korresponden brachte u dass ich wegen Mangel an Reisegeld hier zurückgehalten bin. In 4-6 Wochen werde ich indess v. hier abreisen, wenn kein neues Hinderniss eintrifft, mich vorerst nach dem Missouri begeben, da Franz wünscht, dass ich mich dort auch umsehe u die daselbst wohnenden Schweizer besuche. Kann es ohne Kostenaufwand geschehen, so gedenke ich mich dort etwas zu versäumen, denn bei einer blossen Durchreise wäre ich nicht im Stande irgend ein Urtheil über das Land zu fällen. Bin ich erst v. dort weg, so bin ich schnell in N York u zu Hause, doch müsst Ihr nicht lange Weile haben, wenn ich od meine Briefe über Erwarten lange ausbleiben sonder bedenken, dass ich in einem Lande bin wo man zu sehr v. äussern Umständen abhängt, als dass man sich stets nach Wunsche einrichten könnte. Von Grollmann habe ich circa 60 Dollars zu beziehen, von Verkauf meiner Effekten u anderm Verkehr her, ob dieselben bis nach N.Y. reichen,weiss ich nicht, besonders da ich ganz von Kleidern u Leingen entblösst bin, u doch zur Reise mir nothwendig noch welches anschaffen muss. Durchkommen werde ich auf jeden fall, doch wie gesagt, vielleicht etwas langsamer als ich dachte. Meine Effekten werde ich durch H Nicolet heim spedieren lassen, er enthält wenig mehr, u fast könnte ich derselben hanz entbehren, doch mag ich die Flinte u. andere Kleinigkeiten nicht zurücklassen, u v. meiner letztjährigen Pflanzung bleibt mir noch so viel Tabak übrig, dass ich den leeren Raum ausfüllen kann.

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  • no 1 Hornung 1833

                                                                                                    Havre, den 13. Hornung 1833

    Theuerst Eltern.

    Meinem letzten brief zu folge sind wir also Sonntag den 17. des Morgens 9 Uhr v. Aarau abgereist u. kamen Abends zur guten Zeit in Listal an. Des anderen Morgens früh 5 Uhr bestiegen wir den Postwgen nach Belfort; das Wetter welches Tags vorher milde und schön gewesen, hatte sich gewendet u. ein starkes Schneegestöber begleitete uns den ganzen Vormittag. Nachmittags floss der Regen in Strömen, als wir in Belfort anlangten, sodass unser Austritt aus der Schweiz unfreundlich u. die ersten Schritte über Frankreichs Boden unangenehm waren.Die schlechte Witterung und die obwaltenden Fassnachtsbelustigungen retteten uns vor den Untersuchungen der Douane in St. Louis, unser Gepäck wurde nicht geöffnet und dadurch eine wesentliche Besorgnis(s) behoben, weil bei dem Drängen des Postens gewöhnlich nicht wieder ordentlich gepackt weden kann. Kaum hatten wir in Belfort etwas genossen, so musssten wir uns schon wieder in den Wagen setzen und fuhren Tag und Nacht in einem fort bis Paris; das Wetter war anhaltend schlecht u. stürmisch, des Nachts bisweilen etwas kalt,u. die Wege so schlecht, dass wir Donnerstag Vormittag erst ½ 8 Uhr in Paris anlangten. Neben der üblen Beschaffenheit der fast bodenlosen Strassen, lag die Ursache dieser Verspätungauch in der schlechten Organisation der Courses der Diligenses auf dieser Route, die im Winter wegen mangelnden Concurrance nur nachlässig besorgt werden; oft werden die Postpferde 6-8 Stunden wegs nicht gewechselt, ja einmal mussten die nämlichen schlechten Gäule den schwer belasteten Wagen 11 Stunden lang mitschleifen. Von Troyes weg hatten wir gute Pferde u. weil die Strassen von da bis Paris gepflastert sind, so ging es auf dieser Strecke rasch vorwärts. allein dabei nicht ganznicht ganz ohne Gefahr des Umwerfens, indem beim gegenseitigen Ausweichen der Wagen leicht das eine Rad in den bodenlosen Grund sinkt, während die ander Seite auf dem hocherhobenen Pflaster bleibt u. dadurch die Diligencen, welche ihre Lasten grossentheils oben auf dem Verdeck tragen, bald das Gleichgewicht verlieren. Indessen kamen wir ohne Unfall, von der ganzen Reise aber wüsste ich nichts (Angenehmes zu erzählen, weil eine erste Durchfahrt durch ein flaches u. ödes Land wenig interesse bietet, auch machen die zahlreichen Ruinen , die in den Dörfern seit denFeldzügen von 1813 u. 1815 fast überall noch sichtbar sind, einen unangenehmen Eindruck, besonders wenn man ohnehin nicht gut gestimmt ist. - Als wir in Paris ankamen, war die Post nach Havre schon verreist, wir mussten also bis folgenden Abend 6 Uhr daselbst verweilen u. benutzten diese kurze Frist, um die öffentlichen Plätze u. Gebäude zu besichtigen, die schönen Boutiques in Augenschein zu nehmenu. uns an dem Gewühl in den Strassen zu belustigen. Diese Promenade durch die Stadt ist unterhaltend u. in kurzer Zeit habe ich viel Schönes gesehen, allein ausser dem Louvre u. den Geräten der Tuillerien hat bei mir nichts einen wesentlichen Eindruck hinterlassen, weil die bevorstehende Reise mich zu sehr beschäftigte, als das die Schönheiten u. die Manigfaltigkeit der Hauptstadt Frankreichs etwas anderes als vorübergehendes Wohlgefallen erwecken konnte.

    Freitag Abend 6 Uhr sassen wir schon wieder im Postwagen u. da mehrere derselben zuglich abfuhren u. bis Rouen ein fortwährendes Wttrennen hielten, so kamen wir schon bei Tagesanbruch in dieser Stadt an. Das Wetter war sehr milde, obschon noch nicht ganz heiteru. mit Freuden konnten wir des Anblicks der schönen Normandie geniessen. Liebliche Thäler u. Hügel wechseln beständigab u. die vielenObstbäume auf den Feldern, Häuser und Hütten in kl. Wäldchen gaben der Landschaft einen malerischen Anstrich. Havre erreichten wir mit einbrechender Nacht, die Luft war sehr von Dünsten verfinstert, so dass wir die schöne Lage dieserStadt erst morgen näher betrachten können.

                                                                            Den 25. Hornung 1832(?)

    Sogleich nach unserer Ankunft in Havre haben wir Brentinger aufgesucht, der uns sehr bereitwillig alle möglichen Hilfeleistungen anbot u. uns (gestern gut), bewirthete, was uns deswegen sehr erfreulich war, weil wieder eingetretenes Regenwetter jeden Spaziergang unmöglich machte u. wir auch keine Geschäfte in unsern Reiseangelegenheiten vornehmen konnten, da es Sonntag war. Heute früh gingen wir sofort in den Hafen, u. fanden ein Segelfertiges Schiff nach New orléans, welches mir auf guten Wind wartete, so dass wir Vielleicht morgen schon abreisen, vielleicht aber noch mehrere Tage hier warten müssen, je nachdem uns das Wetter begünstigt oder nicht. Das Schiff auf welchem wir die Ueberfahrt machen werden, ist ein schöner Amerikaner, nach einer oberflächlichen Messung circa 45 starke Schritte lang, so dass man schon ordentlich auf demselben spazieren kann, Das Schiff ist gar nicht befrachtet, auch befinden sich ausser uns nur 4 Passagiere auf demselben, Schweizer aus dem Kanton Neuenburg u. insofern wäre die Ueberfahrt auf dem Zwischendeck nicht mit so grossen Unannehmlichkeiten verbunden, als dies öfterder Fall ist. Dessen ungeachtet haben wir uns für die Plätze in einer Cajute engagiert u. zwar aus der ganz einfachen Rücksicht, weil uns dieses höchstens frs. 150.- pro Person höher zu stehen kommt als die Ueberfahrt im Entreport, was mit den grösseren Unannehmlichkeiten vom letztern Ort in gar keinem Verhältnis steht. Ohne Wein und Brantwein bezahlen wir nämlich frs 400 jeder, sonst kostet es gewöhnlich frs 700 bis 800 u. die Ueberfahrt im Entreport bewertheten wir auf circa 250 frs, weil der Ankauf an Küchengerätschaft nicht unbedeutend ist. Nach 8 Uhr Abends darf im Zwischendeck kein Licht mehr gebrannt werden, bei schlechtem Wetter wird alles geschlossen, so dass man den ganzen Tag im finstern ausharren muss. Holz u. Wasser wird genau zugemessen, für dieses u. den Platz bezahlt man frs 80 Lebensmittel schafft man selbst an, muss selber imeigenen Küchengerät kochen, ist sich selbst überlassen so ohne alle Hilfe und Beistandvon Seiten der Schiffsmannschaft. Die Küche ist auf dem Verdeck wo bei Sturm kein Feuer gemacht werden darf. Trotz aller dieser Inconvenenzien waren wir noch zweifelhaft, bis uns der Kapitän erklärte, dass wir von Seiten des Schiffkochs durchaus keine Hilfe zur Zubereitung der Lebensmittel erwaten dürften, weil dieser dazu keine Zeit habe u. solches ohnehin nicht gestattet werden dürfe. Mit den Neuenburgern konnten wir uns ebenfalls nicht rangieren, weil wir sie nicht aufzufinden wussten u. es ohnehin junge Leute sein sollen, die gewiss so wenig vomKoche verstehen als wir, so wäre dann die Kocherei ein entscheidendner Grund für das Engagement in die Kajute u. ich gestehe es, ich war froh als ein so entscheidender Grund meine Refektionen fixierte.

    Bei Herrn Dupaasseur habe ich frs bares erhoben, weil ich mein Gold gerne spare, u. für das übrige liess ich mich nach N.Orleans creditieren.

    Nun lebt wohl, ich werde noch einiges an Franz schreiben, was er Euch auch mitteilen wird, auch schi(b)li wünscht Nachrichten von mir, allein ich werde kurz sein und ersuche Euch, aus diesem Briefe und den späteren, die ich senden werde, ihm die erwünschten Mitteilungen zumachen, damit ich nicht genöthigt bin das nämliche öfters zu wiederholen.

    Unsere Briefe werden durch die Vermittlung der Herren Dupaseur &cie. an (Hans) Meyer et Cie. nach Brugg kommen u. die an uns könnt ihr über den gleichen Kanal an den schweizerischen Consul in New York senden.

                                        Adieu Euer Sohn           

                                                                            G. Jäger

  • no 2 New Orleans, 11. Mai 1833
  • no 3 juli 1833

    No 3                                       Anschlisfarm bei Little Rock   Juli 1833

    Theuerst Eltern und Geschwister.

    Meinen Brief vom letzten März werdet Ihr ohne Zweifel empfangen u, meine glückliche Ankunft in N.Orl. vernommen haben. Da die Cholera an diesem Ort sehr überhand nahm, u. der Aufenthalt daselbstohnehin kostspielig u. langweilig ist, war ich froh, den 16. März 1833 auf dem Dampfschiff Little Rock denselben verlassen zu können. Noch ehe wir ganz aus der Stadt waren brach die Nacht herein, so dass ..N. Orl. bei meiner Abfahrt so wenig als bei meiner Ankunft aus einiger Entfernung von der Wasserseite betrachten konnte. Die Ufer des Mississipi sind obehalb N.O. von dem selben Charakter und Aussehen wie unterhalb der Stadt u. je weiter man sich von denselben entfernt, desto seltener werden die Pflanzungen längs dem Strome. Die Wälder treten wider an die Ufer hervor u. bald sieht man nur hin u. wieer eine vereinzelte Plantage oder die Abfälle eines holzhackker, welcher Brennmaterial für die Dampfbahn bereitet. An besonders günstigen Lagen sieht man bisweilen kl. Städten, d. h. Häusergruppen von mehr ode. weniger grossen Hütten mit einigen bessern Wohnhäusern vermengt, ohne Ordnung, ohne Symetrie. Die Strunke des Urwaldes noch in den Strassen hervorragend u. keine Spur eines den Gemeingeistgeist der Communität beurkundenden Werkes. So sind alle neuern Städte,welche wir sahen, so werden sie auch durch ganz Amerika sein.

    Batschatz (Natchetz) war die erste Stadt nach N.Orl., .......so konnten daher nur einige schlechten Hütten am Ufer sehen; die Stadt selbstliegt etwas auf der Höhe; allrein der schlechte Ruf dieses Ortes war nicht einladend zu einem nächtlichen Spaziergang, obschon ein verlängereter Aufenthalt des Dampfschiffes dazu Zeit gegeben hätte.Am 19. zeigten sich die ersten Hügelartigen Ufer –Erhöhungen , die, wenn auch von dürrem u. mageren Ansehen, doch einige Abwechelung in die Landschaft brachten. Am gleichenTag, Abends erreichten wir Vicksburg u. ebenfalls eine kleine , ziemlich anmutig gelegene , aber sonst unbedeutende Stadt. Die Cholera, welche sich später über die ganzen Ufer des Mississipi ausdehnten u. besonders auf den Dampfschiffenu. unter der schwarzen Bevölkerung von luisiana viele Todesfälle verursachte war bereits in diesem Städtchen, so wie auf einem Dampfschiff das wir etwas oberhalb auf dem grund sitzen fanden u. ans Land (bugsieren) mussten. Jetzt ist diese Krankheit an den meisten Orten wieder verschwunden u. selbst im Nihl soll sie aufhören. Am 20. ... wir auf ein (Log).., doch ohne Schaden zu machen u. am 21. gingen wir bei der obern Mündung des Arkansas in diesen Fluss. Es hat ein ziemlich wildes Aussehen, mehr Sandbänke als der Mississipi und scheint auch öfter Eingriffe in die Ufer zu machen, obschon auch ... nicht selten ist, dass bei Wassergrössen grosse Landstrecken in kurzer Zeit in das Wasser versinken. Bei Einbruch der Nacht könnenkamen wir zur Vereinigung der klaren Whi...mit dem schmutzigen ...Arkansas. Beide fliessen in gerader LInie gegen einander und im rechten Winkel dann weiters in den .. Dieser eigentümliche Ort des Zusammenfliessens der verschiedenen Gewässer macht ein lustiges Spiel welches in der Dämmerung wich zwar angenehm ansieht, qaberdem Piloten sehr unwillkommen ist. Hier sah ich auch zum ersten Mal die Leuchtkäfer in grosser Anzahl. Am Arkansas-Pass kamen wir in der Nacht vorbei u. langten am 23. Nachmittags in Little Rock an.

    Diese Fahrt nach Little Rock zähle ich zu den grössten Unannehmlichkeiten der Reise, denn abgesehen dass die Reise auf den Dampfschiffen überhaupt gefährlicher ist, als auf der grossen See, fand ich auch die letztern angenehmeru. belebter, der Himmel, das Wasser, die Fische u. Insekten boten jeden Augenblick etwas daaar, was die Aufmerksamkeit fesseln konnte. Hier nichts als trübes Wasser u. Wald, der war in seinen einzelnen Gruppen immer schön im allgemeinen aber doch langwweilig ist. Wir hatten aber dies den w. Platz auf dem Dampfschiff gewählt, der zwar gedeckt m. somit gegen Regen geschützt ist, allein bei warmem Wetter wird er von der Maschine u. dem (Hochofen) so erhitzt, das man nicht weiss, wohin fliehen, da aussenher die Sonne , die nämliche Wirkung hervorbringt. Die Gesellschaft war ebenfalls unangenehm, besonders noch dadurch, dass jeden Augenblick Passagiere ankamen u. verreisten, u. man nichts ausser Verschluss halten konnte, ohne es den neugierigen Fingern der amerikaner preiszugeben od. ohne es gar zu verlieren. Der Unterschied zwischen Cabinen Deck ist aber auch sehr gross, der erstere kostet 25 Dollars der zweite 6 dollars, wobei man sich selbst verköstigt. Wir kauften zu diesem Zweck etwas Biscuit, gedörrtes Rohfleisch u. Whisky , ein Mahl das Anfangs gut schmeckt, aberr durch tägliche wiederholung bald lästig wurde. Unser Lager war der harte Boden, weil wir umsere Strohsäcke nicht hatten füllen lassen; unsere Decken leicht, so dasswir in der kühlen Nacht leicht etwas kalt hatten. Diese Lebensart u. etwas Unvorsichtigkeit zogen dem Herrn Chifeli eine starke Dissenterie zu, so dass er in Verdacht eines Cholera Kranken kam. Dies und etwas unbeständiges Wetter hielt uns dann auch etwas länger in Little Rock auf als wir beabsichtigten; ich benutzte die Zeit zu Ausflügen in die Umgegend u. zu Besuchen bei den neuangekommenen Deutschen. Von den Deutschen sind welche kurze Zeit vor uns in N.Orleans angekommen waren gingen etwa 150 Perssonen den Arkansas hinauf, eine Partie endlich haben ... auf eine Farm als Gesellen , andere haben sich die Farmen gepachtet oder gekauft, eine andere Partie hat jenseits des Fllusses neue Ansiedlungen angelegt, trennten sich dann wider u. ein Theil von ihnen ging nach Fort Smith hinauf , eine Partie befindet sich auf einer einer Farm von Herrn Aeschli aus Little Rock, der sie genwärtig nicht bebaut u. sie für dieses Jahr gratis überlassen hat. Bei diesen fand ich einen Universitätsfreund .. aus Weinheim im Badischen, bei welchem ich mich jetzt aufhalte. Nachdem ich L.R. ein Pferd gekauft u. H. Tschif sich etwa hergestellt hatte traten wir am 1. Juni unsere erste Excursion an, das uns ungewohnte Packen des Pferdes versäumte uns lange u. wir konnten erst gegen Mittag über den Fluss gehen, u. es war bereits Nacht als wir nach einigem herumirren im Walde eine an der Strasse liegende Farm erreichten. Unsere Absicht war dem linken dem linken Ufer des Arkansas hinauf bis Fort schmidt, dann über das alcaw gebirg nach Washington county zu dem einen Arm des White River diesem Fluss nach hinunter bis Butesville u. von da nach Little Rock zurück. Ich erachtete dieses Gebiet als dasjenige welches nach seinen geografischen Breiten am besten sämtlichen Wünschen entsprechen könnte, denn nördlich vom weissen Fluss macht es schon zu kalt um mit Vortheil Weinbau zu pflanzen, östlich v, der Strasse zwischen Batesville u. Little Rock ist das Land zu eben, den Ueberschwemungen ausgesetzt, mit Sümpfen u. S…amps durchzogen, der Sitz von bösartigen Fiebern, Mustiken u. zahllosem andern Ungeziefer. Südlich vom Arkansas ist die Hitze im Sommer zu gross, die Communikation mit dem Meere muss durch den Red River bewerkstelligt werden, u. dort isr sie schwierig u. das Land ungesund, u. westlich kommt man in das Gebiet der Indianer.

    Arkansas, Little Red u. White River bilden dagegen gut Communikation mit N. Orl. Das Land ist Hüglicht u. könnte daher gesund sein. Ich will Ihnen nur in kurzem die Direktion andeuten die wir einschlugen, dann meine Ansichten über Land u. Leute mittheilen u. am Ende einige Bemerkungen über meine Reise beifügen.

    Von little Rock gingen wir also am ersten Tag nur 10 Meilen am linken Ufer des Arkansas aufwärts. In der Nacht fiel heftiger Regen, die Bäche schwollen an u. sperrten den Weg, auch fühlte sich H. Tsch. Nicht wohl genug, um mit Strapatzen zu beginnen, u. so blieben 5 Tage in unserm ersten Nachtquartier, am 6. Juli konnten wir nur 8 Meilen vorwärts kommen u. hatten dann für den 7 ten einen Weg von 7 meilen vor uns. Inzwischen hatten verschiedene Regengüsse die Zuflüsse des Arkansa angeschwellt u. in den Rocky Mountains schmolz der Schnee, so dass der Fluss zu einer ungewöhnlichen Grösse anwuchs, über die Ufer trat, u. in den niedrigen Thälern der Nebenflüsschen u. Bäche oft weit in das Land hinein ging.Am 7. hatten wir mehrmals über solches Wasser zu passieren, doch trat es gewöhnlich nur in schmalen Riemen über die Strasse, so dass ein umgeworfener Baumstamm als Brücke dienen konnte, oder dasselbe auf einem kurzen Umweg ganz zu umgehen war. Indessen wurden wir dadurch sehr aufgehalten, u. wir mochten kaum die Hälfte unseres Weges zurückgelegt haben, als wir an ein etwa 1000 fuss breites Wasser kamen Ich sah eine Stute mit ihrem Fohlen duchwaten, u. da ich nicht den ganzen Durchgang sah, aber bemerkte, dass ihr das Wasser nur an den Bauch ging, glaubte ich auch hier gut durchkommen zu können. Wir rüsteten uns zum Uebergang, ich hinter den Effekten auf dem Pferde, Hr Tschifels wattend betraten wir den ersten Pfad, das Wasser wurde immer tiefer, bis das Pferd schwimmen musste u. wegen der Last, die es trug, so tief sank dass alle unsere Effekten unter Wasser kamen. H Tsch. Musste ebenfalls schwimmen, wobei er natürlich bis an die Ohren nass wurde. Indessen langten wir glücklich am andern Ufer an, trockneten uns etwas u. setzten denWeg fort, der aber nach wenigen Schritten an ein ähnliches Gewässer führte.Zum Schwimmen hatten wir alle Lust verloren, suchten daher das Wasser zu umgehen, u. konnten dies mit einem grossen Umweg auch wirklich erreichen. Als wir aber auf die Landstrasse zurückkamen, war die Nacht nahe, u. wir versuchten daher in einem etwas von der Strasse abgelegenen Hause Herberge zu finden. Man machte zwar Anfangs Schwierigkeiten indessen überwog unsere Lage jede andere Rücksicht u. wir waren nachher freundlich und gut gehalten.

    Das immerwährende Steigen des Arkansas hinderte jedes weitere Vordringen, denn der Cadron Creek, andessen Ufer wir nun waren, konnte nicht mehr passiert werden, u. erst nach mehreren Tagen entdeckten wir eine Strasse, die oben durch das Gebirge nach Memphis führt, u. etwa 30 Meilen vor Little Rock die Batesville-Strasse kreuzt. Sogleich waren wir entschlossen unsern Plan umzuwenden u. erst nach Batesvillle zu gehen, was sehr wohlgetan war, da der Arkansas noch mehr wie 14 Tage hoch blieb u. um 6-8 Fuss den bisherig bekannten Wasserstand überstieg. Am 11. Waren wieder auf der Strasse, kamen am 12. Auf dem Weg von Little Rock nach Batesville, erreichten am 14. Mittags die Umgegend von Little Red, die wir etwas näher betrachteten, am 16. Gingen wir etwa 4 Meilen oberhalb der Fähre bei einer Furth durch diesen Fluss und gelangten am 18. Auf d. linken Ufer des White River u. nach Batesville. Von da kamen wir am 20. Wieder auf die strasse am linken Ufer des White River führt oft durch das Gebirge, oft längs des Fluss-Ufer, so dass wir den Charakter des Landes ziemlich genau sehen konnten, daher ohne weitere Nebenausflüge vorwärts gingen, aam 25 ten 20 Meilen oberhalb Big Nordfar.. wieder an das rechte Ufer setzten u. nun über eine Menge Creeks und Bäche nach Feyetteville vorrückten, etwa 4 Meilen führte der Weg durch das Thal, einem kl. Schönen Creek, Crooky Creek, der sich durch sein schönes Aussehen auszeichnet, u. in kurzer Zeit stark angesiedelt sein wird,, obschon wir jetzt noch genöthigt waren, einmal von der Strasse abzugehen um ein Nachtquartier zu suchen.H. Tsch. Und ich verloren uns dabei u. jeder auch den rechten Weg. Ein Fusspfad, den ich einschlug führte mich in eine kürzlich verlassene Niederlassung der Indianer, die nach ihren Hütten zu urtheilen nicht schlechter zu leben scheinen als die meisten Amerikaner bei denen wirwaren. Da ich bei Sonnenuntergang kein Haus erreichte u. auf keinem Weg mich befand, machte ich Anstalt zu einem Nachtlager im Freien, als ich einen Hahn krähen hörte u. dieser sicheren Verkündiger menschlicher Wohnung wirklich am Ziele unserer heutigen Tagesreise eintraf. H. Tsch war nicht da u. als ich ihn folgenden Tags etwa 1 Meilen weiter wiederfand, vernahm ich, dass er im Freien übernachtet hatte. Am 2t Juli kamen wir nach Fayetteville, sahen am 4. Daselbst die Feier der Unabhängigkeitserklärung, die übrigens nur durch eine Musterung begangen wurde, welche so lächerlich aussah, wie wenn unsere 10järigen Knaben spielen. Disziplin, Costüme der Soldaten, Decoration, Alles erinnert an Kinderpossen. Drei Tagereisen brachten uns wieder in das Flussthal des Arkansas, aus welchem das Wasser zwar wieder zurückgetreten, aber oft Meilen weit war die Strasse noch mit Schlamm bedeckt. Welches sehr unangenehme Dünste verbreitete. Wir eilten, so schnell wie möglich aus diesem Qua.. zu kommen, u. erreichten am 16 Juli Little Rock.

    Wenn Ihr meine Theuersten die von N Orl. Gesandte Karte zur Hand nehmt, könnt Ihr daraus wohl im Allgemeinen eine Ideevon unserm Kurs erhalten, allein ich muss bemerken, dass die Karte sonst gar nichts taugt, denn wir fanden sie nicht nur im detail sondern auch im Ab.. der Grafschaften u. in den Allgemeinen Zügen der Flüsse und Gebirgr höchst unrichtig, so das sie uns auf der Reise mehr verwirrend, als nützlich war. Ich habe die Karte nicht zur Hand, sonst würde ich Euch einige Unrichtigkeiten andeuten.

    Von den Annehmlichkeiten unserer Reise darf ich nicht sprechen, den obschon wider mein Erwarten die Gegend so bevölkert war, dass ich jeden Abend ein Nachtquartier fand, so muss ten wir dort meistens in der grossen Hitze des Tages unsern Weg zurücklegen, weil wir am Morgen vor dem Frühstück nicht aufbrechen konnten, u.die Abendkühle zu benützen wegen dem Irregehen nicht anzurathen ist, da man oft am Tag Mühe hat auf der rechten Strasse zu bleiben. An schöne Gegenden u. Aussichten ist hier nicht zu denken, höchstens einen malerischen Punkt trifft man hier und da, sonst geht alles durch Wälder , welche ihrer verschiedenaritigen Holzarten ungeachtet unsern Eichenwäldern aufs Haar gleichen, so dass ein aufgescheuchtes Wild, eine neue Pflanze od. sonstige Curiosität die einzige Unterhaltung bildet. Einzig am White River fand ich einige anziehende Punkte, doch wenn einst die Wälder etwas gelichtet sind wir manches anders aussehen.

    Wenn ich nun zur Beurtheilung von Land u. Leuten in Arkansas übergehe, so müsst Ihr nicht aus den Augen verlieren, dass ich nur die Eindrücke wiederschreibe, welche ein flüchtiger Zug durch das Land in mir hervorbrachte u. dass ich überdies wenig od. nichts von der Sprache der Einwohner verstand, dessen ungeachtet hoffe ich dass mein Urtheil die Wirklichkeit nicht verfehle, besonders wo dasselbe durch äussere Anschauung bedingt ist. Der Charakter des ganzen Landes, soweit wir dasselbe bereisten, u. auch hier herum, wo ich jetzt wohne, ist hüglicht d. h. einzelne, mehr oder weniger in die Länge gezogene Hügel umschliessen die Bäche, Flüsse, Gewässer; die Hügel selbst sind mehr oder weniger hoch, haben oft sehr ausgedehnte Flächen mit gutem Boden auf ihrem Rücken, die Abhänge sind steinig; wenn sie etwas steil sind, mit fruchtbarer Dammerde bedeckt, wo sie sanft ansteigen, was ich den starken Regengüssen zuschreibe, welche den stärker geneigten Bergseite die fruchtbare Dammerde wegschwemmen u. die Steine oder Felsen blos stellen. In den Ebenen ist das Land ebenfalls gut, besonders längs den Bächen und Flüssen, u. dort befinden sich auch die fruchtbaren (Cottems), welche in drei Klassen getheilt werden können: Solche die bei jeder gewöhnlichen Wassergrösse, solche die nur in ausserordentliche hohem Wasserstand u. solche die nie überschwemmt werden. Die Bäche nämlich u. die kleinen Flüsse, so gut wie die grössern wachsen im Frühjahr u. sonst bei Regenzeiten ausserordentlich an und überschwemmen dann Alles Umliegende niedrige Land, in der Sommerzeit trocknen die meisten kleinen Wasser aus u. selbst der grösste Theil der Quellen vertrocknen, so dass im herbst ausserordentlicher Wassermangel eintrifft. Am meisten Mangel an Wasser fand ich längs dem Arkansas, dessen ganzes Flussthal übrigens gar kein gutes Trinkwasser enthält. Alles hat eine milchige Farbe u. einen Beigeschmack was einige einem feinen Lette andere einem Mineralstoffe zuschreiben, das aber jedenfalls ungesund ist u. einem höchst unangenehmen peinigenden Hautausschlag verursacht. Da das Arkansasthal auch überdies mehr als andere Gegenden ungesund ist, so glaube ich, könne man bei Aussuchung eines Platzes auf das selbe völligverzichten. - Die Washington County wurde uns von allen Seiten als ein vorzüglich gesundes Land mit gutem Wasser gerühmt und ich war desshalb sehr gespannt dieselbe zu sehen. Sie liegt in den höchsten Theilen des Yorkgebirges und Fayetteville, der ...hauptort steht auf der Hank od. dem erhabensten Orte des ganzen Gebirges, dass vor dem auf der Karte gezeichneten weiter westlich gelegenen gebirgszugs findet sich nichts vor, in schneller Ab... geht das Gebirge gegen Westen zu Ende u. stösst dort an unermesslich u. völlig meist unbekannte Gewässer. Wegen seiner hohen Lage ist in Washington County der Ursprung einer Menge kleiner Flüsschen, das Trinkwasser ist gut , die Luft rein u. gesund u. weil die Thäler zwischen den Hügeln meist Prärien sind so hat diese Grafschaft auch mehr das Aussehen eines cultivierten Landes. Neben dem aber finde ich wenig daran zu loben, den ihre wenn auch nicht bedeutende Erhebung über dem Arkansas u. White River macht eine so bedeutende erschiedenheit im Klima, dass die Dfferenz 2-3 Breitegrade betragen u. dieses besonders im Frühjahr durch häufigere Spätfröste bemerkbar werden soll. Sogar im Juli, als wir daselbst waren, wehte Abends u. Morgens ein unangenehm kühler Wind u. der starke fortwährende Luftzug de ot beschwerlich fiel , besonders in den Amerikanischen Häusern, welche keinen Schutz gegen Wind und Wellen gewähren können, weil sie nirgends verschlossen sind. Die Prärien sind Moorartig, werden bei etwas starkem Regen so nass u. bodenlos, dass Communikation durch diselben fast unmöglich gemacht wird. Ueberwiegendes Gewicht eine Ansiedlung in dieser Gegend hat aber deren weite Entfernung von einem Schiffbaren Fluss, wovon der nächste, der Arkansas etwa 60 Meilen entfernt ist. Der weisse Fluss beginnt viel weiter unten Schiffbar zu werden, u. an diesem Fluss od. an dem kl. rothen Fluss, der etwa 30 südlicher fliesst, halte ich eine Ansiedlung für unsern Zweck am meisten entsprechend. Diese beiden Flüsse sind nicht wie der Arkansas das ganze Jahr, sondern nur zur Zeit der Wassergrössen trüb, sonst aber ist das Wasser schön klar, das Flussbett meist felsig u. hoch genug um vor Wegfressen u. Ueberschwemmung gesichert zu sein, u. wenn man vielleicht auch höher Flussaufwärts geht, als die Dampfschiffe jetzt kommen, so kann man doch zur Zeit der Wassergrösse seine Produkte mit Kielboten zu Markt führen, u. wie hohen Wert die Nähe zu einer Wasserstrasse hat, lernt man erst recht schätzen, wenn man einige Zeit die hiesigen Landstrassen bereist hat. Ich fand auch das Trinkwasser gut u. glaubte sonst keine besonderen Ursachen zu Entwicklung von Krankheitsstoffen zu bemerken. Wenn dessen ungeachtet hier u. da Fieberkranke sich vorfinden, so mag diese von der Lebensart der Amerikaner u. andern Zufälligkeiten herrühren, vielleicht auch das frühe Aufbrechen des Bodens Einfluss auf die Gesundheit haben. In diesen Gegenden befinden sich neben demn fruchtbaren Landstrichen auch ziemlich ausgedehnte Hügel, die wegen der Beschaffenheit des Bodens auf sehr lange Zeit hinaus niemals in Cultur genommen werden u. daher den angrenzenden Farmern zur Weide, Jagd u. Beholzung offen stehen; Rohrbrüche in denen das Vieh im Winter seine Nahrung finden muss, befinden sich in der Nähe, so dass man ohne Zweifel eine schönen Viehstand haben kännte, was sehr Berücksichtigung verdient, da auf diese Art ein bedeutender Ertrag in den Wäldern aufwächst ohne dass man mehr als etwas Salz darauf zu verwenden hat. Gutes Erdreich findet sich überall in den Bottoms, welche meist eine ganz schwarze Dammerde enthalten; an den Hügeln u. dem höher gelegenen Land herrscht grosse Verschiedenheit, der Boden gewinnt am Arkansas mehr ein übliches, am weissen Fluss ein weissliches Ansehen ... fast überall, wo nicht Sand od. Felsen vorherschend werden, sehr fruchtbar, was nach dem Ansehen u. besonders nach dem Wachstum der daraufstehenden Bäume u. Pflanzen am leichtesten zu beurtheilen ist. Das Erdreich ist überall eine Mischung von Lehm u. Sand, bald das eine, bald das andere vorherrschend, häufiger jedoch mehr Lehm enthaltend. Dieser Boden produziert Alles was ihm anvertraut wird: Baumwolle, Tabak, Mais, alle unsere Kornarten, Gartengewächse, Kartoffeln, kurz Alles was bisher versucht wurde ist gelungen. Mais u. Vieh ist jdoch das einzige was der Amerikaner zu Markte bringt, Baumwolle u. Tabak wird nur in den Bottoms aus Stappelware gezogen, sonst blos für den Hausgebrauch, beide Pflanzungen erfordern auch so viel Mühe, dass sie nur mit vielen Sklaven vortheilhaft gebaut werden können. Ein Aker Mais trägt sich weniger ab, als ein Aker Baumwolle, erfortert aber auch viel weniger Mühe, so dass ein Mann eine grössere Anzahl Aker bestellen u. so den nämlichen Ertrag hervorbringen kann. Mais ist überdies wenigern Zufällen unterworfen als Baumwolle. Von Obstbäumen wird wenig mehr als etwa Pfirsich, weniges Apfel gebaut, beides gedeiht gut, nur dauern die Bäume gewöhnlich nicht so lange wie bei uns, erwachsen aber auch schneller. Birnbäume. Aprikosen fand ich nirgends, ebensowenig Kirschen, Quetschen, Pflaumen, Quitten, Nussbäume u.s.w. - Die hiesigen Bäume dieser Art sind ganz anders, meist schlechter als die unsrigen, obschon sie in verschiedenen Varietäten vorkommen; überhaupt muss man sich auf das Sammeln wilder Früchte zu irgend einem andern Gebrauch als zur Erfrischung wenig verlassen, denn es gibt mehr Mühe als das Pflanzen zahmer Früchte. Auch der Wein wird gedeihen, denn dass ihm Erdreich u. Klima zuträglich sei, beweisen die ausserordentluch vielen Traubenstöcke , die man überall in den Wäldern vorfindet u. die oft in unglaublich dicken Stämmen zu den höchsten Baumkronen emporsteigen um dort für ihre Frucht eine Stütze zu suchen. - Wenn man dieser Menge Weinstöcke ungeachtet nicht häufig Trauben im Wald findet, so ist dies den jährlich wiederholten Waldbränden zuzuschreiben, denn zur Verbesserung der Weiden zündet der Amerikaner alle Jahre das Laub und dürre Gras am Boden der Wälder an, verbrennt dadurch Schlingpflanzen u. das Unterholz, u. hat so den Boden für den Graswuchs frei; das Holz der Reben wird mit zerstört, u wenn die Wurzeln auch wieder ausschlagen, so treiben sie dort keine Früchte; wird das Feuer irgenwo einige Jahre abgehalten, so gibt es Trauben die Menge. Nach den Blättern zu urtheilen glaube ich wenigstens 6-8 Traubensorten bemerkt zu haben, wovon eine einzige Bergtraube weiss, alle übrigen dunkelroth od. schwarz sein sollen. Die Amerikaner unterscheiden Sommer- u. Wintertrauben auch süsse u. saure, welche die nämlichen Arten bezeichnen soll, denn die Wintertrauben bleiben stets sauer, auch wenn sie vollkommen reif sind. Die Zeit der Reife ist verschieden, eine Art süsser Traube soll schon im Juni (fertig) sein, doch konnte ich nichts davon zu sehen bekommen.Eine andere Art reift Anfangs August; Ende August kommen die sogenannten Muskateller zur Reife, eine Frankensorte deren Beeren kugelrund u. sehr gross werden, aber nicht traubenförmig ansetzen, sondern meist nur 1,2,4, Beeren auf einem Stiel sitzen, das Blatt ist sehr klein, rund, glatt u. fein gezahnt, es soll die beste amerikanische Traube sein, ob sie aber den Beigeschmack unserer Muskateller hat, weiss ich nicht. Alle hiesigen Trauben sind sehr fleischig mit weniger Saft, daher sie zum Weinbau nicht vortheilhaft sein werden. Versuche, welche ganz im Kleinen nur mit Captrauben gemacht wurde, misslangen, mach meiner Ansicht weil der Boden zu fett u. eben war, auf dem die Versuche gemacht wurden. Die Weinstöcke setzen schöne u. ziemlich viele Trauben an, bald aber werden die Beeren schwarz, u. fallen ab, welche Krankheit mir viel Aehnlichkeit mit einer harten Fäule, z. Theil auch Brennen zu haben scheint. Dieselbe Krankheit soll die ersten Weinerndten am Ohio zerstört haben, später aber von selbst vergangen sen, vermuthlich als der Weinstock den Boden bereits etwas ausgesogen hatte. Vorsicht bei der Auswahl des Bodens u. Versuche mit verschiedenen Traubensorten werden gewiss zu einem günstigen Resultat führen u. sehr lukrativ sein, da Wein (1 1/2 - 2 Maas) zu 1 .. 1 1/2 Dollar bezahlt wird.

    Ueber das hiesige Klima kann ich mich nur vortheihaft äussern, der Winter soll nicht kalt sein u. nach den Wohnungen zu urtheilen, in denen die meisten Amerikaner den Winter zubringen , kann die Kälte nicht streng sein, weil sie e sonst nicht aushalten würden. Schnee fällt zwar regelmässig, doch selten über einige Zoll tief , u. selten liegt er länger als 14 Tag. Ausserdem soll fast das ganze Jahr schön Wetter sein, u die erste Zeit welche ich in dem Lande war, u. welche zu einer ungewöhnlich nassen Witterung gezählt wurde, bemerkte ich nur häufige Gewitter mit starkem Regen, der aber nie einen ganzen Tag anhielt, u. sobald er augehört, hatten Wind u. Sonne den Boden bald wieder getrocknet, dass man ohne Unannehmlichkeiten umhergehen konnte. Später war Regenschauer, wie ohne Gewitter, u. immer nur auf wenige Stunden. Die Hitze des Sommers ist nicht viel stärker als bei uns, 28-29 Reaumurs sollen ungewöhnlich sein, die Wärme ist aber anhaltend, doch nie fühlte ich sie drückender wie oftmal bei uns. Nur wenn man über freie trockene Plätze geht, so prallt zuweilen die Reverberation glühen heiss ins Gesicht, sonst bewirkt der hiesige Sommer blos ein ausserordentlich starkes Schwitzen, der Schweiss dringt aber so gelinde aus den Poren der Haut hervor, dass man oft ganz nass ist bevor man nur merkt, dass man schwitzt. Ein fortwährender leiser Luftzug wird gestatten in den Häusern auch bei wärmster Witterung angehme Kühle zu erhalten, besonders da die Nächte meist sehr erfrischend sind, den Schlaf nicht hindern, welch letzeres sonst in heissen Ländern häufig der Fall ist , u. die Ursache warum sie für manchen neuen Ankömmling zum Grabe werden. Auf die Pflanzenwelt äussert sich das Klima so, dass man es für das beste Mittel zwischen kalter u. warmer Zone halten muss, denn nordische Gewächse gedeihen neben Tropenpflanzen im Walde so wie in den Gärten.

    Unter den hiesigen Landplagen redet man von Schlangen,Skorpionen, Tausendfuss, Mustiken u.s.w. letztere sind nur längs den Flüssen u. in den Bottens wirklich belästigend, u. das übrige giftige Getier ist so selten,dass man nicht die geringste Furcht davor zu haben braucht, auch Fälle von ereignetem Unglück fast gänzlich unbekannt sind.Die grässte Plage sind die Zecken, welche sich zu hunderten an die Kleider setzen, wenn man zu Fuss in den Wald geht, und nachher durch ihr Saugen am Körper lästig fallen. Doch ist auch diess nicht von grosser Bedeutung, denn die grossen sind nicht so häufig, u. die kleinen zahllosen fallen beim Räuchern mit Tabak ab, od. lassen sich leicht abbürsten, auch wird man dieses Gekrabbel gewohnt.

    So wie ich nun seit meinem hiesigen Aufenthalt nichts bemerkt, was mich bestimmen könnte Euch zu Abänderung Eures früheren Beschlusseszu rathen, so kann ich auch mit Wahrheit bestätigen, dass die Grundzüge von (Dudens) Schilderung des Missuri auch auf dieses Gebiet passen, aber wie sehr Duden mit Vorliebe für das Land geschrieben u. sich zu schönem Ausschmücken verleiten hat, habe ich ebenfalls gesehen. Ohne ihn der Lügen zu bezichtigen darf man ihm doch vorwerfen dass er manche aus unbekannter Quelle gefangene Nachricht als Wahrheit niederschreibt, bei ihm unbekannten Saiten, z.B. der Jagd liess ersich etwas aufbinden, u. er selbst fasst das schöne u. Angenehme welches die Natur an Verschiedenen Orten u. zu verschiedenen Zeiten bietet in ein Bild zusammen, welches die Wirklichkeit nur durch Nachhilfe von Kunst u. Arbeit erreichen kann. Dem aufmerksamen Lehrer entgeht das wesentlichste dieser Ausschmückungen nicht, wie nachtheilig aber solche Schilderungen auf untere Klassen wirkt, hab ich bei einigen der neuangekommenen Deutschen gesehen, statt der wirklichen u. nicht blos eingebildeten Beschwerden, welche den Ansiedler hier in der ersten Zeit erwarten, u. über die Duden so leichtfüssig weggeht, hofften sie schon die ganze Welt voll Herrlichkeiten zu finden. Getäuschte Hoffnungen entmutigen manchen so, dass sie aus Unentschlossenheit viel Geld u. Zeit verloren, u. am Ende gar noch zu ungeschikter Auswahl der Ansiedlungsplätze kamen. Mangel einer bequemen Wohnung ist das fühlbarste, Mangel an der gewohnten Nahrung, wenig Abwechslung in derselben, Entbehrung des Weins drückt den welcher glaubt ein Loghaus sei in 2 Tagen errichtet, das Wildbrett könne man nach Auswahl schiessen u. die Wälder hangen voller Trauben; das Schlimmste aber vorallem ist, dass Duden nur sagt, wie die Amerikaner thun, u. nicht wie die Deutschen Thun können u. thun sollen (nicht noch einiges über die Alles) was mit der Sprache, Klima u. Lebensart vertraute Amerikaner im Stande ist, vermag auch der Deutsche. Ich werde hernach darüber reden wie ich glaube dass wir beginnen sollen u. hier noch einiges über die Amerikaner einschalten, obschon ich mich kurz fassen kann, weil Mangel an Sprachkenntniss u. kurzer Aufenhalt mir nur ein unsichers Urtheil gestatten, u. dessen Endresultat auch überflüssig macht viel Mühe mit schreiben zu verlieren.

    Der Theil des ArkansasTerritoirs welchen ich bereiste ist grösstentheils erst vor wenigen Jahren, einige Plätze sogar erst vor wenigen Monaten von den Indianern verassen u. zur Ansiedlung geöffnet worden. Von den eigentlichen Ansiedlern her ziehen gewöhnlich die sogenannten Bakwoods-Männer, welche die Grenzlinie zwischen dem Indianischen Gebiet u. den Amerikanischen Farmern bewohnen. Es sind diess Leute die lieber alle Entbehrungen erdulden als arbeiten u. denen grösste, u. alles verschlingende Leidenschaft die Jagd ist. In einem neueröffneten Gebiet strömen sie aus allen Theilen des Landes zusammen, je weiter u. je öfter sie zu wandern haben, desto angenehmer ists ihnen. Dies sind die Bewohner welche wir auf unserer Reise tafen, ungebildete, ungesellige mit einer tapsischen Neugierde belästigende Leute, träg u. fahrlässig über alle Begriffe, arbeiten sie nur soviel um sich vor Hunger zu schützen. Sobald die anwachsende Bevölkerung das Wildbrett verd..st od. verscheucht (oder sie hindert) allein von dem ohne ihr Zuthun im Wald aufwachsenden Viehstande zu leben ziehen sie weiter u. verkaufen ihre Ansiedlungen.So ist es erklärbar, dass die meisten Ansiedlungen, welche wir sahen, käuflich sind, u. da nun die festen Ansiedler beginnen sich nieder zu lassenm wird sich in wenigen Jahren die Bevölkerung ganz verändert haben. So treiben es die Bakwoods-Männer bis in ihr hohes Alter, gehen dann in einen alten Staat nach ihrer ursprünglichen Heimat zurück, od. bleiben an Ende irgendwo des Wanderns müde fest sitzen. Dass mit solchen Männern kein geselliger Verkehr eingeleitet werden kann, der uns convenierte, ist natürlich aber auch von ihren Nachfolgern erwarte ich wenig, denn was ich davon sah, muss ich glauben, dass auch diese ungesellig, ... und unzuverlässig sind; oft kommen sie hier zum Besuch, sitzen Stunden lang auf der Bank ohne etwas zu schwatzen u. gehen wieder od bielten kurz vor dem weggehen irgend einen schlechten Gaul od. so etwas zum Kauf an. Diejenigen aus der Nachbarschaft welche sich höflich u. gesprächig zeigen, scheinen auch die verschlagensten u. schlimmsten zu sein

    Wenn ich mich also in dieser Bezieung mein Erwartung nicht täuscht, so wird es doppelt angenehm sein, wenn sich auch noch Familien anschliessen mit denen man in Frieden u. Freude leben kann. Sollte sich noch Jemand Euch anschliessen wollen, so lasst Euch nur dann ein, wenn Ihr die Leute gut kennt denn sonst hat man oft mehr Verdruss als Annehmlichkeit von der Gesellschagft. Familien von Landleuten mitzunehmen ist ebenfalls abzurathen, denn höchst selten ist ..dafür Dank geerntet worden. Angenehm hingegen wäre es wenn Ihr eine Magd zur Verrichtung häuslicher Geschäfte, Kuhmelken, Garten u.s.w. mitnehmen könnt. Wollet Ihr dennoch Jemand mitnehmen, etwa wegen dem Rebland, so müsst Ihr einen schriftlichen Vertrag mit ihnen abschliessen, denselben durch einen amerikanischen Consul od. Gesandten legalisieren lassen, wenn er je sollte geltend gemacht werden. Die Kosten der Ueberfahrt u. des ersten Unterhalts hier dürft Ihr immer auf 200 bis 260 frs berechnen u, danach abschliessen. Da ich nach einer allgemeinen Ansicht des Landes der Gegend am oberen Theil des weissen Flussen von etwa 40 - 100 oberhalb von Batesville in den kl.rothen Fluss etwa 20 Meilen westlich bon der Batesville Strasse den Vorzug gebe, aus Gründen die, wie ich erwarte auch Euren Entschluss bestimmen werden, so bin ich nun gesonnen Anfang Septrmber, wenn die Hitze etwas nachgelassen hat, noch einmal dorthin zu gehen, daselbst mich näher umzusehen u. wo möglichden Winter dort zuzubringen. Die Auswahl eines schicklichen Platzes muss ich dann Eurer eigenen Auswahl überlassen, u. glaube den Zweck meiner Reise möglichst erfüllt zu haben, wenn ich bei dieser Auswahl in so weit als Führer dienen kann, Euch den Besuch an u. für sich umpassender Orte zu ersparen. Nach meiner Meinung kannu. soll die Auswahl des Platzes nicht nach einer flüchtigen Besichtigung des Landes , sondern erst nach längerer Ueberlegung geschehen, weil sonst eine schlechte Wahl das gewöhnliche Resultat ist, indem mur eine Jahreszeit berücksichtigt wird. Erfahrungen der Art wurden lrtzhin von mehreren Deutschen gemacht. Um nun zu diesem Zweck die nöthige Zeit zu gewinnen, u. um nicht eine lange Zeit nutzlose u. Geldfressende Art zu verlieren, rathe ich für das erste Jahr irgendeine Farm in Pacht zu nehmen, auf der man sich sogleich beschäftigen, produzieren kannu. mit der hiesigen Landkultur bekannt macht. Ob man später ein bereits begonnenes Settlement kaufen, od. ein ganz neues einrichten will, müssen Umstände u. Lokalität bestimmen. Ich werde zwar hierüber Eure Antwort erwarten, sollte sich jedoch eine günstige Gelegenheit zu Hoffnung einer passenden Farm darbieten, so werde ich sie nicht vorübergehen lassen; ich werde dann die erst Frühlingszeit benützen um die Wohnung für Euch vorzubreiten, etwas Vieh für den Hausbedarf u. Lebensmittel anzuschaffen, u. sonstige nothwendige Anordnungen treffen, damit Ihr bei Eurer Ankunft in N. Orleans sogleich wisst wohin Ihr Euch zu wenden habt.Ankäufe machen sich im winter u. Frühjahr auch besser als später, wo die Preise der Lebensmittel steigen, ja sogar oft nicht mehr zu haben sind.

    Dies wäre der Plan meines Beginnens, was Eure Reise u. Gepäck betrifft, so kann ich fürs Erste über das was mitzunehmen ist nur im Allgemeinen sagen dass Alles, mit äusserst seltenen Ausnahme, sogar Möbeln wohlfeiler zu stehen kommen, wenn Ihr sie mitbringt, als wenn Ihr sie hier kauft oder machen lässt, u dass viele Gegenstände gar nicht zu haben sind. Ihr könnt also mitnehmen was Ihr hier zu gebrauchen gedenkt, wobei Ihr auch den Besitz von Vieh zu berücksichtigen habt, wegen Anschaffung von einigen Glocken u.s.w. Ihr müsst aber hierbei besonders bei der Anschaffung v. Möbeln nicht aus den Augen verlieren, dass man hier zu Lande viel einfacher lebt, als bei uns, und manches Stück durch eigenes Fabrikat ersetzt werden kann, wenn die ersten Arbeiten vorbei sind u. die Zeit gestattet an Bequemlichkeiten zu denken.

    Pulver und Zündhölzer mitzunehmen ist rathsam, weil hier Alles theuer u. schlechter ist, u.erstens in einem wohlverschlossenen hölzernen Kästchen ohne Gefahr tranportiert werden kann. Blei kostet im détail 1/8 Dollar das Pfund, wenn es nicht zu viel Geschlepp macht, wäre also auch hier mehr als der Transport herauszuschlagen. Wie Ihr Euch wegen dem Verpacken der Kisten, u. wegen d. Transit durch Frankreich zu benehmen habt, werdet Ihr wissen; über jede Kiste wird nämlich ein vollständiges Verzeichniss des Inhalts verfertigt, u. dieses rathe ich in Copie sorgfältig aufzubewahren, dass man hier bei der Ankunft weiss wo man die Sachen zu nehmen habe, die man braucht. Die Flinten müssen, um sich gut zu konservieren, mit Unschlitt ausgegossen, das Zündloch u. der Mund mit Propfen versehen, aussen ebenfalls tüchtig eingeschmiert u. wo möglich in trockenes Werch od. Guder gewickelt werden Sämereien bleiben nur in dichtverschlossenen od. verpichtem Glase gut, sonst laufen sie auf dem Wasser u. verderben. Dürres Obst von dem ich rathe ziemliche Vorräthe mitzunehmen, wird in gut verschlossenenFässern conserviert, wo möglich sollte aber von Zeit zu Zeit darnach gesehen werden. Wir hatten unsere Quetschen in einem blossen sackleinen in der Kajüte hangen, u. dort wurden sie gegen das Ende der Fahrt so feucht u. nass, dass wir sie schnell essen mussten, um sie nicht verderben zu lassen.In einem Fass verschlossen wird dies vermuthlich nicht geschehen. Eure eigene Reise nach Havre könnt Ihr nach eigener Ansicht ausführen, von dort rathe ich nach New Orleans einzuschiffen u. auf Dampfbooten den Mississipi u. White River hinaufzufahren. Auf dieser Strasse werdet Ihr etwa 2-3 Wochen länger auf der See, aber um soviel weniger auf dem Dampfschiff zubringen müssen, u. sowohl wegen den Gefahren als der Unannehmlichkeiten wollte ich lieber auf der offenen See als auf dem Dampfschiff sein. Diese Reise ist auch viel kürzer, ungleich viel wohlfeiler, besonders wegen dem Gepäck, das nicht gering ausfallen wird. Dieses müsste auch, wenn Ihr einen andern Landungsplatz als N. Orleans wählt, höchst beschwerlich fallen u. viele Kosten verursachen, u. eine Reise durchs Land auf Dampfschiffen hat nichts interessantes, u. mit dem Wagen ist sie fast unmöglich u. zu langsam. Dieser Weg erfordert aber ein frühzeitiges Verreisen, damit Ohr vor der krankhaften Zeit, welche im Juni anfängt, durch N.Orleans passieren könnt. Auf Schiff u. Dampfschiff rathe ich in die Kajüte zu gehen, denn es wäre der Mutter u. meiner Schwester nicht zuzumuthen sich in den andern Schiffsräumen aufzuhalten. Im Havre könnt Ihr Euch durch Empfehlungen einen Vermittler schaffen, wenn allenfalls der Kapitän nicht französisch spicht, u. mit ihm schliesst Ihr einen schriftlichen Vertrag über den Ueberfahrtspreis ab. Gepäck wird frei sein, doch muss es ausdrücklich bemerkt werden. In N.Orl. werdet Ihr entweder H. .schifeli vorfinden od. H. Nicolet wird sich Eurer annehmen, übrigens wird dort viel Deutsch gesprochen. Mit den Kapitän des Dampfschiffes könnet Ihr ebenfalls akkordieren u. wen die Zahl der Passagiere gross ist, wird er den Preis um 1/4 od 1/5 herabsetzen u. nebendem das Gepäck frei nehmen. In N.Orl. werdet Ihr dann auch einen Brief v. mir vorfinden, der über meine Dispositionen u. Anordnungen Auskunft gibt, Euren Landeplatz bezeichnet, an dem ich Euch erwarte, u.s.w.

    In dem Vohergehenden habe ich, meine Theuersten, in möglichster Kürze das Resultat meiner Reise niedergelegt, es ist freilich nicht so reichhaltig als Ihr erwarten werdet, allein ich muss gestehen dass ich jeden Tag fühlte, ich sei nicht mit den nöthigen Kenntnissen für den vorgesetzten Zweck ausgerüstet; indessen habe ich doch die Gewissheit erlangt, das schöne Vaterland nicht nur einer trugvollen u. unsichern Zukunft willen verlassen zu haben; die Freiheit, welche unsere Berge so schön macht, finden wir hier wieder, u. unverkümmerter, als wir sie bisher genossen , u. die Stimmung der Gemüther in Europa lässt mich vermuthen, dass sie noch länger hiesigen Wäldern verweilen werde als in den Schweizer Alpen. Im Kreis der Familie u. Freunde werden wir hier ungestört leben können, u. diess ist besser als mit mehr Bequemlichkeit u. grösseren Sorgen sich durch die Welt zu schlagen. Wie Einem der lange nach dem Hute sucht, der auf dem Kopf sitzt, so geht mirs jetzt mit Jagd u. Fischerei. was meine Vorzüglichste Beschäftigung ist, darüber vergesse ich zu schreiben. Die Amerikaner gehen nur mit ihren langen Kugelbüchsen... auf die Jagd u. damit jagen sie Alles, Schrotflinten besitzen sie höchst selten. Da sie demnach weder im Lauf noch im Flug schiessen können, gehen sie meist ohne Hunde aus, schleichen in den Wäldern umher, u. was ihr scharfes Auge erblickt, entgeht selten ihrer Kugel. Tier die nur des Nachts umhergehen,hetzen sie mit Hunden auf die Bäume u. schiessen sie dann todt. Hirsche werden am Tage auf der Weide u. Nachts am Lockplatz bei dem ... erlegt. Alles dieses braucht viel Uebung u. Anleitung dazu u. doch wird unser Auge nie dem des Amerikaners gleich kommen, unsere Art zu jagen wird aber auch angehen, die Hirsche haben ihre bestimmten Gänge u. Wechsel, eben so die Füchse, zu Hetzen sind die hiesigen Hunde gut u jagen auf jedes Wildbrett anhaltend. Das meiste Vergnügen wird aber der Hühnerhund bringen, weil im Herbst u. Winter sehr viele Zugvögel sich hier aufhalten u. die Feldhühner u. Truthühner von demsemselben am leichtesten zu bekommen sind. Ich wünsche daher sehr, dass Ihr Hühnerhunde mitbrächtet, u. zwar mehrere, dass man züchten kann, denn hier findet man keine guten Racen. Der Transport hat weder auf dem Meer, noch auf den DampfschiffenSchwierigkeit, denn bei der letzten Gesellschaft Deutscher war eine ganze Menge Hunde. Man braucht auch mehrere, weil man zu gewissen Zeiten alle Tage in den Wald geht, was ein Hund in dem warmen Klima nicht aushalten kann. Von Fischerei verstehen die Amerikaner nichts als Angeln u. Harpaunen, mit welch letzeren man grössere Fische fangen kann. Für Netze sind die Flüsse zu voll Stauden u. Baumstämme.

    Nun theuerste Eltern u. Geschwister, schliesse ich mit herzlichem Gruss an Euch u. allen meinen Bekannten, u. mit dem Wunsche Euch binnen möglichst kurzer Frist gesund hier ankommen zu sehen. Euer Sohn, Gottlieb Jäger.

    dieser Brief ist vom 22. 7ten 1833 in New Orl. durch Herrn Nicolet Consul Suisse spediert - angekommen d. 7 November 1833 u. mit folgendem Vers v. Schiller geflickt worden.

    Die angebornen Bande knüpfe fest,

    Ans Vaterland, ans Theure schliess dich an,

    Das halte fest mit deinem ganzen Herzen!

    Hier sind die Starken Wurzeln deiner Kraft!

    Dort in der fremden Welt stehst du allein,

    Ein schwankes Rohr das jeder Sturm zerknickt.

    (beantwortet bald darauf)

  • no 4 13.Sept 1833

                                                                   Bei little Rock 13. September 1833

                                                                              

                                                                       Dazugekommend 14 Januar 1834

    THeuerste Eltern u. Geschwister! Eure Briefe v. 8 u 10 April u. 23 Mai sind mir d. 8 ... durch H. Nicolet's Vermittlung zugekommen bei dem sie vermuthlich schon einige Zeit gelegen haben, u. so spät versendet wurden weil er erst andere Berichte u. Adressen abwarten musste. Ich danke Euch sehr für Eure beforderlichen Nachrichten, die mich gerade erfreuten als ich etwas an einem Fieber darniederlag, das nur durch eigene Unvorsichtigkeit zugezogen hatte, es dauerte nur wenige Tage, aber noch jetzt fühle ich mich etwas schwach u. muss vorzüglich strenge Diät halten, um einen Rückfall zu verhüten. Von Euren an mich gerichteten Fragen werdet Ihr manche in meinem Brief schon beantwortet findenm den ich vor etwa einem Monate abgehen liess, indessen will ich dieselben hier nochmals der Reihe nach durchgehen u. mit Beantwortung des Briefes v. Mutter anfangen.

    Fürs Erste macht Ihr mir zur Pflicht nochmals zu überlegen, ob das hiesige Land auch allen Hoffnungen entspreche, die man v. demselben hegt. Alle neuangekommenen Auswanderer finden sich in ihren Erwartungen betrogen, alle aber welche einige Jahre im Lande sind, u. ihre Einrichtungen mit einiger Umsicht getroffen, fand ich äusserst wohl zufrieden, u. meist wohlhabend, daher ich mich darauf beschränken will, Euch nochmals vorzulegen, wie ich die Sachen gefunden u. wie ich sie erwarte, dann mögt Ihr selbst urtheilen, ob die Auswanderung Euch wirklich rathsam scheint od. nicht. Vor allem eins muss ich bemerken, dass aus Euren Briefen hervorzugehen scheint, man komme hier schon in ein ziemlich bevölkertes u. kultiviertes land, in dem noch viele der alten Gewohnheiten, Bequemlichkeiten u. Gesellschaftlichkeit zu finden sei. Wenn wir in dem Landestrich uns niederlassen, den ich gegwärtig im Auge habe, so werden wir zwar genug Bevölkerung finden, um uns bei grösseren Arbeiten u.s.w. die nöthigen Hilfeleistungen zu bieten, auch werden sich vielleicht einige der letzteingewanderten deutschen Familien dort niederlassen, wenigstens warten sie auf meine Berichte die Gegend zu besichtigen, aber an Kramladen, wo man die kleinen Lebens-

    bequemlichkeiten um geringes Geld kaufen , an das Vorhandensein von Handwerkern, wo man gleich Alles nach Belieben kann machen lassen, ist im Allgemeinen nicht zu denken, u. jeder muss sich selbst helfen so gut er kann. Ich halte dies für keinen Nachtheil, denn man wird auf diese Art gezwungen manches Ueberflüssige entbehren zu lernen, u. Vieles sich selbst zu verfertigen, für das man sonst aus alter Gewohnheit Geld ausgegeben hätte, was bei der hiesigen Theure jeder Sache sich am Ende bald in grössere Summen zusammenaddiert. Was das Gesellschaftliche anbetrifft, so bin u. bleibe ich der Meinung, dass die Amerikaner nie zu uns passen, wenigstens die meisten, mit denen ich bisher zusammentraf, fand ich so, dass ich immer froh war, von denselben wieder wegzukommen. Wenn man nicht mit ihnen in ihre langweiligen politischen od. sogar religiösen Materien eintritt, so wissen sie keine Unterhaltung, als etwa einem bis aufs Blut mit Fragen zu quälen, die, so unbescheiden sie oft auch sind, ohne Unhöflichkeit nicht unbeantwortet gelassen werden können. Wer der Sprache mächtig ist, kann sich allenfalls auf der Reise dafür entschädigen, dass man ihnen gewaltige Bären aufbindet, mit seinen zukünftigen Nachbarn aber darf man um seiner selbst willen sich diesen Spass nicht erlauben, denn was man einem erzählt, das trägt er noch am nämlichen Tage in aller Eile bei seinen Nachbarn herum. So, meine Theuren, seht Ihr, dass man in dieser Beziehung ganz auf sich u. auf die Freunde , die mitkommen beschränkt ist, da aber auch wenige gute Bekannte eine angenhme Gesellschaft unterhalten können, so sehe ich hierin wiederum nichts anstössiges. Dieser Charakter der Amerikaner macht es für mich auch ganz gleichgültig, ob wir in eine mehr od. minder bevölkerte Gegend kommen u. ich halte die Ansiedlung u. Lebensweise in Letzterer für wohlfeiler, was auch zu berücksichtigen ist; kommt später eine grössere Bevölkerung, so ist man schon so weit gediehen, um dann den Bedürfnissen begegnen zu können. Trotzdem dass die Ansiedlungen nur noch spärlich über das Land zerstreut sind, ist schon den Indianern durchaus nichts zu befürchten, denn diese sind bereits 200 bis 300 Meilen weiter gegen Westen gerückt, überdies von gutem Naturell, viele davon Christen u. treiben Ackerbau, wie die Weissen. Wenn Ihr nach überstanderner Reise in den hiesigen Wildnissen ankommt, so werdet Ihr im Anfang in einem gewöhnlichen Loghause logieren müssen; es sind dieses Häuser gerade wie die Hütten unserer Sennen auf den Bergen, über einander gelegt Baumstämme, die offen ein Fenster haben, oft keines , zuweilen ist der Boden gedielt u. die Zwischenräume zwischen den Balken mit Holz u. Erde vermacht; wo diess nicht ist, kostet es geringe Mühe dasselbe zu thun, überhaupt ist ein Loghaus sehr leicht in einen ordentlichen Wohnraum umzuwandeln, u. die Amerikaner unterlassen es meist nur aus ...lässigkeit ... folgen die Sorgen für den Lebensunterhalt. Da kein Amerikaner mehr arbeitet als er nothwendig muss, so ist natürlich, dass sie auch nur so viel Vorräthe an Lebensmitteln planzen u. zubereiten, als sie für sich brauchen, so dass   man von ihnen weder Gemüse noch Kartoffeln od dürres Fleisch u. Speck kaufen kann, das einzige was zu erhalten ist Welschkorn, weil diess ihr Stappelartikel ist, durch dessen Verkauf sie theilweise das Geld herbeischaffen, um ihre Auslagen für Stoffe, Zucker u.s.w. zu decken. Mehl u. der Ertrag der Kühe ist daher in dem Anfang da Einzige was man an Nahrungsmitteln hat. Wer frühzeitig hier ankommt, oder wem jemand die Ankunft vorbbereitet, em bietet der Garten dann sehr bald Allerlei Gemüse, doch hält es manchmal schwer die nöthigen Sämereien zu erhalten. Ihr werdet hieraus sehen, wie wichtig es ist Euch mit dürrem Obst aller Art, Bohnen u.s.w. zu versehen, auch alle möglichen Sämereien mitzunehmen, u. dieselben sorgfältig zu verwahren. In versiegelten Flaschen bleiben dieselben am besten, was aber nicht so aufbewahrt werden kann, müsst Ihr auf der Reise öfter nachsehen u. trocknen um es vor dem verschimmeln zu bewahren. Wenn ich Euch für den ersten Sommer eine Farm pachten kannm so werde ich zugleich manchen der vorerwähnten Mängel abzuhelfen wissen, u. wir gewinnen jedenfalls im ersten Jahr so viel Erde, dass wir fürs künftige Jahr keine Lebensmittel kaufen bräuchten. Sobald wir eine eigene Farm haben, so wird durch ein besseres Haus der schlechtenWohnung abgeholfen, mit Thätigkeit richtet man sich in allen Beziehungen besser ein, der Abtrag der Felder wird so gross, dass man anfangen kann von seinen Produkten zu verkaufen, ebenso vermehret sich der Viehstand, dass er Geld abwirft, man sorgt nun nach und nach für mehrere Bequemlichkeiten u. in wenigen Jahren hat man sich so eingerichtet, dass man für immer gut aufgehoben ist. Wir selbst werden zwar nicht so strenge Handarbeit verrichten können, um diess Alles selbst zu vollbringen, allein ich denke Vaters Vermögen wird hinreichend sein um einen od. zwei Sklaven zu kaufen, u. auch nur mit einem können wir sehr viel Feld bestellen, weil alle Arbeit äusserst leicht gedeiht. Ebenso wächst in den Gärten so viel ich gesehen, Alles Mögliche vorzüglich, u. alle Bäume bringen schnell Früchte. Wenn Vaters Sorge ist wie das Geld für die nöthigen Anschaffungen herbeigeschifft werde, so habe ich oben schon gesagt, das die Amerikaner diess aus den Verkäufen von Korn u. Vieh bestreiten, wenn uns überdiess der Weinbau gedeiht, woran ich nicht zweifle, so wird dies eine ergiebige Geldquelle sein, da er sich theuer verkauft u. ein Gallon, ca. 1 1/2 Mass bis zu 1 Dollar bezahlt wird. Das Brantwein brennendürfte vielleicht später auch ein guter Erwerbszweig werden, doch ist die Anschaffung des dazu nöthigen Apparats zu kostbar, als dass ich rathen möchte, denselben sogleich mitzubringen. Wenn wir später uns mit diesem Geschäft abgebenwollen, werden wir die nöthigen Einrichtungen schon zu treffen wissen. Wenn die Lokalität Gelegenheit bietet, dass Hans eine Mühle od. Schneidemühle bauen kann, so wird diess eines der besten Geschäfte sein. Ueberhaupt lässt die Unthätigkeit der Amerikaner für eine ganze Menge von IndustriezweigenRaum, da Alles, was hier zu Land mit etwas Umsicht u. Geldhilfe begonnen wird, bringt reichlichen Gewinn. So meine theuersten Eltern, glaube ich , können wir nicht allein einer sorgenfreien , sondern auch einer angenehmen Zukunft entgegen sehen, den wenn auch einige Zeit darüber hingehen dürfte, bis man an Verschönerung seiner Umgebung denken darf, so wird uns das angenehme u. schon ziemlich südliche Klima, verbunden mit der Fruchtbarkeit des Bodens sehr manches erfeuliche Resultat bieten. Die unbedingte Freiheit u. Abwesenheit aller lästigen Formen des gesellschaftlichen Lebens der alten Heimat wird die Gaben der Natur ... u. die Freundschaft unserer Reisegenossen u. Landsleute die Stunden kürzen.

    Ueber den Zeitpunkt Eurer Abreise habe ich mich in meinem letzten Briefe ebenfalls schon geäussert. Ich halte den Hornung für den besten , den März für den spätesten Termin , weil Ihr sonst Euren Weg nicht mehr über N. Orl. nehmen könnt, u. Ihr bei späterer Abreise überhaupt Gefahr läuft, durch niedrigen Wasserstand die Kurse der Dampfschiffe gehemmt und dadurch Eure Reise vielleicht auf mehrere Wochen unterbrochen zu finden. N.Orl. zum Landungsplatz zu wählen hat den entschiedenen Vortheil, dass eine verlängerung der Seereise von 2-3- Wochen Euch dem Ziele viel näher bringt, das Gepäck braucht nur einmal umgeladen zu werden, die Fahrt auf den dampfschiffen, welche sehr unangenehm ist, wird kürzer sein, u. die Unkosten für Transport der Effekten bis zum Bestimmungsort beträgt nur 75 cts pro Zentner, Zu dem ist N. Orl. der günstigste Platz um die nöthigen Ankäufe v. Zucker, Kafe, Reis, Gewürzen u. dergl. zu besorgen, was Alles bei Anachaffung aus Kramladen den doppelten Preis kostet, als wenn man es in N.Orl. en gros kauft. Die Ausschiffung in Newyork hat den einzigen Vortheil, die Seereise etwas abzukürzen, wohlfeiler ist sie nicht, dann müsst Ihr bis auf den Ohio bald zu Wasser, bald zu Land reisen, auf diesem Fluss an der Stromschwelle nochmals zweimal ausladen, am Ausfluss des Arkansas aber ein diesen Fluss hinauffahrendes Dampfschiff erwarten, weil die Schiffe so den Missis. herunterkommen, nicht den Arkansas u. White River hiauflaufen. Als Entschädigung für all diese Mühen u. Untriebe u. vielen Kosten habt Ihr nichts od. sehr wenig Interesse von der Reise selbst zu erwarten, denn ich glaube kaum dass dieses die Verlängerung des Dampfschifffahrens aufwiegen wird. Die Vortheie der Reise über N.Orl sind so entschieden, dass die Nordamerikanischen Schriftsteller denjenigen Auswanderern, welche aus den nördlichen Staaten nach dem Mississipi Thale ziehen, anrathen ihren Weg über N,Orl. u. den Miss. hinauf zu nehmen. - In Betreff der Miethung einer Farm um Euren Empfang vorzubereiten trifft Euren Wunsch mit meinen Vorschlägenzusammen, u. ich werde demnach hierin so handeln wie es mir am zweckmässigsten scheinen mag. Dass Fritz u. Konrad vorauskommen, würde Euch wenig nützen u. Euch nicht allein das Vergnügen entziehen die Reise gemeinschaftlich zu machen, sonder Ihr würdet auch deren Hülfe bei Verpackung u. Transport der Effekten verlieren, was nicht wenig verlust wäre. Die Ansiedlung in der Nähe einer Stadt ist ein schwieriger Punkt, im ganzen Arkansas Territorium ist keine einzige Stadt die eigentlich diesen Namen verdient, sonern es sind alles neue Plätze mit sehr wenigen Häusern, u. überhaupt von geringem Belang. Little Rock ist der Hauptort des Territoriums u. der einzige der zu einigem Umfang anzuwachsen verspricht, aber fürs Erste findet sich in dessen Nähe kein gutes, gesundes u. von Ueberschwemmungen gesichertes Land, u. 2t. ist diese ein Ort den ich so viel wie möglich zu vermeiden suche, weil er der Sitz v. Spielern, Trinkern u. andern händelssüchtigen u. betrügerischen Müssiggängern ist, die sich fast alle Wochen die Messer in den Leib stossen u. mit Pistolen aufeinander schiessen, was bei der schlechten Polizei nur dann Folgen hat, wenn der verletzte Theil etwa klagt. Die Sache ist in dieser Beziehung so weit, dass kein Amerikaner in die Stadt geht, ohne sich mit Pistolen od. sonst zu bewaffnen. Wo wir uns auch niederlassen, glaube ich soll unser vorzüglichstes Augenmerk auf das gerichtet sein, was für unsere beabsichtigte Landökonomie dienlich ist, denn überall werden Fritz u. Hans Gelegenheit finden ihren Beruf auszuüben, weil der Mangel an Handwerkern nöthigt, dieselben aufzusuchen, wo sie sich finden. Die Nähe der Deutschen zu suchen würde ich auch, wenn es andern Vortheilen nicht hinderlich ist, allein dieses Volk ist schon so sehr zerstreut u. meist so unglücklich in der Auswahl ihres Landes gewesen dass die einzige Möglichkeit wäre, meinem Freund Hübsch u. Gollmann mit noch etwa 2 Familien in unsere Nähe zu bekommen. Treffen sie aber ein andere Wahl als wir, so wird es doch nicht lange anstehen, dass sich bald noch mehr von unsern Landsleuten um uns sammeln , denn die Vortheile, wenn ein neuer Ankömmlich sich an einen bereits einige siedelnden Bekannten anlehnen kann, sind offenbar u. einleuchtend, um so schnell übersehen zu werden.

    Jetzt kommen wir an die mitzunehmenden Effekten, u. da lehrt mich die bisherige Erfahrung den früheren Spruch, so wenig wie möglich, geradezu umzuwenden u. zu sagen"so viel wie möglich". - Wenn Du, meine liebe Mutter, mich frägst, wie weit man hat um spinnen u. weben zu lassen, so sage ich: gar nahe, denn da man schwerlich Spinnerinnen u. Weber ausfindig machen könnte, die für andere Leute arbeiten, so werden wir es machen, wie die andern Amerikaner; die Frauen u. Töchter des hauses spinnen u. lernen weben, färben auch u. machen so das Zeug für den ganzen Hausbedarf selbst, u. da mich Vater ohnehin fragt, ob für meine Schwestern sich auch genugsame u. nützliche Arbeit finden wede, so ist hier eine von den vielen Antworten die ich auf diese Frage diese Frage gehen könnte. Die Webstühle, die man hier hat, sind übrigens sehr einfach u. Fritz wird im Stande sein einen zu verfertigen, das so geheissene Geschirr könnt Ihr vielleicht sogar mitnehmen, ich glaube aber es ist für Baumwolle u. Leinen verschieden. Die Manipulation des Webstuhls ist auch einfach u. wird bald gelernt sein. Spinnräder, wie ,an sie bei uns hat, sah ich bisher ein einziges, welches eine alte Frau aus den nördlichen Staaten mit sich gebracht hat, u. darauf sehr schönen Flachs verspann. Sonst sah ich nur Baumwollenräder. diese aber fast in jedem Haus. Es wäre also gut Eure Spinnräder nicht zurück zu lassen. - Was Dein ... betrifft, l. Mutter, so denke ich es unzweckmässig, das zu verkaufen . Wenn es nicht sehr fein u. nur für die Dauer ist, so passt es desto besser in hiesiges Land, u. wenn Du zuletzt Ueberfluss hast, so verkauft sich hier besser als bei uns. Auch glaube ich nicht, dass man leicht zu viel Kleider mitnimmt, weil der Macherlohn v. ein Paar Hosen 2-3 Thlr u. von einem tuchernen Ueberrock 8-10 thlr kostet. Die façon ist hier gleichgültig, denn jeder trägt was ihm beliebt, doch möchte ich nochmals aufmerksam machen, besonders auf Anschaffung v. viel u. starkem, wenn auch noch so groben Sommerkleidung zu halten. Tuch trägt man nur wenn das Wetter es gebietet, u. dies wird in einem kl. Theil des jahres sein. Dagegen rathe ich allen alle Kleider mitzunehmen, sie thun in gewissen Fällen so gute Dienste als andere, darum vergesst meinen alten braunen Ueberrck u. Hosen ja nicht, u. was ich sonst Alles habe. Für den allgemeinen Hausgebrauch dürften 2 od. 2 Kapute wie die Soldaten haben zweckmässif sein, wenn man etwa bei Regen u. Unwetter um das Haus herum etwas zu thun hat, od. ins Holz muss. Schuhe gehen bei der Hitze schnell kaput, wenn man nicht fast alle Tage mit Fett schmiert, was Ihr in Beziehung auf deren Revision notieren mögt, auch ist im ganzen Lande kein Schuhnagel zu finden , weil hier zu Lande Alles ungenagelte Schuhe trägt.

    Jetzt l. Mutter, forderst Du von mir ein vollständiges Verzeichniss aller Gerätschaften, die Ihr mitnehmen sollt, u. aller Samen, die man nicht haben kann. Das ist wahrhaftig zu viel verlangt u. geht über mein Wissen, u. aus dieser Verlegenheit kann ich mich nur durch den oft wiederholten Spruch ziehen, dass Ihr hier nichts kaufen könnt, das nicht, den Transport eingerchnet, wohlfeiler v. Hause mitgebracht wird, u. v. Sämereien nehmt mit, was Ihr auftreiben könnt, denn das wenige, was etwa hier zu haben ist, wird wohl v.anderer Sorte sein, als sie sich bei uns finden, u. überhaupt ist es sehr mühevoll, solche auf den oft weit von einander entfernten Pflanungen zusammenzutreiben. Was ich indesen sammeln kann, werde ich aufheben, u. Euch zum beliebigen Gebrauch getreu überliefern, aber, wie gesagt, verlasst Euch nicht auf das. - Diese Instruktion, hoffe ich, soll Euch mehr Weisung geben, als wenn ich mich in eine Aufzählung v. Gegenständen verirrt hätte, die doch nur höchst unvollständig ausfallen könnte. - Ob Bienen hier wachsen? Gewiss, denn viele Leute sammeln wilden Honig, andere halten die Bienen in Kästen, wo sie ebenfalls sehr gut gedeihen; der Honig selbst schmeckt nicht so süss wie der unsrige, aber er ist ganz hell u. sehr aromatisch. - Kirschen? Sah ich nur wilde, eine dürre Haut über einen Stein gezogen u. ungeniessbar; von zahmen Kirschen sah ich nirgendwo eine Spur, ebensowenig v. Aprikosen od. Birnen, keine Quitten, Mispeln, Pflaumen u.s.w., dagegen viel Pfirsich u. einige Sorten Apfel. Wenn ich aber nicht irre, will sich Vater so einrichten, dass er nach unserer Ansiedlung sich die nöthigen Baumstämme will aus Europa kommen lassen, u. in diesem Fall wird er dann schon zu wählen wissen, sonst aber mag obiges als blosser Fingerzeig dienen. Was die vielerlei Pfunde kosten, nach denen Du, meine l. Mutter frägst, kann ich Dir nicht beantworten, doch vermuthe ich, wenn Ihr Eure Ueberfahrt auf einem Handelsschiff macht, wird Euch der Kapitän schwerlich mit genügsamem Bettwerk versehen od. Euch mit dem begnügen können, was geboten wird. Ihr werdet also darauf zu denken haben, einen schönen theil Eures Bettwerks z. Gebrauch auf dem Schiff, u. dieses, namentlich die Matratzen u. Kopfkissen, werden Euch dann auch hier gleich v. Anfang willkommen sein. Unsereins kann sich am Anfang wohl behelfen, mit einemgut gefüllten Strohsack, bis man so viel Baumwolle pflanzen kann um nach Amerikanischer Manier eine Matratze zu verfertigen. im Winter soll es auch so viel wilde Enten ,Gänse u. Schwanen geben, dass man sich für ein Kopfkissen u. anderes Bettzeug genug schiessen könne. Diese habe ich noch nicht gesehen, u. wünsche daher, dass Ihr, l. Eltern, für Euch wenigstens das bedürftige Bettzeug mitnehmt. Wollene Betten macht einer der Hauptbestandtheile hiesiger Betten aus, u. davon müsst Ihr eher kaufen als veräussern, um ja einen ... Vorrath davon zu haben. Was Ihr an Küchengeräth v. Kupfer, Guss- u. Pfanneisen, Zinn u. Porzellan hier glaubt brauchen zu könnenm das nehmt mit, denn wenn ich auch nicht angeben kann, was das Pfund kostet, so sagte mir doch dem Hübsch seine Magd, dass es das doppelte u. mehr als bei uns koste u. horrent theuer sei. Es würde noch schmerzen Eure Sachen zu Hause vielleicht unter dem Preise weggegeben zu haben, u. sie hier wieder mit vielen schweren Thalern ankaufen zu müssen, u. die Kosten der Transporte sind im ganzen genommen doch nicht sehr hoch; auch wird es Euch immer besser freuen, in einem Hafen zu kochen den Ihr von zu Hause gebracht. - Was die Elle Stoff zu Weiberkleidern kostet, weiss ich ebenfalls nicht, allein Niemand als Ihr habt bessere Gelegenheit Euch solchen zu Hause wohlfeil zu verschaffen, während auf den hier gekauften die schweren Eingangszölle u die 100% von den Gross u. Kleinhändlern mittbezahlt werden müssen. Diess ist so offenbar dass ich ohne gehaltene Nachfrage darüber Bescheid geben kann. Was für Hausgeräth mitzunehmen sei, müsst Ihr mit Euch zu Rathe gehen u. nur bedenken, dass Ihr besser mitnehmt als hier kauft, dass aber auch das Mtnehmen von zu vielen Sachen Schwierigkeiten verursachen wird. An Feldgeräth nehmt mit was Ihr habt, Schaufeln, Hauen, Karst, Sicheln, Sägen, Beil u.s.w. doch keinen Rächen, wenigstens keinenhölzernen, eine Winde wird oft von grosser Hülfe sein. - So, l. Mutter, bin ich mit Durch...unng deines Briefes zu Ende, u. hoffe Alles zu Deiner Zufriedenheit beantwortet zu haben. Wenn es auffällt dass ich so sehr rathe Alles von zu Hause mitzunehmen, so bedenke nur immer, dass Ihr in eine noch etwas wilde u. wenig bevölkerte Gegend kömmt, wo gar Manches nicht zu haben ist, u. bei dem Vorhandenen von den Händlern ein horrenter Profit genommen wird, denn 100 prozent ist bei den meisten Läden das wenigste, was sie nehmen, u. oft erlaubt sich ihre Unverschämtheit 200 u. 300 % benefice zu machen. Der Transport v. Haus dagegen gibt zwar etwas Mühe bei Verpackung u. bei Besorgung auf der Reise, die Kosten aber sind nicht sehr bedeutend, denn ich rechne vom (Frontier) bis Havre 7 frs auf der See nichts od. nur unbedeutend u. v. N.Orl. bis hieher 75 cts od. 3/4 dollar.

    An den Brief meiner l. Mutter schliesst sich unmittelbar der Deinige, m. Bruder, in welchem voran die Aufforderung steht, die weitläufigen Vorschriften über Reise u. Verhalten auf derselben mitzutheilen. Wenn ich nicht irre so enthalten alle meine bisherigen Briefe mancherlei Notizen hierüber, indessen, will ich nochmals Alles hier zusammenfassen dessen ich mich gerade erinnere. Ueber den Zeitpunkt der Abreise, so wie über den Weg den Ihr zu nehmen habt, habe ich mich schon mehrfach geäussert, u. wie Ihr die Reise bis Havre einrichten wollt, steht bei Euch, nur erinnere ich , dass die Reise in der Postkutsche sehr beschwehrlich ist. Da von Havre nach N.Orl. keine Paketboote gehen, so werdet Ihr die Ueberfahrt in einem Kauffahrthei Schiff machen müssen.Da aber schwerlich das Kaufschiff den nöthigen Raum in der Kajüte haben wird um die ganze Gesellschaft zu .. so wird ein Theil im Zwischendeck logieren müssen. Ihr bedingt Euch daselbst einen Platz zu ausschliesslichem Gebrauch, der unterschlagen werden soll, damit er nicht den Augen u. dem Passage der Schiffsmanschaft u. der etwaigen Passagieren offen sei. Ueber Bedienung , Unterhalt, Platz u.s.w. schliesst Ihr mit dem Kapitän einen schriftlichen Akkord, worin das Gepäck u. die Hunde ebenfalls erwähnt wird, ob dieses frei sei od. was dafür bezahlt werde. Angenehmer wird für Euch sein, den Vertrag so zu schliessen, dass Ihr Euch selbst mit geistigen Getränken versieht, denn um die dadurch verminderte Fracht könnt Ihr Euch besser versehen u. habt freie Disposition,; ebenso bedingt Ihr Euch genugsames gutes Wasser aus, nehmt aber doch noch zur Vorsrge einen eigenen Vorrath mit; diess macht nicht viel Kosten, hat viel Angenehmes, u. erfordert nur Die Vorsicht darauf zu achten, dass die Fässer mit gutem Wasser gefüllt u. vorher sauber gereinigt werden. Was Ihr allenfalls für weitere Erfrischungen etwas mitnehmen könnt, werden die Frauen am Besten ausfindig machen; mich erquikte zuweilen etwas gedörrtes Obst u. ein Glas Zuckerwasser mit Rum. Es kann Euch nicht an Empfehlungen fehlen an Leute welche etwa als Vermittler auftreten falls der Schiffskapitän weder deutsch noch französisch verstünde, doch lasst Euren Vertrag durch keine Mittelsperson abschliessen, sondern besorgt diess selbst u. lasst beim Unterhandeln Punkt für Punkt verdollmetschen; gibt Euch dann Euer Begleiter noch gute Räthe, so mögt Ihr sie wohl benutzen, aber wie gesagt, den Vertrag beschliesst persönlich ab. Bei allfälligem Eintreten der Seekrankheit wird das Trinken v. etwas Seewasser od. ein gelindes Vomistif das Brechen erleichtern u. die Krankheit schneller passieren machen; sonst ist als Regel zu beobachten sich so lange als möglich auf den Beinen zu erhalten u. stets frische Luft zu suchen. In N.Orl. angelangt wendet Ihr Euch am besten an H. Nicolet, er wird Euch für den dortigen Aufenthalt die besten Anweisungen geben; wir logierten im Hotel de la Marine nicht wohlfeil aber für N.Orl. billig. In dieser Stadt versieht Ihr Euch mit Vorräthen v. Zucker, Kafe, Reis, Gewürzen, kurz Alles was Ihr etwa glaubt das Euch noch mangeln sollte; vielleicht werde ich Euch später noch schreiben dass Ihr daselbst auch Salz u. Mehl anschafft, doch muss ich hierüber noch nähere Erkundigungen haben. Auch einen amerikanischen Pflug bringt Ihr mit, denn alle, welche man hier kauft, kommen aus N.Orl., so wird man dort etwas wohlfeiler dazu kommen. Dann eilt Ihr v. N.Orl. weg mit der ersten Gelegenheit, die sich darbietet; auf dem Dampfschiff rathe ich wiederum, und noch dringender als auf der See in die Kajüte zu gehen. Ihr schliesst mit dem Kapitän ebenfalls schriftlich ab, marktet dabei rechtm was v. bedeutender Wirkung sein wird, besonders wenn etwa 2 Schiffe nach dem nämlichen Bestimmungsort od. nur in das nämliche Territorium da sind, denn man kann merken lassen, dass bei zu hohen Preisen man das andere Schiff näme. Ueber Gepäck u. Hunde müsst Ihr ebenfalls bestimmte Bedingungen machen, u. das weitere müsst Ihr in meinem späteren Berichten abwarten, die ich so bald wie möglich geben will. Ueber Vorbereitungen vom Landungsplatz nach dem Orte unseres ersten Aufenthaltes weiss ich nichts zu sagen, ich werde trachten den letzten so nahe wie möglich bei dem ersteren zu finden u. die Reise muss auf Wagen gemacht werden, die man miethet, denn einen eigenen zu kaufen, od machen zu lassen, würde zu theuer sein, da man den Wert eines solchen v. 50 -100 Dollar rechnet. Die vervollständigung Eures Werkzeuges ist gut, u. vielleicht dürfte nicht unpassend sein, diess so einzurichten, dass wenn der Beruf etwa Hans u. Dich für einige Zeit aus der Nähe v. Vater entfern, uns doch noch das zurückgelassen werden kann, was zu gewöhnlichem Hausgebrauch nothwendig ist. Dass Ihr etwas von Eurem Werkzeug hier nicht brauchen könnt, u. dass die Amerikaner besseres Werkgeschirr haben, dürfte wohl ein seltener Fall sein, denn ich habe bisher wenigstens noch nicht bemerkt, dass letztere als Handwerker so excellieren. Ihre Kunst ist etwas flüchtig u. anschaulich, wenn auch nicht dauerhaft zu arbeiten, u. der ihnen zugeschriebene Vorzug vor Europäischen Handwerkern rührt wohl meistens daher, dass viele Handwerker v. unsern Landsleuten lieber kommen, die ... sogar in unserm kl. Städtchen ebenfalls nicht fortkommen könnten, ohne vorher noch vieles gerlernt zu haben - Arbeiter, die ihre Sache verstehen, sind überall sehr gesucht. Eine Preisnote über Werkgeschirr zu geben ist mir nicht möglich. Ich wollte diess v. N.Orl. aus thun u. hatte schon mit einem Zimmermann von Neuchatel, der Mitpassagier über das Meer war verabredet ihn zu begleiten, wenn er sich seine Werkzeuge ankauft, ich verlor später meinen Mann aus den Augen, u. auf eigene Faust könnte ich die Läden nicht durchstreifen, weil ich die Namen u. Qualitäten der verschiedenen Werkzeuge ncht zu bestimmen wusste, eine Note der Preise also wenig Nutzen eschafft hätte. Im Detail ist alles theuer, so schien es mir nach dem wenigen das ich mir für die Reise anschaffte, u. hierkostet eine mittler Axt 2-3 Doll. u. 3 Hobel mit hölzern sollen 5 Doll. kosten - für einen Helm in ein ganz kleines Handbeil machen zu lassen musste ich 3 Bit, 1 Gulden geben - alles ist nach diesen Verhältnissen. Ueber Ausübung Deiner Profession kann ich Dir aber jetzt nicht viel Auskunft geben. Die Arbeitslöhne stehen aber hoch, u. Arbeit musst Du gewiss genug finden, denn ich hörte Manchen klagen dass er wegen Mangel an Zimmerleuten sich kein besseres Haus bauen könne, u. .. hier überhaupt meist von Holz gebaut wird. - Wenn Du mich über die hiesige Bauart frägst, so wirst Du vermuthlich die Frage auf das Material u. nicht so sehr auf die Form beziehen, die jeder nach Belieben wählt. Darüber folgendes: 1. In dem hiesigen Territorium leben noch die meisten Leute in blossen Loghäusern, d.h. die Rohen Baumstämme werden gleich einem Vogelschlag aufeinander gelegen, u. zuletzt auf zu gegenüberstehendeen Seiten die Balken gradatim verkürzt, was die Schiefe des Daches bildet, oft werden die Zwischenräume zwischen den Balken mit Lehm od. anderm Material verstrichen, oft nicht, oft ist der Stubenboden, wo er überhaupt sich vorfindet gefügt, oft nicht, je nach dem Vermögen des Bewohners u. seiner Industrie befindet sich überhaupt mehr od. weniger Bequemlichkeit u. bessere Einrichtung in solch einem Hause. Der innere Raum wird nie abgetheilt, sondern wer mehr als ein Zimmer braucht baut 2 Häuser neben einander, die am Fussboden u. Dach mittels durchgehender Balken verbunden werden; der meisst ziemlich grosse Zwischenraum dient als corridor. Zu diesen Gebäuden braucht man selten fremder Handwerker. Der Eigner macht fast Alles selbst mit Hülfe eines Nachbarn. Bei bessern Häusern auf dem Lande werden die Balken zuweilen behauen, auf der einen Seite allein od. im innern u. äussern, od auch auf allen Seiten, so dass sie genau aufeinander zu liegen kommen; solche Gebäude haben meist auch im Innern etwas rohe Schreiner-Arbeit u. bedürfen eines Handwerkers zur Errichtung. 3. Städten u. z. Theil auch auf dem Lande findet man, dass von 4-6 Zoll dicken eichenen Laden od. Pföcken, die eigens dazu gesägt sind, vollständige gerippe v. Häusern mit Dachstuhl aufgerichtet werden. Einige füllen die Zwischenräume mit Backsteinen aus, u. bedecken das Dach mit Schiefernen Ziegeln, Laden od. Schindeln, andere aber belegen das Gerippe v. Wand u. Dach auswärts mit Laden . Häuser v. Backsteinen aufgeführt mit ordentlichem Dachstuhl sah ich in Little Rock sonst selten. - Da jetzt der Zeitpunkt eingetreten od. doch ganz nahe ist wie das Arkansas-Gebiet mit einer ständigen Bevölkerung aufgefüllt wird, u. wo die Häuser No.2 u.3 häufiger vorkommen, so gibt es für einen Zimmermann Arbeit genug,; die vollkommenste Gewerbefreiheit herrscht hier, u. gestattet Dir auch die Schreinerarbeiten im Jenner zu übernehmen u. jedes andere beliebige Geschäft mit deiner Profession zu verbinden. Auch Hans wird genug Arbeit finden, da schlechte Pfuscher in seiner Profession oft 50 u. mehr Meilen weit geholt werden um Pferd- od. ganz einfache Wassermühlen zu errichten od. zu reparieren - Ob in der Nähe unsers künftigen Wohnsitzes die Niederlassung für Euch günstig, kann ich nicht bestimmen, wie Du selbst ermessen wirst, weil dieser Ort noch unbekannt ist; wie sich Leute v. Deinem Fache gewöhnlich einrichten, liegt auch nicht in meiner Kenntnis; in Little Rock sehe ich, dass ein Handwerker, der Geld oder Kredit hat, sich eine Werkstadt baut od. miethet u. dann in den Zeitungen dem Publikum seine Dienst anbietet. Tout comme chez nous. Ihr werdet dasselbe thun müssen, für den Anfang aber mit unsern eigenen Einrichtungen genug zu thun haben u. bis diese beendigt ist, kannst Du Manches lernen u. manche gute Gelegenheit für Ausübung Deines Berufs ausfindig machen. Ueber das Uebrige Deines Briefes sind die Antworten bereits im Vorhergehenden enthalten, u. ich will über den Zeitpunkt der Abreise wiederholt in Erinnerung bringen dass im Innern des Landes in jeder Direktion später als Monat Mai nicht auf sichere Communikation gerechnet werden kann, weil dann die Flüsse abfallen, dass die Dampfboote nicht mehr gehen können. Vor Ende July ist in N.Orl. vom gelben Fieber nichts zu fürchten, die Cholera aber, welche dort einheimisch geworden zu sein scheint, zeigt sich gegen Ende Mai auffallend, ist aber nur insofern bedenklich, wenn sie zufällig sich auf dem Dampfboote zeigen sollte, auf dem man gerade ist. Das Bewusstsein, in so engem Raum mit cholerkranken zusammen wohnen zu müssen, mag furtsame ängstigenm u. angst ist wie bekannt sehr die Empfänglichkeit für die Krankheit befördernd.

    11. Okt. Nach einiger Unterbrechung, welche ein kl. Ausflug , ein verstauchter Arm. u. andere Hindernisse verursachten, gehe ich zu Fortsetzung dieses Briefes u. zu Beantwortung der Briefe von Dir mein l. Vater über. Vor allem aus danke ich für die vielen Neuigkeiten welche Du mir mittheiltest, wenn auch viele davon nicht sehr erfreuiches sind. So wenig man auch hier v. den politischen Vorgängen in Europa u. d. Schweiz vernimmt, so entstellt auch viele Berichte sind, so habe ich aus denselben u. aus Nachrichtenm die Ueberzeugung geschöpft, od vielmehr meine frühere Meinung sich bestärkt. dass näher od. ferner der Schweiz eine Krisis bevorsteht, welcher entweichen zu können, ein jeder wünschen muss, und welche sehr leicht den Untergang unsrer Freiheit zur Folge haben kann. Darum glaube ich Euch in dem Beschluss zur Auswanderung nach Amerika beatärken zu dürfen, wenn auch die Beschaffenheit des Landes nicht allen gehegten Hoffnungen entspricht, u. eine Ansiedlung mit mehr Entbehrungen u. Schwierigkeiten verknüpft ist als wir uns dachten. Wir werden die Schwierigkeiten der ersten Jahre überwinden u. dann glaube ich, können wir einer frohen u. sorgenlosen Zukunft entgegen sehen. Das schwierigste ist wohl eine gute Auswahl des Ortes der Ansiedlung, besonders da das Arkansasgebiet im Ganzen wit weniger fruchtbaren Boden hat, als andere Theile der Vereinigten Staaten, die schwarze Dammerde scheint v. Nord nach Süden in wachsendem Verhältnisse abzunehmen, denn im Canada ist sie am tiefsten u. vermindert sich zusehends, je mehr man gegen Süden vorrückt. Der Arkansas ist auch noch ziemlich (spärlich) bevölkert, diese Bevölkerung aber ist über das ganze Territorium zerstreut u. die Indianer über das ... Gebirge zurückgedrängt. Die Stämme, welche an das Ark. Gebiet lehnen sind überdies friedlich u. Ackerbau treibend u. jedenfalls so weit entfernt, dass sie nicht zu fürchten sind. Ansiedlung östlich von Mississ. scheint dem H. Zschiffeli auch rathsam, weil dort mehr gesellschaftliches Leben sei allein ich bin nicht der Ansicht, fürs erste sind die östlichen Staaten meist schon so stark besetzt, dass viele Amerikaner v. dort auswandern, die beklagen sich über das theure Leben daselbst, denn eine Vermehrung der Bevölkerung u. Reichthum scheinen daelbst einen unverhältnismässigen Aufwand hervorgerufen zu haben; das passt nicht für uns, u. da ich die Gesellschafr der Amerikaner sehr gering anschlage, so ist dieselbe wohl nicht mit den Vortheilen zu vergleichen, welche aus dem Ansiedeln in einem neuen Lande hervorgeht, wo mit jedem Tage die Bevölkerung wächst, u. der Werth des Eigenthums sich vermehrt. Dass wir uns nicht nördlicher als White River u. nicht südlicher als Arkansas niederlassen sollen, habe ich in meinem früheren Briefe erwähnt, dem letzeren ürde uns in ein zu warmes Klima, u. ersteres für Weinbau in ein zu kaltes führen, denn so viel ich hören konnte gedeiht der Weinbau am Ohio u. Mississipi doch nicht recht, sowohl in Beziehung auf Qualitäten, als öfteres Misslingen der Ernte wegen Frösten. - Mit den hiesigen Traubensorten wird nicht viel zu machen sein, denn ich habe nun sehr verschiedene Arten versucht u. alle haben ausserordentlich grosse Kerne, überwelche eine dicke Haut gezogen ist, Fleisch fast keins, das wenige vorhanden aber ist meist geistig u. schmackhaft. Eine Ausnahme sind die Muskateller, eine Traubenart die wie Pflaumen in einzelnen sehr grossen Beeren an den Stöcken hängt, deren vieles Fleisch aber nicht sehr saftig ist u. den stinkenden geschmack der schwarzen Johannisbeeren hat. Wie die Amerikaner die Jagd betreiben, habe ich schon geschrieben, sie schleichen nämlich mit ihren langen Rifles in den Wäldern herum, u. wenn sie ein Thier erblicken, so suchen sie es zu erlegen; es wird so lange gehen bis unser Auge so geübt wird um auf diese Art viel Beute zu erjagen; die Jagd im Sommer ist überhauüt schlecht, weil sich die Thiere in der Hegezeit natürlich so viel wie möglich verstecken; jetzt ist der Herbst gekommen, die Wälder werden belebter, die Zuvögel rücken heran. Wandertauben in grossen Scharen aus denen wir gestern über 50 Stück herunterschossen. Sie schmecken sehr gut u. sind v. der Grösse unserer Haustauben. Letzthin sah ich eine Becassine, früher einmal einen Schnepf; später sollen Enten, Gänse, schwanen in grosser Zahl kommen. Die Türkis od. Waldhühner zeigen sich um die Plantagen u. Kornfelder, Alles Wildpret bei dessen Jagd die Hühnerhunde vorzügliche Dienst leisten, u. die Ihr daher in gehöriger Zahl mitzunehmen habt, weil zu Zeiten, wo man täglich auf die Jagd geht ein Hund nicht hinreicht, u. man wegen den Rauhtieren doch mehrere Hunde haben muss. Andere Racen finden sich hier genug, sodass Ihr Euch mit denselben die Mühe des Transits ersparen könnt. - Fischerei wird hier wenig betrieben, meist mit Angeln u. zu gewissen Jahreszeiten auch mit Harpunen od. Gehren, deren Ihr einige mitnehmen könnt. Ich habe letzhin einen (Wartlop) gestrickt u. in dem etwa eine Stunde v. hier entfernten Creek Lafourche gelegt, allein wir fingen nur Schildkröten die auch recht gut schmecken aber äusserst wenig.

    Ueber Rebbau habe ich bereits meine Meinung geäussert u. dass Baumzucht wohl gedeihen wird , ist gewiss, denn Alles treibt ausserordentlich schnell u. bringt schöne Früchte. Reben aus dem Kern gezogen wuchsen im ersten Jahr bis 4 Fuss Höhe mit mehreren Rebschossen. Pfirsich u. Apfelbäume werden nur aus Kernen gezogenu. tragen grosses u. gutes Obst, gleich unserm veredelten; wie viel wird die Kunst verbessern können. Ob Anlage einer Baumschule mehr als für eigenen Bedarf nützlich sein wird, weiss ich nicht, es ist aber möglich, dass bei zunehmender Bevölkerung mehr auf das verwendet wird als jetzt, od. dass die Anschauung schöner Früchte bei den hiesigen Bewohnern eine Lust dazu erwckt, wo sie dann kein Geld scheuen um ihre Wünsche zu befriedigen. Obstkultur aber wird doch von grossem Nutzen sein, weil sich die Früchte aller Art theuer verkaufen.

    In meinen Briefen werden Andeutungen geug enthalten sein, wie ich denke, dass wir das Nöthige erwerben können, um unsere Bedürfnisse zu bestreiten, auch muss ich bemerken dass hier die Hausarbeiten nicht streng sind,, denn wenn ein Amerikaner alle Arbeitstage zusammenrechnet 1/4 des Jahres etwas thut, so glaubt er ein fleissiger Mann zu sein; unsere Bedürfnisse sind übrigens nicht so gross, denn in der Lebensart herrscht hier grösste Einförmigkeit. Ein Armer lebt so gut wie ein Reicher nur dass Letzterer seine Speisen mit etwas mehr Decoration aufträgt, u. sich durch Schwarze bedienen lässt; Ehrenausgaben gibt es keine, höchstens die Bewirtung eines Gastes, dem aber nur vorgestellt wird, was die Familie hat. Die gerühmte Gastfreiheit der Amerikaner ist nicht so splendid u. auch nicht so allgemein als gerühmt wird, denn an den meisten Orten muss man das Genossene bezahlen, theuer genug, u. nicht selten findet man Leute, die sich an den Strassen ansiedeln, um durch Beherbergen der Reisenden Geld zu machen. Diess macht auch das Reisen hier zu Lande unangenehm, weil man für sein gutes Geld die Miene eines dankbaren Gastes annehmen muss, u. nicht fordern kann was einem gefällig ist, obschon solche Häuser eigentlich nichts weiter als Wirtshäuser sind. Vorige Woche war ich mit meinem Freunde Hübsch u. Gollmann an der kl. u. grossen Mamelle, etwa 20 Meilen oberhalb Little Rock , um das Land daselbst zu besichtigen, ich fand zwei kleine Thäler mit allen den Inconvenienzen die ich früher an den nebenthälern des Arkansas rügte, der Boden auch nicht sonderlich gut u. der Ueberschwemmung des Creek ausgesetzt. Dessen ungeachtet hat sich Hübsch durch den Kontrast zwischem seinem jetzigen schlechten u. dürren Aufenthalt, u durch die Vorspiegelung der Amerikaner verleiten lassen, sich an der kl. Mamelle anzukaufen, v Gollmann aber will erst noch mehreres Land besehen u. wo möglich in unserer Nahe ansiedeln, zu diesem Zweck vielleicht noch einen ganzen Sommer warten um sich zu (.iairen). Es wäre dies eine angenehme Aquisition für unsere Gesellschaflichen Verhältnisse, denn er ist ein junger wohlgebildeter Mann in meinem Alter, u. Liebhaber der Jagd u. naturgeschichte. Mit v. Gollmann werde ich auch in 2-3 Tagen eine neue Reise beginnen, erst nach Arkansas -Pass, dann dem White River nach hinauf nach Batesville, von wo aus ir die Gegend, welche ich füher mit H. Zschif kursorisch durchlief, genauer zu berichten. - H. Zsch. kann die Reise nicht mitmachen, weil die Nachwehen des Fiebers, eine grosse Schwäche, ihm nicht erlauben die Strapazen einer solchen Reise zu ertragen. - Mein Bericht über diese Reise wird hoffentlich der letzte sein, welchen ich nach Europa zu senden habe, denn ich wünsche sehr, dass Ihr meinen Rath wegen früher Abreise befolgt; ich werde zwar meine Correspondenz weiter fortsetzen, aber auf den Fall Eurer Abreise dann immer eine Copie des Briefes nach N.Orl. senden, damit Ihr sie nicht braucht nachkommen zu lassen. Dass meine bisherigen Briefe nicht so früh eintrafen, u. nicht so rasch aufeinander folgten, als Ihr erwartet, wird Euch deren Inhalt erklären, denn nach Natur meiner Berichte konnte ich ohne stete Wiederholungen wohl nicht öfter schreiben als ich gethan, u. v. Schreiben während der Reise kann gar keine Rede sein, weil sich in wenigen Häusern Platz, u. in noch wenigern die Materialien dazu vorfinden, u. wir uns oft kaum Gelegenheit fanden einige Notizen in in unsern Kalender zu machen.

    Zum Schluss will ch noch einige Auslassungen nachholen über Sachen die Ihr mitzunehmen habt, nämlich mehrere lederne Trinkgläser, damit dieses sehr praktische Geschirr nicht entbehrt werden muss, wenn etwa eines verloren gehen werden sollte, Schnüre, u. Garn zu Stricken, was hier gar nicht zu finden ist; Zündhölzchen circa 20, 30 100, denn sie stehen hier in sehr hohem Preis (5 thlr d. Tausend) u. sind dabei auserordentlich schlecht. v Grollman hat hier sehr gute überschrieben Wir kgl. Majestät v. Preussen patentierte Zündhölzchenfabrik von Dreyse u. Hohenbusch in Sömerda bei Erfurth, was Ihr in der Karte nachzusehen habt; sie haben den Vortheil, dass die Füllung mit einem Kupferplättchen überzogen ist, so dass sie nicht herausfallen kann, wie dies bei den gewöhnlichen durch etwaiges Feuchtwerden od. andereVeranlassung öfters geschieht, sie werden direkt aus der Fabrik bezogen, etwas über einen Gulden das Tausendzu stehen kommen, u. wenn Ihr sie auf der Post kommen lässt, wird noch Zeit genug sein, sie zu verschreiben. Da einiges Studium der Naturgeschichte uns in müssigen Stunden viel Vergnügen verschaffen wird, u. um so mehr Interesse u. Nutzen hat, dass die Amerikaner für den grössten Theil der vorkommenden Pflanzen u. Thiere keine Benennung wissen, so werden einige Naturhistorische Werke sowie andere Lekture nicht zu vergessen sein - Sodann lasst Grollman meine Mutter ersuchen, für ihn eine etwas Grosse einschläfige Matreatze von sehr guter Qualität Rosshaaren machen zu lassen u. selbe mitzubringen, erwird natürlich alle Kosten der Anschaffung u. des Transportes erstatten, u. neben bey sehr dankbar sein. - Es wäre mir lieb, wenn diesem Wunsche entsprochen werden könnte. - Da ich vor meiner Abreise noch einen Brief an Franz schreiben soll, so schliesse ich hier, hoffentlich seid Ihr alle wohl, habt jetzt einen guten Herbst gehabt, u. könnt Euch den neuen Wein bald schmecken lassen, vermuthlich auf längere Zeit der letzte. Viele Grüsse an Euch Alle meine Theuersten u. glückliches Wiedersehen wünscht Euer l. Sohn G. Jäger

    Angekommen d. 14. Jenner 1834

  • no 5 3. Dez 1833

    No.5                                                            Little Rock 3 December 1833 angek. 28 Jenner 1834

                                                                            beantwortet d. 5 Hornung

    Meine l. Eltern u. Geschwister!

    Den Bericht über meine letze Reise durch das hiesige Territorium muss ich diesmal sehr kurz fassen denn die einzige Zeit die ich dazu habe, ist eine Nacht, die ich zufällig in der Stadt zubringen muss. seit der vorigen Woche da Grollmann u. ich zurückkamen, haben wir mit dem Einpacken unserer Effekten zugebracht, was den Tag über keine Ruhe zum Schreiben liess, u. des Abends konnte dies aus mangelndem Licht nicht geschehen; aus der Stadt war dieses auch nicht zu bringen, weil ein eingetretener Regen die Wasser anschwellen u. den Ort, wo wir waren, von der übrigen Welt abschloss. Wie Sie aus meinem letzten Brief wissen, sind wir am 20 vorigen Monat nach Arkansas Pass aufgebrochen, der Weg führte ungefähr 80 Meilen weit durch die grosse Prairie zwischen dem Arkansas u. White River. Die Ansiedler daselbst rühmen ihre Besitzungen sehr, theils wegen der Leichtigkeit das Land urbar zu machen, u. besonders wegen der Vortheile eines grossen Viehstandes. Einiges wahre mag daran sein, denn ich sah öfters ziemlich guten Boden, allein im Sommer soll die Hitze in der grossen Prärie sehr gross u. im Winter die Kälte empfindlich sein, auch zeigen sich die Fliegen sehr böse gegen das Vieh, das übrigens oft Mangel an Wasser leiden muss, weil bei trockenen Jahren die hin u. wieder sich vorfindenden Teiche austrocknen, u. für den Menschen blos die Ziehbrunnen übrig bleiben, die überdies oft nur ein sehr schlechtes Getränk liefern. Den wahren Grund, warum die Amerikaner so wenig in die Prärien ansiedeln, konnte ich nicht erfahren, denn über solches sind sie sehr verschwiegen, wie denn überhaupt allen ihren Berichten der Gesichtspunkt des eigenen Vortheils zu Grunde liegt, u. der Reisende u. neue Ansiedler auf sein eigenes Urtheil beschränkt ist. An den Präriehühnern hat man ein köstliches Wildpret mit dessen Jagd wir uns morgens u. Abends beschäftigten; sie sind etwas stärker als das Haushuhn, stellt im Gehen den schwanz wie dieses u. schmeckt ganz vorzüglich; die Farbe ist fast die der Schnepfen. Grollmans Geschäfte hielten uns in Arkansas Pass einige Tage auf, u. am dritten Tag konnten wir erst Abends zwischen 4 - 5Uhr weg kommen, u. hatten soch 25 Meilen bis zum nächsten Haus zu reiten; wir mussten wieder durch die Prärie zurück, weil kein Weg dem White River nach hinaufführt, u. die Fusspfade durch Swamps u. Nachtlager im Freien bei den ziemlich kalten Nächten der Gesundheit zu Nachtheil hätten ausfallen können auch kann ein Unkundiger in den grossen Morästen so verirren dass er keinen Ausweg findet. - Auf dem Rückweg bereiteten wir uns das Schauspiel einer Brennenden Präerie, ein angezündetes Schwefelholz steckte das Dürre Gras plötzlich in lodernde Flammen, die 20-30 Fuss hoch aufschlugen, aber schnell über den boden weggehen. Bald wäre uns unsere Freude verdorben worden, denn der Wind drehte sich u. führete das Feuer gerade in der Richtung unseres Weges, so dass wir uns zu Pferde setzten u. eilig davon stellten. Unsere Absicht ging nur dahin den kl. rothen u. den weissen Fluss zu besichtigen, Grollman um über seine Ansiedlung, ich um über unsere Provisorische u. vermuthlich künftigen festen Aufenthalt zu entscheiden. Der Weg bis Batesville war mir nichts Neues, obschon wir nicht ganz auf der selben Strasse gingen. Der Weg geht über ein sehr unebenes Terrain, bald steinige Hügel, bald Boden von kl. Creeks u. Bächen, die aber alle der Kultur späterer Zeit aufbehalten sind, weil sich für einstweilen Alles nach den Wasserstrassen zieht. Dem White River hinauf gingen wir so viel möglich dem Flusse entlang, mussten aber doch zuweilen die Hügel bestreichen, weil sich schroffe Felswände so nah an den Fluss drängen, dass das Passage gehindert wird, durch die Bergübergänge auch oft grosse Flusskrümmungen abzuschneiden sind. An der Bighardfork machten wir halt, um diesen Creek hinaufzugehen. Die Böden desselben sind wie amWhite River selbst u. seinen übrigen Zuflüssen nirgens von bedeutender Ausdehnung, sondern meist drängen sich die Berge bis ganz nahe ans das Wasser u. sind so steil u. steinig, dass die Ansiedler daselbst oft nicht genug Vieh für ihren Hausbedarf haben können, weil für die Kühe der Weg zur Weide u. zurück so beschwerlich ist, dass sie nicht regelmässig zum Melken heimkehren, besonders wenn die Kälber nicht mehr ganz jung sind. An Big Word Fork liesen wie unsere Gäule stehen u. gingen zu Fuss weiter dem Whte R. entlang bis zur Buffolo-Fork um diesen Nebenfluss zu besuchen; unterwegs trafen wir einenReisenden der eben von dorther kam, nach seinem Bericht u. demjenigen der Leute, welche an der Buffolofork wohnen, hat dieser Fluss ebenfalls ein sehr enges Thal bis etwa 50 od. 60 Meilen vor seiner Mündung, wo dann schönes Land u. ziemlich viele Ansiedlungen sein sollen. So weit von einem schiffbaren Fluss zu sein stimmte weder mit meinen noch mit Grollmans Ansichten überein, so dass wir unser Vorhaben aufgaben u. auf dem rechten Ufer des White R. hinunter gingen. Wir holten unsere Pferde ab u. gingen auf dem rechten Flussufer wieder etwa 30 Meilen hinunter, fanden es aber überall wie auf dem linken Ufer u. schlugen den Weg quer über das Gebirge nach dem oberen Theil des Little Red ein. Es that mir sehr leid meine Hoffnungen in Beziehug auf den White R. getäuscht zu sehen, denn jetzt fast noch mehr als das erstemal hat mich dieser schöne fluss sehr angesprochen, sein klares Wasser sieht so freundlich aus u. dort sah ich die einzige Gegend die ich wirklich schön nennen möchte. Dass er dort ungesünder sei, als anderswo, glaube ich auch nicht, u. dieser schlechte Ruf mag wohl nur von einer Verwechslung der westlichen u. sumpfigen Ufer mit dem östlichen höher gelegenen herrühren.An den oberen Theilen des Little Red fanden wir ebenfalls sehr schönes Land u. namentlich 2 fruchtbare Bottems von bedeutender Ausdehnung, eines etwa 3 der andere etwa 5 Meilen lang u. eine Meile breit, zum Theil schon ziemlich angesiedelt. Neben dem dass aber alles Land höher am Little R, noch nicht zur Versteigerung angeboten war, so ist es zu weit oben u. der Fluss hat so viel Fall, dass an Herstellung einer Wassercommunikation nicht zu denken ist. Wir zogen daher diesen Fluss hinunter, bis in die Gegend wo derselbe von der Batesville-Strasse durchkreuzt wird, in dieselbe Gegend welche mir schon bei meiner ersten Reise am besten gefallen hatte. Ich könnte hierüber nur wiederholen, was meine ersten Briefe enthalten u. muss daher der Kürze wegen auf dieseben verweisen. Das Land ist dort gut, die Weide ebenso, die Jagd nirgends besser, was doch auch zu berücksichtigen ist, wenn es doch nur Nebenrücksicht sein darf. Der Fluss kann mit Kielbooten befahren werden, wenn es nicht gar zu niedrig ist, was nur im Spätsommer geschieht; Grollman entschloss sich sogleich zu Ankauf einer feilgebotenen Farm, u. ich erkundigte mich nach Pachtung einer andern. - Nach genommener Rücksprache mit Zschif. bin ich nun entschlossen, Euch in dieser Gegend zu erwarten, und ziehe daher mit Grollman dahin, um mich für Euren Empfang vorzubereiten, das Nähere in einem bald nachfolgenden Briefe. - Die Reise war diesmal angenehmer als das erste mal. Früher Frost hatte alle Bäume entlaubt, so dass man überall bessere Aussicht hatte, die Gewässer sind jetzt mit Zugenten belebt, von denen wir viele schossen, auch fanden sich die Turkis in den Bottems sehr häufig vor, was uns nicht nur einige Abwechsung in die Einförmigkeit der Reise durch die Wälder, sondern auch in das ewige Speckessen brachte. Das Laub machte übrigens die Wege sehr unkenntlich, so dass wir auf den Fusspfaden durch das Gebirge, die nur selten betreten sind, oft nur mit Hülfe unserer Pferde den Weg finden konnten, einmal jedoch nur vermittelst der Nothschüsse, deren Gebrauch uns Meister Dudens Buch ins Gedächtniss rief. Meine Augen mahnen mich abzubrechen, u. da ich keine Gelegenheit voraussehe, meinen Brief fortzusetzen, so will ich den Brief schliessen, mit einer durch Erfahrung erprobten Weisung un Beziehung auf Geldangelegenheit. Eure Gelder müsst Ihr durch so wenig Hände laufen lassen als möglich, weil in jeder etwas , oft nicht wenig hängen bleibt. In N.Orl. da nehmt Ihr Alles baar in Empfang, denn es ist schwierig u. kostspielig solches später zu beziehen, und die Kosten betragen mehr als allfällige Interessen, die man profitirt. Ohne Grollman's Vorschüsse wären Tchifeli u. ich in fürchterliche Verlegenheit gekommen, denn noch habe ich von H. Nicolet, der meinen Creditbrief hat kein Geld bekommen, und wenn wir nicht zufällige Bekannte hier hätten, die gegen einige Thaler Abzug einen Wechsel annehmen, so wäre ich gezwungen selbst nach N.Orl. zu gehen um Geld zu erheben. - Nun lebt wohl, grüsst mir meine l. Freunde in Aarau, denen ich diesmal nicht selbst schreiben kann. Ich wünsche Euch glückliche Reise in diesem Briefe, denn mein folgender könnte Euch vielleicht nicht mehr zu Hause treffen. Wir sind sehr gespannt auf Nachrichten v. Euch u. aus Europa überhaupt, die uns gänzlich mangeln. Nochmals einen Herzl. Gruss an Euch Alle v. Eurem l. Sohn G. Jäger

  • no 6 6.Dez 1833

    No 6 Little Rock d 6 December 1833 angek. d 31 März 1834 bantw. 4. Juny

    Mein theuerster Vater! einige Tage Regenwetter im Anfang dieser Woche hatten den Fluss, der uns von der Stadt scheidet, so angeschwollen, dass er nicht mehr zu passieren war, u. gegen unser Erwarten hielt sich der Wasserstand so hoch, dass der Wagen mit Grollman's Effekten nicht ganz gehemmt, aber doch so verzögert wurde, dass wir um einen Tag länger hier bleiben mussten, u. glücklicherweise trafen an diesem Tage eure bis zum 11. August reichenden Briefe nebst Zeitungen ein, ein früherer an H. Tschifeli, dat. v. 20 Juny, ist aber noch micht angelangt. Obschon ich nun erst vorgestern einen Brief für Euch auf die Post gelegt habe, so will ich doch die mir übrigen Stunden meines Hierseins benutzen um sogleich zu antworten, weil unter obwaltenden Umständen eine längere Zögerung nicht am Platze wäre, u. Ihr ohnehin nach Briefen Euch sehnt. Schon auf meiner Reise, etwa vor einem Monat, habe ich zufällig erfahren, dass in der Schweiz wieder neuerdings wichtge politische Vorfälle stattgefunden haben u. abermals Bürgerblut vergossen worden sei; da aber ein Amerikaner v. Europa gewöhnlich nicht mehr kennt, als wir v. Australien, so waren es nur düstere Indizien, die ich erhielt, u. die Zeitungen selbst konnte ich nicht ausfindig machen, in denen die Berichte enthalten waren. Ich hatte viele Besorgnisse darüber,denn ich ahndet schon lange eine finstere Zukunft für die Schweiz, u. war froh durch Eure Nachrichten zu erfahren, dass Niemand v. unsern Bekannten näher berührt wurde. Eine Neuyorker Zeitung v. heute sagt vollends dass laut einem Berichte der Tagsatzung vom 18 Sept. die Ruhe wieder hergestellt sei, aber wie? u. auf wie lange?. - Wenn ich nur Euch, meine Theuren, vor diesem Wirrwarr sicher gestellt wüsste. Euch zu erwarten u. eine wenn auch geringe Wohnung zu bereiten habe ich mich entschlossen am Little Red River eine Farm zu pachten, u. daselbst mit H. Tschif. zu wirthschaften, bis dass Ihr kömmt. Die nöthigen Ankäufe sind gemacht, Pflug u. anderes Arbeitsgeräth angeschafft, denn ich hoffe für uns eine Ernte auf das nächste Jahr bereiten zu können. Unser vorzüglichstes Augenmerk werden wir auf Bestellung eines Gartens richten, damit m. l. Mutter gleich etwas vorfindet um nach alter Gewohnheit zu kochen, gelingt uns dieser, so glaube ich für den Gesundstand der Familie viel gewirkt zu haben, weil die veränderte Lebensart so viel als das Klima auf d. Körper einfluss hat; das viele Fleischessen u. das Verschlingen der unendlichen Masse Fettes, das ein amerikanischer Haushalt verbraucht muss der akklimatisierten Bevölkerung schädlich u. dem neuen Ankömmling noch nachtheiliger sein. Einen Vorrath v. gedörrtem Fleisch muss ich zwar auch machen, weil frisches Fleisch wegen der Hitze im Sommer nicht zu haben ist, bevor ich aber hierin etwas weiter handle, will ich eure Antworten auf die ersten Briefe aus Little Rock abwarten, denn dieselben könnten wohl einigen Einfluss auf Euer Auswanderungsprojekt im Allgemeinen u. auf den Zeitpunkt der Abreise haben u. mir andere Massregeln diktieren.

    Di 14 Dec. Noch sitze ich in Little Rock , gedenke aber nur diesen Brief zu beendigen u. dann abzureisen, wenn bis morgen früh nicht wieder ein Querstrich dazwischen kommt.

    Letzten Sonntag Nachts nämlich lies der Junge aus dem Haus od. sonst ein dummer Mensch, die Thüre der Umzäunung, in der unsere Pferde waren, offen, die Thiere gingen davon u. als ich am andern Morgen füttern wollte, war der Platz leer. Ich folgte den Spuren, allein etwa 2 Stunden von der Stadt gingen dieselben in einen Rohricht, u. dort reichten meine Kenntnisse nicht mehr hin um die Thiere weiter zu verfolgen. Wir versprachen verschiedenen, mit den Wäldern sehr bekannten Männern eine Belohnung für deren Herbeischaffung u ich selbst ging jeden Tag umher um zu suchen u. heute war ich wirklich so glücklich meinen u. einen v. Grollmanns Gäulen aufzufinden u. einzufangen. H. Tsch. ist vor 8 Tagen mit den Effekten nach dem Little R. abgegangen, u. morgen werden Grollmann u. ich nachfolgen. Ich freue mich eben so sehr v. hier wegzukommen, als a, Little Red anzulangen, denn der Arkansas gefällt mir gar nicht, u. bei vorrückendem Winter sieht man überall wieder die stehenden Gewässer u. Sümpfe entstehen die die Hitze des Sommers z. Theil aufgetrocknet. Die hiesige Stadt selbst aber hat durchaus nichts anziehendes, u. der grösste Theil der Bevölkerung ist in der Art dass sie dem Orte bald einen so bösen Ruf geben wird als Natchet u. N. Orl. haben. Es ist wirklich traurig in einem Orte, der kaum noch im Entstehen ist, schon öffentliche Spielhäuser zu finden, der Platz hat auch schon zweimal wieder abgenommen, u. eben jetzt sind mehrere Kaufleute im Begriff ihre Kramladen aufzuheben u. wegzuziehen.

    Wie H. Tsch. u. ich nun mit einem eigenen Haushalt auskommen werden, weiss ich noch nicht, die Erfahrung wird lehren; das einzige was mir eigentlich Sorge macht, ist das Melken der Kühe, denn abgesehen davon, dass wir nichts davon verstehen, sind die hiesigen Kühe gewohnt v. Weibsleuten gemolken zu werden, u. sind deswegen gegen männliche Bedienung oft sehr wiederspenstig. Im Nothfall können wir auch den Kaffee ohne Milch trinken.

    Gerne hätte ich mit den Einrichtungen für Euren Empfang noch zugewartet, bis die Antwort auf unsere Berichte über das hiesige Land eingetroffen, allein weil, ich weiss nicht aus welchem Grunde, die bisherigen Briefe aus Europa stets so lange ausbleiben, so könnte das Eintreffen dieser Antworten noch zu lange anstehen, H. Tsch. u. ich hätten uns für diese Zeit theuer verkostgelden müssen; u. eine Gänzliche Unthätigkeit wäre mir zu lästig gefallen. Ueberdies konnte ich zugleich mit Grollmann am wohlfeilsten den Transport unserer Effekten anordnen. Ich wahrer Verlegenheit bin ich aber wegen Anschaffung der Lebensmittel, wenn ich nicht bald bestimmte Berichte über Euren definitiven Entschluss u. den Zeitpunkt Eurer Abreise erhalte, denn Korn ist späterhin gar nicht, od. nur zu erhöhten Preisen zu haben, Fleisch aber muss spätestens bis Ende Januar besorgt sein. weil mit Hornung gewöhnlich wieder wärmeres Wetter eintrifft u. das Salzen u. Räuchern erschwert. Ueber meine Einrichtungen u. wie ich dieselben getroffen , werde ich bald wieder schreiben, jetzt da ich Stoff zum Schreiben habe, will ich meine Briefe schneller folgen lassen, als ich es bisher that, u. thun konnte. Solange ich aber bei Hübsch logierte, war es mir sehr schwierig Zeit u. Ort für diese Beschäftigung zu finden, weil wir viele Leute in einem kleinen Raum wohnten, u. der Boden des Zimmers so elastisch war, dass das Gehen einer einzelnen Person alle Gerrätschaften so sehr in Bewegung setzte, dass nicht daran zu denken war, eine Feder zu gebrauchen. Meine ersten Briefe habe ich daher auch grösstentheils unter freiem Himmel geschrieben, ein Ort, der nicht sehr geeignet ist, die gedanken zu fesseln.

    Ueber die bösen Berichte v. der deutschen Kolonie am Arkansas mussten wir wirklich lachen, denn um die Wahrheit zu sagen, existiert eine solche Kolonie gar nicht. Die Ansiedler welche letztes Frühjahr hier ankamen, haben sich über das ganze Territorium zerstreut. Mehrere sind gestorben, Andere nach den nördlichen Staaten gezogen, fast Allen aber geht es sehr schlecht, denn es waren meistens Leute die glaubten hier mit Faulenzen reich zu werden, die mit ihrem wenigen Gelde übel Haus hielten u. nur z. gr. Theil dahin reduziert sind, dass sie froh sind, irgendwo ein Unterkommen bei einem Farmer zu finden um nicht Hunger leiden zu müssen. An ihrem Elend mag auch z. Theil die üble Auswahl ihrer Niederlassungen schuld sein, da sie sich trotz allen Abmahnungen in einem sumpfigen Flussbootem angesiedelt, wo da Fieber ihre Kräfte aufzehrte u. sie zur Arbeit unfähig machte, wenn sie je etwas hätten thun wollen. Es ist überhaupt unverantwortlich wie Gesellschaften in Deutschland, die vorgeben sich der Auswanderer anzunehmen einen Transport v. 400 Menschen nach Amerika senden, ohne einen Arzt, ja ohne einen einzigen Mann mitzugeben, der die engliche Sprache verstund. Und dann müssen die Indianer an dem Unglück schuld sein, die armen Teufel, welche v. denWeissen aus ihrer Heimath verdrängt u. in die wetlichen Gebiete verwiesen werden. Von den Stämmen die bisher in Alabama lebten ziehen jeden Herbst mehrere Tausend nach dem Westen. Sie sind friedlich, wenigstens beleidigen sie Niemand auf ihrem Wege. u. v. hier hat man wenigstens 2-300 westwärts zu gehen bis man zu ihren Wohsitzen kommt. Von Gefahr u. Furcht vor denselben habe ich noch nichts gehört.

    Ich schliesse nun mit vielen Grüssen an alle meine l. Bekannten, u. wünsche dss dieser Brief Alle bei so gutem Wohlsein antreffe als ich mich dessen zu freuen habe. G. Jäger

    Beilage zu diesem Brief.

    Mein theuerster Vater. Auf dem Beiblatt, das ich mit dem letzen Brief erhielt, will ich eine besondere Antwot ertheilen. Der Zustand der politischen Dinge nicht allein in der Schweiz sodern in ganz Europa gab mir die Ueberzeugung, dass wir auf lange Jahre hinaus keine Ruhe haben können, dass uns eine gr. Umwälzung der Dinge bevorstehe, die vieles Vermögen u. manches Leben verschlingen. Diesen Ereignissen auszuweichen gab mir die Idee zur Auswanderung; ich glaubte die nämlichen Gründe hatten auch Dich bestimmt, u. nicht bloss die momentane Geschäftslosigkeit, in der Du Dich zur Zeit befindest. Der Hinblick auf die Uebel dessen ich zu entgehen suchte,u. in der Hoffnung mir für spätere Zeiten ein sorgloses Leben zu bereiten, glaubte ich auch die Kraft zu haben, diejenigen Beschwerden zu ertragen, die mit der Ausführung meines Vorsatzes nothwendig zusammen hingen. Allein Vieles ist in meinem Alter möglich, was Du mein theuerster Vater Dir selbst nicht mehr zumuthen kannst. Ich habe darum in meinem ersten Briefe der Beschwerden, die Euch hier erwarten, sehr ausdrücklich erwähnt, damit Ihr beurtheilen mögt, ob das ganze Projekt für Euch nicht zu beschwerlich u. zu gewagt sei. - Wenn ich beisetze dass man sich nicht mit der Hoffnung schmeichle, es werde sich manches leichter machen, so waren dies nicht leere Worte, denn ich wollte Euch mit dem bekannt machen was Euch bevorsteht. Deine übrigen Besorgnisse, mein l. Vater, kann ich nicht ganz theilen. Die Feldarbeiten verrichten sich hier viel leichter als bei uns, schon nach der Beschaffenheit des Bodens u. weil hier nicht durch schwere Arbeit dem Boden mehr Produktionskraft gegeben werden muss, man ist im Umfang der Felder nicht beschränkt. Die Beschäftigungen der hiesigen Frauen sind auch so, dass sie die hiesigen ebenfalls verrichten können, u. wenn man erst ordentlich angesiedelt ist, sind die nothwendigen Ausgaben so gering, dass ich es für sehr leicht möglich halte, dieselben zu erschwingen. Fürs weiter kann man nach Umständen sorgen; die Abgeschiedenheit, in der man lebt, schützt allein schon vor mancher unnöthigen Ausgabe. Diess sind meine Ansichten über die Sache. Nun bitte ich Dich mein theuerster

    Vater, bei Festsetzung Deines Entschlusses nich sowohl uns Kinder als Dich selbst u. die l. Mutter zu berücksichtigen, denn wenn Ihr glaubt Euer Alter angenhmer im alten Vaterlande zu verleben, so sollt Ihr dasselbe um unsertwillen nicht verlassen. Fritz, Hans u. ich sind so weit erzogen, das wir überall unser Fortkommen finden, auch für unsere Geschwister sorgen zu können, wenn sie dessen bedürfen. - Solltet Ihr, meine Lieben, je noch zweifelhaft sein, so verschiebt den Entscheid noch, besonders wenn Ihr keine Gelegenheit habt, Haus u. Gärten in Brugg zu verkaufen. Ich habe dann nächsten Sommer als Farmer zuzubringen, u. kann Euch dann um so besser mittheilen in wiefern ich glaube, dass das hiesige Leben uns zusagt od. nicht.

    Deine Gesundheit, mein l. Vater, möge bald hergestellt, u D. Beschwerden v. kurzer Dauer sein, körperliche Bewegung u. Gemüthsruhe werden die besten Medicamente wein, u. diese wünsche ich Dir -

    9.Jenner 1834

    Heute muss Grollmann in Geschäften nach Litttle Rock reiten, u. wie ich in meiner Brieftasche noch suche um ihm einige Aufträge zu geben, finde ich diesen Brief, den ich schon halbwegs nach Europa glaubte. Ich wohne jetzt m Little R. in einer amerikanischen Hütte welche nebst 14 acres umliegenden Improuvement um 30 Dollars gemietet habe. Meine Zeit wird durch mancherlei Geschäfte so konsumiert, dass ich noch nicht weiteres schreiben konnte. Herbeischaffung der Lebensmittel gibt viel Mühe, u. in der letzten Zeit das Holzhauen ebenfalls, denn die erste Woche des Jahres war sehr kalt, der Thermometer muss gewiss 6-8 Grad unter Null gehabt haben, denn der Fluss ging mit Eis das sich an stilleren Orten zur festen Eisdecke bildete. Vorgestern hat das Wetter gebrochen, gestern wa warmer Regen, u. heute ist ziemlich besser. Adieu meine Lieben, mit Sehnsucht sehe ich Eurem nachsten Brief entgegen - der einen definitiven Entschluss ankündigen wird.

    G. Jäger

  • no 6a Hornung 1834

    Brief an Hürner gehört zu Seite 60 Heft II

    Sechs Monate snd verflossen seit ich das letzte mal Dir mein Freund geschrieben, 2 Monate bin ich schon hier in L.R provisorisch angesiedelt - u habe noch keinen Bericht über m. Thun u Treiben nach Hause gesendet, u ohne die Ankunft des ersten Briefes v. D. Vater, wäre vielleicht noch einige, wenn auch nicht lange Zeit verflossen, bevor ich etwas hätte v. mir hören lassen. Ich kenne meine Saumseligkeit, meine Sünden, aber es geht mir so wie Manchem Andern, der seine Fehler kennt u sie desswegen doch nicht ablegt. So gut wie heute hätte ich fast jeden andern Abend die Feder ergreifen können, aber gar viel war ich nicht zu Hause od sonst beschäftigt. od. müde, wie es Dir auch gehen wird, wenn Du einst auf Deiner Farm sitzest, u die vielen Verrichtungenn, bedeuend od. unbedeutend u machen hast, die jetzt mich beschäftigen. Täglich ja fast stündlich denke ich an meine Lieben zu Hause u sehne mich dieselben bald hier zu sehen. Set einiger Zeit zwar fange ich an zu zweifeln, dass diese meine Sehnsucht bald befriedigt werde, denn nach den verschiedenen Aeusserungen die ich gelegentlich von H. Tschiff über seine Berichte nach Hause höre, werden dieselben Eure Abreise nich beschleunigen sondern vermuthlich zu verschiedenen wichtigen Fragen Anlass gebe, deren Beantwortung meine u. meines Reisegefährten Rapporte in Uebereinstimmung bringen od wenistens erklären soll, wie wir zu verschiedenen Ansichten gekommen sind. Wenn ich mich irre, so habe ich in meinen ersten Berichten an meine Eltern die Grundsätze ausgesprochen welche mir zur Richtlinie um meiner Urtheile dienen. Ich will Dir, mein Freund hhier einmal meine Ansichten über das ganze Auswanderungs u. Ansielungsprojekt mittheilen. - Die Gründe welche mich zur Auswanderung bestimmten sind in dem Briefe Deines H. Vaters mir wieder klarer als je vor die Augen gestellt worden, sie machten sich uns schon lange fühlbar durch alllgemeines Missbehagen, duch eine Unzufriedenheit mit unserer Zeit u dem was sie uns Böses brachte. Dudens Schilderung seines Lebens ist anziehend, denn er geht mit einer beabsichtigten aber unverantwortlichen Leichtigkeit über die Beschwerden weg, die der Ansiedler warten, u hat dadurch Manchen in eine Lage gerissen, die er jetzt nicht zu ertragen die Kraft hat, weil er sich den Zustand in den Wäldern Amerikas nicht so dachte, u Täuschung fast aller seiner schönen Erwartungen seine Müh u seine Ausdauer lähmte. Wir haben zwar das Buch mit etwas mehr Aufmerksamkeit gelesen, wir projektierten überdies uns im Arkansas anzusiedeln, u da wir dort nach weniger Cultur erwarteten als am Mississioi, so kam in unsere Unterredungen manche Beschwerde u Entbehrung zur Sprache, an die ein anderer nicht dachte, aber noch immer gingen auch wir zu leicht über die Mühseligkeiten der bevorstehenden Lebensart weg, u darum ermangelte ich nicht in meinem frühern Briefe darauf aufmersam zu machen welche Beschwerden Euer warten. Den Arkansas fand ich zwar nicht so Menschenleer als ich erwartete. Die Indianer sind nach dem Westen zurückgedrängt, das Gebiet ist nach allen Richtungen mit Strassen durchzogen, u überall findet man zerstreute Ansiedlungenl diese aber sind noch dünn, die Häuser Meilenweit, oft ganze Tagreisen aus einander u noch kann man das ganze Gebiet zu den Backwads rechnen. Aber auch nur auf diese passt Dudens Beschreibung. Seine Ansiedlung muss in einer Gegend gewesen sein, die ungefähr in dem nämlichen Zustande der Bevölkerung u. Kultur sich befand wie die hiesigen Umgebungen, u nach Berichten v. Reisenden muss der Markt v. St Louis jetzt noch nicht besser bestellt u theurer sein, als derjenige v Little Rock u Bateville. Insofern liegt also in dem Zustande des Landes kein Grund gegen die Ansiedlung in Arkansas, u morgen will ich zu andern Betrachtungspunkten übergehen.

                                                                           

                                                                                                    den 17. Hornung 1834

    Einer der vorzüglichsten Gründe warum ich die Arkansas Gegend dem Mississipi vorgezogen, war, wenn ich nicht irre das, Verlangen nach einem wärmeren u mildern Himmelsstriche, u jetzt, nachdem ich fast ein ganzes Jahr hier zugebracht, finde ich mich weniger als je geneigt, weiter nach Norden zu gehen, vielmehr würde ich lieber noch südlicher wohnen, wenn irgend eine Wahl möglich wäre. Allein die ist vorhanden, denn alle südlich dem Arkansas liegenden Theile der vereinigten Staaten gehören fast ausschliesslich dem Flussgebiet des Red R. das zwar eine sehr fruchtbare (monea marking) Gegend sein soll, aber stets bei den Amerikanern wegen ihrer Ungesundheit in Misskredit ist. Texas aber, ein Land das nach allen Beschreibungen kaum etwas zu wünschen übrig liesse, ist jetzt sozusagen ohne alle Regierung u Otganisation, der Zufluchtsort u Sammelplatz aller schlechten Leute, die aus igend einem Grund aus den Ver. Staaten u v den dasigen Gerichtshöfen flüchten müssen. Das hiesige Klima übrigens gefällt mir auch ziemlich, die Hitze im Sommer war mir Ausnahme v. wenig Tagen gar nicht drückend - der Herbst fast durchgehend schön u angenehm, letztes Jahr doch ungewöhnlicher Weise schon im Oct mit sehr kalten Nächten u einmal fiel sogar mehrere Zoll tiefer Schnee. Später wurde es wieder schön u lieblich bis z. Jenner, an welchem Tag e stürmte u schneite, worauf dann für etwa 8 Tage ein solche Kälte eintrat, dass der Fluss zufrohr u wir kaum gegen den Frost zu schützen wussten. - Den ganzen Monat hindurch war es meist unangenehm kühl, noch einmal fiel etwa 6-9 Zoll Schnee, der aber in wenigen Tagen v. d. Kraft der Sonne weggeschmolzen war, u uns seit etwa 14 Tagen ist die Witterung so mild u angenehm, dass wir den ganzen Tag über bei der Arbeit kaum etwass mehr als Hosen u Hemd auf dem Leib dulden können.

    Wenn die Winterkälte in Ganzen auch nicht sehr lange andauerte u nicht besonders streng gewesen sein mag, so war sie mir doch sehr empfindlich, theils weil ich in Haus, Kleider u Bettgeräthschaften nicht sehr gegen den frost gewappnet bin, theil weil das vorherrschende warme Klima die Haut weicher u für die rauhen Lüfte empfindlicher macht. Aber am Mississipi soll nun die Kälte ungleich grösser sein, u da die Sommerhitze dort ebenso stark od. noch stärker ist als hier, so muss die Empfindsamkeit des Körpers nicht geringer sein, u schon darum werde ich das hiesige Klima vorziehen, wenn auch nicht der sehr entschiedene Grund dazu käme, dass eine Gegend bedeutend nördlicher als die hiesige sich z. Weinbau nicht eignet, weil die Erndte zu oft durch Spätfröste zerstört würde, da nach den eingezogenen Erkundigungen sogar hier kalte Frühlingsnächte zuweilen Schaden thun. Neben dem Klima kommt zunächst der Boden in betrachtung, worunter ich übrigens nicht so sehr den Pflanzengrund als die Beschaffenheit des Landes im Allgemeinen verstehe, denn fruchtbar ist der Boden fast überall, wo nicht Steine die Erdoberfläche decken, weil der seit Jahrhunderten angehäufte vegetabilische Moder auch den Sand auf viele Jahre mit reichlichem Dünger versehen hat, u auch zwischen den dürresten Steinhügeln sich fruchtbare StreckenLandes befinden - Eine für den Auswanderer viel wichtigere Unterscheidung ist die zwischen Hochland u Bottems u unter diesen sind namentlich Bottems längs der grossen Wasserkursen hervorzuheben. Die letzeren haben neben den Vortheilen einer überaus reichen u. tiefen Dammerde alle Vortheile welche aus naher u bequemer Wasserst.. hervorgehen, allein sie sind z grossen Theil den Ueberschwemmungen ausgesetzt u wenn auch der angesiedelte Platz nicht geradezu unter Wasser kommt, so sind es doch die nächsten Umgebungen. Die zurücktretenden Flüsse lassen eine Menge stehender Gewässer zurück, welche die Swamps bilden u die Hockplatze für allerlei Fiebern sowie andern Krankheiten sind, u wo die zahlreichen Muskitenschwärme auch ihrer Umgebungen ausschütten. So sind die gepriesenen fruchtbaren Ufer des Missi., des Arkansas, des white River beschaffen, u so muss nach den Beschreibungen amerikanischer Schriftsteller auch die Beschaffenheit der nächsten Umgebung des Missouri sein. Weiter oben v. Fluss wird der Boden gewöhnlich weniger fruchtbar, u die Leichtigkeit d. Schiffskommunikation vermindert sich, dagegen aber werden Krankheiten u Muskiten seltener - ïm hiesigen Territorium ist hierin zwar einige Verschiedenheit, denn der ganz östliche flachere Theil ist fast durchgehend mit stehenden Gewässern u Sümpfen durchzogen u die Prärien mit ihren Angrenzungen machen allein eine Ausnahme. Der westliche Theil des Gebiets aber ist durch Hügel durchbrochen, die sich zuweilen sehr nahe an Flüsse schliessen u dadurch die grössere Ausdehnung d. Bottems hemmen, was dann zu der Ansicht verleitet dass das Gebiet nie zu einiger Bedeutung sich emporschwingen werde, weil es zu wenig fruchtbares Land enthalte. Es soll eine ausgemachte Sache sein, dass v. Canda weg gegen Süden hin die Tiefe der Dammerdt im Allgemeinen abnehme, allein das hindert nicht, dass Mancher dem Süden den Vorzug gibt, weil auch da noch die fruchtbare Erde mehr als hinreichend u im mildern Klima mehr produziert als im kalten Norden Das Arkansas Territorium enthaltet überdies sehr viel gutes Hochland, das weniger produktion u daher v. den Amerikanern verachtet ist, allein es ist nach meiner Meinung gerade dasjenige, was dem Eurpäer am besten zusagt, weil es die Europäische Kultur am besten vrträgt, u wenn einst die Zeit kommt wo das Land gedüngt werden muss, wird der Vorzug des Bottems-Landes nicht mehr gross sein. Hochland ist überdies ungleich gesünder, weil der Boden nicht so viele Feuchtigkeit enthält, u nicht so viel schädliche Dünste v. sich gibt, u so glaube ich, dass trotz dem Mangel od. nicht so häufigem Vorhandensein ausgedehnter Flussbottems das Arkansas Gebiet mit starken Schritte einer bessern Kultur entgegen arbeite. Doch wozu diese Abschweifung - Die druchtbaren Thäler also längs den grossen Flüssen fand ich wegen iihrer Ungesundheit für uns nicht zuträglich u richtete daher v. Anbeginn mein Augenmerk auf den westlichten hügelichen Theil des Territoriums. Dieser wird durch zwei bemerkenswerte Wasserkurse durchzogen - der Arkansas u der weisse Fluss mit ihren Zuzügen. - Der Arkansas selbst mit seinem ganzen Flussgebiet, so weit es in den Grenzen meiner Forschungen liegen konnte, kann ich mit der einfachen Bemerkung beseitigen, dass er anerkannter u erpropter Weise sehr ungesund u fieberisch ist, wahrscheinlich wegen der stehenden Wasser das überall eine bläuliche od milchige Farbe hat, u weil neben den die Gebirge bis weit hinauf bald rechts bald links bedeutende Ebenen im Flussthale zulassen, die bei jeder Wassergrösse überschwemmt werden, u ausgedehnte Swamps bilden. - Die zwischen Little rock u Fort Gilo... in den Fluss fallenden Creeks haben auch meistens zu kurzen Lauf um den schädlichen Einflüssen des Hauptwassers zu entziehen. Besser ist es am White River. Etwa 20 Meilen oberhalb Batesville fängt der Fluss an durch die Berge eingegrenzt zu werden u nur hie u da bieten sich dem Ansiedler schmale Strecken Landes an seinem Ufer dar. Das klare Wasser u d felsigen Ufer geben diesem Wasser einen doppelten Reiz, in einem neuen Welttheile wo man kaum etwas Anderes zu sehen bekommt als trübe Fluten und unendliche Wälder. - Aber die nemlichen Berge u Felsen die mein Auge ergötzen, bieten dem Ansiedler Schwierigkeiten dar, die mich v. dort abstossen. Das Vieh, welches mothwendig z Hiesigen Haushalte gehört, hat grosse Schwierigkeit über die Meile der Berge nch Futter zu gehen, u mancher Farmer beschwerte sich, dass er nur mit Mühe so viel Vieh halten könne als er zur Nothdurt bräuche. Der gleiche Uebelstand ist längs den Zuflüssen das White River zu bemerken, welche v ihrer Mündung aufwärts 40 - 60 Meilen weit meist mit steilen Ufern eingeklemmt sind, u erst dann v sanften Abdachungen umgeben werdenm dort aber auch guten Boden u reiche Weite bieten. - An diesen Nebenflüssen sind schon ziemlich viele Ansiedlungen, allein sie sind nach meiner Meinung alle zu sehr v. d. Verbindung mit schiffbaren Strömen abgeschnitten, u die Landcommunikation wird noch um viele Jahre hinaus immer köstspielig u schwierig sein, denn selbst auf den grossen Heerstrassen ist nicht viel mehr gethan worden als d. Bäume weggehauen u hie u da eine Brücke erbaut. Einer der Zuflüsse des White R. ist der Little Red, er hat aber darin einen verschiedenen Karakter v. d. Andern, dass er sich erst weit unten in den Swamps mit dem Hauptfluss vereinigt, also selbständig für sich das Gebirge mit seinen östlichen Ausläufen durchzieht. Aber in der Nähe seiner Quellen ist auch dieser Fluss zieml stark angesiedelt, denn es finden sich dort zml ausgedehnte Strecken des fruchtbarsten Bodens, aber auch diese Ansiedlungen liegen so sehr im Gebirge verloren, dass kaum ein anderer Zugang ist, als schmale Fusspfade. - Weiter Flussaufwärts vermindert sich die Fruchtbarkeit des Bodens, menschliche Wohnungen werden seltener, bis man in die Nähe d. Gegend kommt, wo der Fluss durch die grosse Heerstrasse, die v. Little Rock nach dem Norden führt, gekreuzt wird. Von dort findet man wieder einige wenige Ansiedlungen, die bis hinunter reichen, wo sich d. Fluss durch die Swamps nach dem White R wendet. Diese Gegend hat mir schon das erste mal, wie ich sie sah, für unsern Zweck am besten gefallen, ein zweiter Besuch bestärkte meine Ansicht u ich habe sie nicht verändert, nachdem ich schon 2 Monate hier lebe. Ich wohne in der Nähe einer gr. Strasse, die Verbindung zu Wasser ist zwar einige Meilen Fluss abwärts etwas schwierig, doch möglich, v. d. toten Gewässern bin ich so entfernt u v. Hühgelausläufen getrennt, dass deren schädliche Einflüsse nicht zu fürchten sind. Der Fluss selbt ist klar, die angrenzenden Hügel mit reichlicher Weide versehen,der Boden nicht v. der vorzüglichsren Art, aber doch auch genug uns Alles zu produzieren, was man wünschen kann, u wie es mit der Gesundheit aussieht, will ich diesen Sommer erforschen.

                                                                20 HORNUNG 1834

    Mein Brief rückt langsam vorwärts, denn die 3 letzten Tage war ich durch allerlei Beschäftigungen u eine durch Grollmann veranlasste Jagdschweiferei beschäftigt, u die Abende brachten wir bei einer Pfeife Tabak vor dem Hause zu, u ergötzten uns in der milden Abendluft. Heute habe ich Tabak gesäet, meine erste Aussaat in diesem neuen Lande. Nun zurück zur Hauptsache - Wenn ich sage, dass es mir hier gefalle u je länger je mehr zur Ueberzeugung komme, dass es die Stelle im Territorium sei, die unsern Zwecken am nächsten anspreche , so will ich doch nicht sagen, dass ich Alles gefunden u hier einiges sehe, was zu wünschen ist. Die Herbeischaffung der Lebensmittel u der unentbehrlichsten Bedürfnisse ist für einstweilen mit vielen Schwierigkeiten verknüpft, u fast die ganze Zeit musste ich auf dem Gaule zubringen, bald um Mehl od. Kartoffeln, Korn u.s.w. herbeizuschaffen, denn die Leute hier zu Land schaffen nur so viel als sie müssen um ihren sehr einfachen Haushalt zu erschwingen, sie pflanzen nur was sie für sich brauchen, u so mussten wir Alles, was wir zur Aussaat bedurften, am White River etwa 20 Meilen weit herholen. - Eben dorthin müssen wir auch zur Mühle fahren, denn hier in der Nähe ist noch keine erbaut. Die Amerikaner bedienen sich der Handmühlen oder stossen ihr Korn, aber beides ist gleich mühsam u Zeitraubend u schon desswegen sehr unangenehm, weil man zu jeder Mahlzeit erst das Mehl zu vereiten u das Brod zu backen hat. Es wird auch schwierig sein in der Nähe eine Schickliche Stelle für eine Wassermühle zu fiden, da die hiesigen Bäche im Sommer vermuthlich fast alle trocken werden u meist wenig Fall haben. Eine kleine Ochsenmühle ist aber für den Gebrauch mehrerer Familien hinreichend u leicht zu halten, weil man das dazu nöthige Vieh zu andern Zwecken ohnehin anschaffen muss. Ebenso findet sich hier herum kein Kalkstein vor, was in Beziehung auf bessere Einrichtung der Wohnungen sehr unangenehm ist, so noch manches andere, allein wenn Ihr einst hier seid, werdet Ihr Euch selbst überzeugen wie wenig es möglich ist Alles das zu vereinigen, was wir in dem neuen Lande zu finden hofften, u möget dann selbst entscheiden, was man am leichtesten entbehrt, darum ich denn auch früher darauf verwiesen habe, dass Ihr über den Ort der definitiven Ansiedlung selbst entscheiden müsst, nachdem Ihr Euch umgesehen habt.

    Wenn ich mich darüber aussprechen soll, wo ich eine Niederlassung für das zweckmässigste halte, so findet sich die Antwort in dem vorhergehenden, nur muss ich nachträglich noch einen Gesichtspunkt berühren, über den ich mit Deinem Oheim in gr. Controvers stehe. - Er haltet nämlich eine Ansiedlug in den sogenannten Backward weder für sich noch andere für Zweckmässig u rathet daher zu den schön mehr angesiedelten u besser kultivierten Staaten, weil man hier mehr Entbehrungen u Beschwerden zu ertragen habe, als er Jemadem zumuthen möge. - Wahr ists dass jeder der sich hier nieder lassen will, in der Entbehrung selbst einen Genuss u in der Arbeit eine Freude finden muss, denn unter dieser Voraussetzung kann man die Beschwerden d ersten Jahre ertragen, u sich für spätere Zeiten etwas besseres bereiten, allein ich für meinePerson habe mich hierin sehr schnell gefunden u lebe hier vergnügter u zufriedener als je in Europa. - In vielen Rücksichten gebe ich den Backwoods auch den Vorzug vor den ältern Staaten, denn wenn ich von diesen auch nicht aus eigner Erfahrung u Anschaung reden kann, so bin ich durch die erhaltenen Erkundigungen doch über manche Inconvenienz ausser Zweifel - Abgesehen dass die Staaten Ohio u Illinois weit nördlicher u unter einem rauhern Himmelstriche liegen, ist dort das Land schon an den meisten Orten sehr theuer, die besten Plätze sind besetzt, die Ansiedlung mehrerer Familien in einer Nachbarschaft mit grossen Schwierigkeiten verbunden. Wenn viele Bequemlichkeiten des Lebens dort leichter zu haben sind, so kann man sie umgekehrt hier leichter entbehren als dort, weil man sie nicht vor Augen hat, u dann kann man hier mit viel geringern Geldmitteln sich forthelfen als dort. - Nachdem was ich über die Gelmittel meines Vaters kenne u nachden Berechnugen welche Du, mein Fr. über Dein Vermögen gemacht, ist beides unzureichend zu einer Niederlassung in nördlichen Staaten. - Wenn die Auslagen d Reise bestritten sind, würde kaum so viel übrig bleiben um sich eine ordentliche Farm nebst Viehstand u andern Zubehörde anzukaufen u würde der Ertrag unserer Arbeit hinreichen um ordetlich davon zu leben? - würde er hinreichen um sich Bequemlichkeiten zu verschaffen, die man hier verwöhnt? Schwerlich, denn die grössere Civilisation im Norden hat denselben auch schon mehr dem Luxus genähert der das Leben in Europa so manchem erschwert u die Produktionen des Farmers sind des mehreren Erzeugnisses wegen in niedrigern Preis als hier, auch der Ertrag eines gr. Viehstandes , der in den Backwoods mit einem geringern Kapital angeschafft werden kann, geht verloren, weil das Vieh sich nicht selbst ernähren kann. -

    An gesellschaftlichem Leben wird auch nicht gewonnen, denn schon der Sprache , noch mehr aber seines Karakters u seiner Sitten wegen wird die Gesellschaft der Amerikaner nie behagen, u was braucht der noch Gesellschaft zu suchen, der im Kreise seiner Familie u seiner Freunde glücklich ist. Uns mitten im Walde anzusiedeln u mit eigener Hand ein Grundstück zu klären, geht freilich nicht, denn dazu wären wir zu unbeholfen, ich glaube sogar, dass wir nie im Stande wären etwas ordentliches zu vollbringen, allein überall in den Backwoods finden sich Ansiedlungen, die alle zukaufen sind, weil die Klasse v. Leuten, welche zuerst in eine neue Gegend einrücken, aus angeborner Neigung immer weiter vorwärts gehen, u ihre Ansiedlungen bei erster Gelegenheit verkaufen, ja dieselbe sehr häufig sonst verlassen, wenn sich kein Käufer finder. - Findet man keinen Platz der conveniert u hat dagegen eine Stelle im Walde aufgesucht, so kann man durch einen Amerikaner leicht u ohne grosse Lasten so viel aufklären lassen, als fürs erste Bedüfniss hinreicht, u mit der allmähligen Erweiterung kann man dann leicht zu Stande kommen. In den nordischen Staaten ist die Sklaverei verboten, hier kann man mit einem od. 2 Schwarzen schon viel ausrichten, u wenn man sie, wie es üblich ist, paart, so sind sie ein sich fortpflanzendes Kapital, das ohne besondern Zufall sich eher mehrt als verloren geht. Uber Sklaverei brauche ich nicht zu philosophieren, die Sklaven werden übrigens hier sehr gut gehalten.

    Was für Geldmittel sind zur Ansiedlung unentbehrlich? - das kann ich nur insofern einigermassen beantworten, als v. der hiersigen Gegend oder solchen die Rede ist, die ungefähr in dem gleichen Kulturzustande sich befinden, der Ankauf eines Improuvements is:t 5, 10 15 Ares aufgeklärtes Land nebst Gebäudetheilen u Allem wird nicht höher kommen als 200 bis 300 Thaler (Dolars) das nämliche mag es kosten, wenn man sich ein Stück aufklären lässt, dazu kommt noch der Ankauf des Landes,, da die Amerikaner in den Backwoods meist auf Staateigenthum sitzen, das macht 50 od 100 Dollars, je nachdem man 40 od 80 Ares kaufen muss, um seine Farm in das Eigenthum einzuschliessen. - Eine Kuh kostet 8 - 19 Tlr. Von der Zahl Vieh die man anschafft hängt also die darauf u verwendende Summe ab. Was d. Ankauf v. Geräthschaften u.s.w. kosten mag, weiss ich nicht, es hängt davon ab was Ihr mitbringt u was einer zu haben wünscht. Mein Rath ist mitzubringen so viel Ihr könnt ohne zu arges Geschleppe, denn Alles erspart Geld od ist doch wohl zu gebrauchen. - Was die Errichtung einer bequemen Wohnung kostet, weiss ich nicht, es ist vermuthlich ein theurer Artikel, der mehrere hundert Thlr weg nimmt, u dann kommt zuletzt der Unterhalt der Familie nicht nur für das erste sondern auch für das 3te Jahr, denn die Verhältnisse können sich sehr leicht so stellen, dass man früher nicht vierl mehr produziert um aus dem Erlös sich mit Kaffe, Zucker etc. zuversehen. - Das sind Alles Dinge auf die man sich einrichtet, u das wird jeder vernünftige nach dem Masstabe seiner Verhältnisse thun. - Sklaven muss sich der kaufen welcher nicht selbst arbeiten kann od will; ein schwarzer Mann kostet 600 - 1000 Thlr, eine Frau ungefähr die Hälfte, letzere werden übrigens wenig zu harter Arbwit verwendet, sondern thun ungefähr die Verrichtungen unserer Mägde u sorgen dafür dass der Stamm nicht erlöscht. Nach diesem kann man selbst die Berechnugn machen, wie viel Vermögen nach der Ankunft im Lande erforert wird, u ich denke, es wird gut sein, wenn man dem Resultate noch einiges für unvorhergesehene Fälle beifügt

    Wenn wir in Euren Briefen nach dem Befinden unserer Lieben u nach dem Gange der Angelgenheiten im Vaterlande suchen, so werdet Ihr wahrscheinlich auch gerne vernehmen was wir treiben u wie wir unsere Zeit zubringen, u darum will ich denn erzählen we es uns geht, u wie es Euch gehen wird, wenn nach allen unsern Berichten Euer entschluss der nämliche bleibt. - Seit Mitte Dec. sind wir auf einer Farm am Little Red eingemiethet. Wir bewohnen ein ächt amerikanisches Landhaus aus rothen Balken aufgethürmt, mit Schindeln gedeckt, wie sie in unsern Alpen vorkommen, nur einen Raum umschliessen die Wände, u ein Kamin haben wir so gross dass man ein genzes Klafter Holz hinein bringen kann. Leider ist der Schornstein in bösen Umständen, u die wenigen morschen Balken, die denselben mit Mühe aufrecht erhalten, wären vor einiger Zeit bald ein Raub der Flammen geworden. In diesem Hause wohnen wir angenhm, wenn das Wetter milde ist, wir frieren, wenn es kalt macht denn der frischen Luft wegen sind gar viele Zuglöcher angebracht, u einige Altersschwächen haben die Zugänge der Winde vermehrt bis z Ueberfluss. Auf dem Boden machen unsere Strohsäcke ein nicht ganz weiches Lager, aber es schläft sich eben doch recht gur darauf. Mit Mobilien sind wir noch nicht versehen, denn wir haben keine Instrumente u Schreinern u behlfen uns so gut wie möglich, wie bei einem Mahl im Freien auch zu geschehen pflegt. Fürd Kochen sind wir schon ordentlich eingeschossen, tischen Kaffee, Gesottenes u Gebratenes auf, freilich ohne grosse Variation, denn ausser Schweine u Rindfleisch haben wir nur was ich etwa auf der Jagd erbeute, u das ist wenig, da ich viel nicht zu Hause bin, dass oft Wochenlang die Flinte nicht zur Hand nehme u überdies nach alter Gewohnheit mehr fehle als treffe, besonders wo die Kugel gebraucht werden muss, Ausser Holzhauen etc werden jetzt nur noch Kleinigkeiten verrichtet, doch wird nächstens die Feldarbeit angehen, u dann gibt es vollauf zu thun. anfangs hat mir die Arbeit schwer in den Gliedern gelegen, jetzt geht es schon ziemlich gut, u ich will bald lieber die Axt als die Feder führren. Es macht mir mehr Vergnügen, wenn ein Eichbaum unter meinen Streichen stürzt als wenn ich einen ganzen Bogen Papier geschwärzt habe. - Unser Viehstand ist nicht gross. Ein alter Gaul, ein paar junge Hunde, eine Katze u ein paar junge Hühner ist Alles was wir besitzen, nächstens aber wird noch eine Kuh u ein paar Schweine mit Ferkeln angeschafft, damit wir nächsten Winter was z Schlachten haben - Das ganze Leben hier gefällt mir sehr, nur ist mir das viele Hosenflicken ärgerlich, denn, wenn ich am Abend damit fertig bin, so haben die Dörner d. nächsten Tag mein Werk wieder zerstört, ehe es MIttag ist. - Nun will ich abbrechen, es ist spät u morgen muss ich in aller Frühe mich auf den Weg nach Little Rock machen um dort einige Geschäfte zu besorgen, unsere Briefe auf die Post zu legen u nachzusehen, ob immer noch keine Antwort auf unsere Berichte von July u August angelangt sei - Wir warten mit Schmerzen auf Eure Antwort auf diese Briefe.-

    Ich habe heute auf d. Weg den Brief des Vaters noch einmal überlesen, u das leitet mich darauf noch einiges über den Zeitpunkt der Abreise u den zu nehmenden Weg zu bemerken. Wie dort schon gemeldet, erwarte ich nicht dass die Abreise schon im Lauf des Frühjahrs vor sich gehe, jedenfalls erst spät stattfinden wird; was denn die Idee zur Reise über N.Y. gab, um nicht durch Fieberzeit in N. Orl. befunden zu sein. Ich glaube nicht dass durch den Weg über N.Y. od. Baltimore etwas für die Annehmlichkeit der Reise gewonnen werde, denn wenn man einmal auf der See ist, machen 14 Tag od. 3 Wochen längere Fahrt keine grosse Differenz. Von N.Y aus aber habt Ihr viel weiteren Weg, besonders wenn Ihr zu Wasser durch die grossen Seen u von diesen durch die Kanäle nach dem Ohio geht. Die Dampfschiffahrt wird sehr verlängert u mir wenigstens ist es auf den Dampfschiffen nie recht wohl, auch zeugt die Menge v. Unglücksfällen, dass meine Besorgnisse nicht ganz unergründet sind. - Im Sommer läuft Ihr überdiess Gefahr die Flüsse so niedrig zu finden, dass keine Dampfschiffe laufen können. Solltet Ihr aber nur auf kurzen Strecken zu Land reisen müssen, so wäre das mit mehr Beschwerlichkeiten verbunden als ich es zu beschreiben vermag. Das kann Niemand vollbringen, als ein Amerikanischer Mouver, dem es nicht darauf ankommt, in welchen Sümpfen od Wald er stecken bleibt u 8 od. 14 Tage campieren muss. Duden lobt zwar diese Art zu reisen, allein da hat ihn sein Phantasie aufs Eis geführt denn wenn so ein Amerikaner auch wirklich seinen ganzen Haushalt oft auf einem kl. Kasten mit sich führt, so ist es doch nicht angenehm, Monate lang im Wald u Wiese zu lagern wie die Zigeuner. Regen u Frost würde H Dudens Lobrede oft genug abkühlen, wenn er selbst die Probe machen sollte. - Wohlfeiler muss die Reise über N. Orl. gewiss auch sein, u wenn man die rechte Jahreszeit der Abreise hält, fehlt in Havre an Schiffsgelegenheiten nie. Ueber die Jahreszeit der Abreise aber muss ich die Idee mittheilen, die mir erst recht klar geworden, seidem ich selbst in das Leben der Amerikaner eingetreten bin, u mit dem besser bekannt wurde, was man zu den nothwendigsten Lebensbedürfnissen herbeischaffen muss. Macht keine zu grossen Veränderungen in Euren Anstalten, so verschiebt die Reise bis Ende August od September, dann werdet Ihr in N. Orl. die Fieberzeit vorüber finden, Ihr habt zur Abreise v. Hause u auf der See die angenehmst Jahreszeit, u hier hält das schöne Wetter in der Regel bis Ende Dec. an. Die Flüsse sind in diesen Monaten gewöhnlich schiffbar, die Provisionen von Lebensmitteln sind leichter zu machen, u der Körper kann sich schon einigermassen akklimatisieren bis die fieberischen Sommermonate eintreten, ja, ich glaube Ihr könnt Euch in dieser Jahreszeit ohne Gefahr für die Gesundheit am Ausfusse des Arkansas od sonst wo am Mississipi einige Zeit aufhalten, wenn Ihr für zweckmässig erachten solltet einige Ansicht des Landes zu gewinnen, bevor die grosse Wasserstrasse verlassen wird, ein Umstand der auf den Fall es Euch bei mir nicht gefiele, viele Kosten u Mühe ersparen könnte. - Wird aber eine Wahl getroffen, so ist Zeit genug bis z. Frühjahr sich auf dem gewöhnlichen Platze so einzurichten, dass eine volle Aussaat gemacht werden kann. - Es häufen sich aber mehrere Gründe für die Abreise im Herbst, u sie sind jedem Auswanderer berücksichtigungswerth, besonders aber für den, dem Niemand Vorbereitun für die Zukunft trifft, weil ihm wenigstens 3 Monate bleiben, sich umzusehen u seine Anschaffungen für den Sommer zu machen. Und in diese Klasse müsst Ihr auch Euch einreihen, wenn was leicht geschehen kann, Eure Ansicht der Dinge mit der meinigen nicht übereinstimmt, denn ich bin nur vorbereitet Euch am Little Rock zu empfangen u auch hier nicht so gut wie ich es gewünscht hätte, weil das Ausbleiben E. Briefe mich noch im Ungewissen lässt, ob u wann ich Euch zu erwarten habe.

    Man bemerkte mir, dass wir uns bei unsern Excursionen zu sehr beschränkt u auch andere Gegenden als die kl. Strecke hier herum hätten besuchen sollen. Diese Meinung kam mir zu spät, denn ich war bereits in Little Red eingerichtet, da aber Ihr ohne Zweifel ähnliche Bedenken haben wedet, so führe ich die Gründe an, warum ich mich mit dem Gesehenen begnügte.

    Dass ich den hiesigen Gegenden den Vorzug vor den nördlichener gelegenen (von Süden kann keine Rede sein) gebe, hätte auch von einem Besuchdes Missouri, vielleicht gar des Ohio nicht abgehalten, allein ohne Geld lässt sich auch hier nicht reisen. Unsere Casse war durch den eersten Ausflug fast erschöpft, u erst nachdem ich mit Grollmann v.d. zweiten Reise zurückkam, konnte ich gegen Abzug bedeutender Prozente etwas v. meinem Kreditbrief behändigen, u eben jetzt bin ich auf der Strasse v. Little Rock, um dieses Geschäft vollends in Ordnung zu bringen. - Da ich also meine Erkundung nicht weiter ausdehnen konnte. Ueberdiess war H. Tsch. krank, mein Gaul rann in den Wäldern umher, u als endlich Alles wider ins Geleise kam, war die Zeit da die Vorbereitungen zu Eurer Ankunft zu treffen, denn bis vor Kurzem erwartete ich Euch mit dem Frühjahr hier zu sehen. In einem Lande wie hier kann man nicht immer seinen freien Willen ausüben, sondern muss denselben zuweilen nicht den Launen d. Menschen sondern der gebietenden Nothwendigkeit z Opfer bringen. - Da ich also meine Erkundigung nicht weiter ausdehnen konnte, so werdet Ihrs entschuldigen, wenn meine Auskunft über das wo der Ansiedlung beschränkt u ungenügend ausgefallen, doch schliesen, denn ich fange an in unnützes Geschreibsel zu verfallen, wie mirs gewöhnlich geht, wenn ich einen Brief nach Hause sende

    Adieu, Dein Freund G. Jaeger

    25 Hornung Anstatt meiner Berechnung nach gestern Abend wieder in meiner jetzigen Heimath einzutreffen, bin ich um diese Zeit erst hier in Little Rock angekommen, denn in der Nacht v. 21 bis 22 fiel heftiger Regen mit Donner vermischt der 3 Tage anhielt. Ich machte mich zwar den 22t früh auf d Weg, u ungeachtet das Pferd oft bis über die Knie in Koth versank u oft lange Strecken durch Waldbäche gehen musste, die machmal so tief waren, dass ich genöthigt war die Füsse auf den Sattel zu nehmen, den Mantel hinter mir her auf d. Wasser schwamm u wir kaum der Strömung widerstehen konnten, so war ich doch bis Mittag etwa 24 Meilen vorgerückt, als ich an eineen Creek kam, der mir zwar etwas stärker schien, als alsse bisherigen, doch wollte ich versuchen durchzukommen. Alles vorwärts doch ich kam immer tiefer u tiefer ins Wasser. Der Gaul fing an zu schwimmen, die Strömung ergriff uns u wir wurden in das Gebüsch u umgeworfene Baumstämme gerissen. Bis an die Brust im Wasser, in den Mantel eingewickelt, konnte ich lange meine Arme nicht lösen, um das Pferd ordentlich zu lenken, u mir selbst zu helfen, u nur mit Mühe gelang es mir endlichd Rückweg zu gewinnen. Die Affaire hätte schlimm ablaufen können, doch kam ich mit nasser Haut davon u setze mich etwa eine Meile Rückwärts zu einem guten Feuer, wo ich mich u meine Effekten bald wieder getrocknet hatte. Künftig weiss ich mich in einem solchen Fall besser zu benehmen. - Noch schlimmer als mir ging es einem alten 75 jährigen Mann, der war auch am Morgen ausgeritten, vom Regen u d Bächen genetzt kam er Abends an denselben Creek, der mein Fortschreiten hinderte, u er hielt von Leuten am jenseitigen Ufer gleich mir die Weisung nach dem Hause wo ich im Trokenen war. Er verfehlte dasselbe u ritt die ganze Nacht in nassen Kleidern u unter beständigem Regen bis Morgens 4 Uhr, wo er endlich an dem gesuchten Obdach anlangte. Eine harte tour für einen alten Mann u. nicht weniger für seinen Gaul. Drei Tage musste ich warten bis das Wasser fiel u jetzt fängt es wieder an kalt zu machen, drum eile ich meinen Brief zu schliessen. Nachrichten aus Europa haber ich leider keine vorgefunden.

  • no 7 27. Maerz 1834

    Little Red River 27. März 1834 eingegangen den 18. Juny

    Seit 3 Monaten seid Ihr meine Lieben Eltern, ohne Nachrichten von mir, u. ebenso lange habe ich keinen Brief v. Euch erhalten. Jede Woche erwartete ich mit immer grösserer Zuversicht, Eure Antwort auf meinen ersten Bericht über dieses Land, der spätestens Ende Oktober od. Anfangs Nov. nach Europa hätte gelangen sollen, also früh genug dass die Antwort schon vor 2 Monaten hätte hier eintreffen können. Ich bin sehr beunruhigt, denn wennich auch Euch dieses Frühjahr hier nicht erwarte, so könntet Ihr möglicher Weise jetzt doch schon auf der Reise sein u. am Ende gar in N.Orl. od. anderswo landen ohne dass ich Eure Abreise erfahren. Warum ich Euch nicht erwarte werdet Ihr v. Franz erfahren haben dem ich vor einigen Wochen geschrieben, ihm mein Wohlsein u. meine jetzige Beschäftigung meldend; es war die Beantwortung eines Briefes v. seinem Vater, der mir meldet, dass Ihr durch die verzögerte Ankunft meinesr Berichte in Eurem früheren Entschluss wankend geworden seid, das Zögern habe ich bereits wiederholt entschuldigt, was wird aber das Resultat Eurer Berathung sein nachdem Ihr meine Berichte empfangen? Ich habe in denselben keine Meinung über einen zu fassenden Entschluss geäussert, denn nach meinem Glauben war das Ob eine längst abgethane Sache, nur das wie, wo u. wann sollte noch zur Sprache kommen. Auch gut so - Ihr habt nur eine genauere Kenntniss alles Dessen, was Euch hier erwartet, denn vorher, u. Euer endlicher Entschluss, welcher er auch sein mag, kann nur um so reifer sein. Ich will inzwischen sehen, was ich hier auszurichten vermag; ich säe u. pflanze so viel die Witterung u. meine Kräfte erlauben, u. hoffe, ja bin überzeugt, dass mit beharrlichem Willen ich das erreichen kann, was ich mir vorgesetzt habe. Mühseliger ist es zwar sich mit den Ackergerätschaften sein Brod zu verdienen, als mit der Feder, aber die Arbeit ist doch erfreulicher, denn man sieht die Früchte wachsen u. reifen. Schon habe ich Tabak gesäet der zu keimen anfängt. Kartoffeln, verschiedene Gartensämereien habe ich im Boden auch etwas Baumwolle, u. nächste Woche wird mit dem Kornpflanzen angefangen. Es geht mir freilich Alles langsam, nicht allein weil mir die Beschäftigung ungewohnt, sondern auch weil ich aus Versehen des H. Zschifeli meinen Pflug nicht habe u. deswegen den Boden mir Hacke u. Shaufel bearbeiten muss, was mit dem Pflug in viel kürzerer Zeit geschehen könnte. Vieh habe ich noch keines gekauft, denn da meine Entschlüsse durch die Eurigen bedingt sind, so will ich mein Geld so viel möglich zusammenhalten, um nachher desto freier handeln zu können. Vielleicht jedoch schaffe ich nächstens eine Kuh herbei um dank Milch eine Abwechslung u der Gesundheit zuträgliche Verbesserung in unsere einfachen Mahlzeiten zu bringen.

    Im ganzen genommen gefällt mir das hiesige Leben recht gut, wenn ich es auch , so wie wir es jetzt betreiben, etwas wild nennen könne, so lebt man doch frei - frei im höchsten Sinn des Worts, denn keine Mode u Convenienz beschränkt meine Handlungen, ich kann thun gerade was mir wohlgefällt, u. kein Mensch nimmt Aergerniss daran, meine Beschäftigungen sind abwechselnd u. eben darum anziehend, u. Alles was gelingt macht Vergnügen, u. missglückt etwas, so denke ich, es werde das nächste ma besser gehen. Mit Wasch ul Kleidern allein bin ich bös bestellt, u. das ist leider ein Uebel dem nicht sobald abgeholfen werden kann. Es würde mir jetzt sehr schwer fallen nach Europa zurückzukehren, wenn Ihr Eure Pläne aufgeben solltet u. darum könnet Ihr denken mit recht sehnlichem Verlangen ich Eure Berichte erwarte.

    Durch einen Brief v. H Hürner haben wir die politischen Neuigkeiten aus d. Schweiz bis Sept 1833 erfahren, es sieht schlimm, sehr schlimm aus, u. die Aussichten auf Ruhe u. Frieden gering - denn die Elemente welche jetzt vorherrschen, werder der Ruhe stets feind sein, weil dies ihr Grab ist.

    Wenn meine Reise hieher keine weiteren Folgen für die Zukunft haben sollte, so hat sie mich wenigstens auf eine geraume Zeit eeiner traurigen Gegenwart entrückt. Ueber das hiesige Land weiss ich Euch diess mal nichts zu schreiben, denn was ich wusste habe ich Euch in meinen früheren Briefen wiederholt gemeldet u. mein Aufenthalt in dieser Gegend hat mich nur so viel gelehrt, dass Alles was ich von den Beschwerden einer Ansiedlung in den Vorwädern gesagt, im vollsten Masse wahr ist. Kaum dass wir in der hiesigen Gegend so viel Korn auftreiben konnten, als wir zur Fütterung der Pferde in der Arbeitszeit brauchen werden, u. selbst davon mussten wir einen Theil etwa 60 Meilen weit den Fluss hinauf tranportieren lassen. Am White River hätten wir zwar korn genug kaufen können, allein es war nicht möglich einen Wagen zu finden, um es hieher zu schaffen. Spatkartoffeln, Baumwolle, u. Tabaksameen, mussten wir ebenfalls am weissen Fluss holen, dorthin fahren wir zur Kühle, u. zwar mit Packpferden, denn nach allen unsern Ueberschlägen ist diess noch das leichteste Transportmittel. Frühkartoffeln hatte uns ein Mann versprochen, der etwa 10 Meilen v. hier wohnt, als wir aber hinkamen, waren alle weg u. nur durch Zufall konnte er noch einen Buschel entübrigen der bereits ausgepflanzt, u. jedenfalls so viel als Samen behalten will dass für Zukunft das herbeischleppen aus fernern Distrikten ein Ende hat. Diese Frühkartoffel ist übrgens etwas sehr angenhmes, da sie schon im Juni reif wird. Süsse Kartoffeln habe ich auch irgendwo aufgechnappt, obschon er Samen diess Jahr selten ist, denn da dieser Winter ausserordentlich streng war, so sind sie den meisten Leuten erfroren, weil man sie bei gewöhnlichen Wintern des faulens wegen nicht tief in die Erde legen soll. Grollmann hat auch Hafer, Weizen u. Roggen, u. so hatten wir nun beinahe Alles was hier zu Lande gewöhnlich gepflanzt wird - Es ist freilich v. dort wenig, denn die Bewohner der Urwälder sind im Durchschnitt träge arbeitsscheue Leute, die ihre wenigen Bedürfnisse (mit Hirschfohlen)erkaufen u. daneben nur so viel Land bebauen um sich das Allernothwendigste zu verschaffen. Sie sind dabei zufrieden u. haben nicht einmal das Verlangen ein besseres Dasein zu erringen. Wir haben mit diesen Leuten nur sehr geringen Verkehr, denn sie sind sehr unzuverlässig, u. alle ihre schönen Redensarten u. Versprechugen mit denen sie uns belangen, zielen nur darauf uns das Geld aus dem Beutel zu locken, was ihnen aber nicht stark gelingen soll, denn ich habe mir die höchst Sparsamkeit zur Pflicht gemacht, weil ich täglich mehr einsehe wie nothwendig ein kl Fond zu einem guten Fortkommen in dieser Gegend ist, u. das Schiksal mehrerer Deutscher in Little Rock erinnert mich lebhaft daran, dass es zu spät wird sein Geld zusammen zuhalten wenn bald Alles fort ist. Auch weiss ich nicht wie lange ich hier noch allein zu hausen habe, bis Ihr anlangt od. ich wieder heimkehre. In meinem letzten Briefe habe ich gesagt, wie viel Umtriebe mir der Bezug der accreditierten 300 frs gemacht, u. H. Baumgartner, der mir das Geld vorschoss, erzählte mir, dass ich beinahe darum gekommen , denn H. Nicolet, in dessen Händen mein Geld lag, sei wahrscheinlich gebrochen, wenigstens habe man ihn gemahnt seinen Bezug schleunigst zu betreiben, u. er habe mehrmals hingehen müssen, bevor die Zahlung erfolgte. Es thäte mir sehr leid für H. Nicolet, wenn sich dies bestätigte, allein es diene Euch ... zur Warnung, ja vorsichtig zu Werke zu gehen. Ich schliesse jetzt diesen Brief, der zwar von unbedeutendem Inhalt ist, aber Euch doch als Lebenszeichen von mir willkommen sein mag. Herzliche Grüsse an Euch Alle, meine th. Eltern u. Geschwisster u. ebenso meine Freunde u. Bekannten in Aarau u. Brugg -

    Euer Gottlieb Jäger   ....

  • no 8 July 1834

    no 8  

    Little Red River 14 July 1834     ( angekommen d 11 sept 1834)

    Meine th. geliebte Mutter. - Umsonst habe ich mich bemüht Deinen von Vater angekündigten Brief s. St Louis zu erhalten, er ist noch nicht eingegangen ebensowenig der v. Vater vom Nov od Dec., welch letzterer vermuthlich auch ganz verloren ist. Es thut mir leid darum, denn er schient einige mir interessante Nachrichten zu erhalten, u. aus Deinem Brief m. l. Mutter, hoffe ich entnehmen zu können, wie Du u. die andern Familien Glieder über das Auswanderungsprojekt denken. Aus Vater werde ich in dieser Beziehung nie recht klug, nach seinen Briefen scheint er die Sache nicht aufgeben zu wollen u. doch nicht die geringste Lust zur Ausführung zu haben. Allerlei Bedenklichkeiten u. Besorgnisse scheinen in ihm aufzusteigen, was mich aber ärgert u. was mich in meinem letzten Briefe vielleicht zu einiger Empfindlichkeit geführt hat, sind die steten Berufungen auf anderer Leute Meinungen u. Urtheil. Wie können andere Leute über das urtheilen was uns gut u. angenehm ist, u. was kümmern sie sich am Ende darum ob es uns zu Hause od. hier gut od. schlecht gehe; wie wenige waren es, die wirklich Theil daran nahmen, als Vater in den letzten Zeiten so schimpflich zurückgesetzt wurde. u. mancher davon bedauerte nicht die Person sondern nur die unterdrückte politisch Faction. - Weit aus die Mehrzahl aber, u. darunter gewiss viele, von denen es gar nicht erwartet wurde, konnten aus die Schadenfreude in unserer Gegenwart zurückhalten - Wie ungut handelte nicht selbst die Bürgerschaft v. Brugg gegen ihn, deren Besten er doch manche Stunde der geopfert? -

    Ich werde eben durch Ankunft Eurer Briefe v. Ende Hornung u. Anfanf März unterbrochen u. überrascht. Ich freue mich dass Ihr endlich zu einem definitiven Entschluss gelangt seid, denn die Ungewissheit in der Ihr seit mehr als einem Jahr geschwebt, muss gewiss nachtheilig auf Vater gewirkt haben -

    Euer Entschluss stimmt mit dem Rath in meinem letzten Brief überein, ich muss gestehen, die Gründe, welche Euch bestimmten sind der Art, dass ich denselben beipflichten muss. Franz u. seine Eltern werden ohne Zweifel bald Eurem Beispiel folgen. Für einstweilen haben die Wälder , das Klima, die Neuheit der Gegenstände, die mich umgeben, die unbedingteste Freiheit, Reiz genug mich hier zu fesseln, auf wie lange?. Das weiss ich selbst nicht, vermuthlich nur auf kurze Zeit, denn meine Laufbahn als Farmer hat nicht aufs beste begonnen, u. wenn mir's nächstes Jahr wieder so schlecht gehen sollte, so werde ich bald aufbrechen. Auch fühle ich wohl, wie schwierig es sein wird, so ganz allein in der einsamen Wildniss zu leben, aber versuchen will ich es u. hoffe nicht ganz schlecht durchzukommen - wenn ich von dem Fieber verschont bleibe; andere Krankheiten sind nicht zu besorgen, aber diese, so wenig gefährlich sie auch ist, so entkräftigend u. entmuthigend wirkt sie auf den Körper u. man darf sich lange Zeit nachher Morgens u, Abends der Feuchtigkeit u. den sonnenstrahlen nicht aussetzen, ist also von jeder Arbeit ausgeschlossen. Dieses Fieber war eigentlich stets meine grösste Besorgniss denn wie Du m. l. Mutter, sagst, ging das ganze Projekt vorzüglich v. mir aus, u. unendliche Vorwürfe hätte ich mir machen müssen, wenn irgend eines unserer Familien Glieder von der selben u. deren Folgen dahingerafft worden wäre. Wenn Franz diess bedenkt, so wird auch er nicht Veranlassung sein wollen, dass seine Eltern hierher kommen, wenn sie nicht ihre eigene Sehnsucht herführt. Nur wer Muth, Kraft u. Audauer in sich fühlt, der kann den niederschlagenden Anwandlungen von Heimweh u. Rückerinnerungen an bessere vergangene Zeiten widerstehen, u. was einen bei gesunden Tagen mit Freude erfüllt wird den mit Fieber behafteten zur feindlichen Gemüthskrankheit. Wenige Europäer werden in den ersten Jahren ihre hierseins diesem Uebel entgehen, gewöhnlich kommt es in dem ersten Jahr u. legt ganze Familien aufs Krankenlager, ein Unstand des so Viele verunglücken machte, weil sie v. d Arbeit abgehalten sind, ihr oft nur sehr geringes Vermögen aufgezehrt, Kummer u. Sorgen dann die Einen ins Grab legt, die andern durch alle Weltgegenden zerstreut. In dieser Beziehung kann sich kein Europäer mit den Eingeborenen messen. Haben diese durch Unglück, Liederlichkeit od sonst ihr ganzes Vermögen verloren u. haben sie nur ein Pferd, eine Kuh od auch gar nur ihre Wertlosen Hausgeräthe aus dem Schiffbruch gerettet, so ziehen sie in unbebaute Wälder, leben v. Ertrag der Jagd u. ohne alles Geld, denn sie sind v. Jugend auf gewöhnt solches zu entbehren, wenn d. Erlös für Ihre Ernten od. der Ertrag des Pelzwerks zu etwas anderem bestimmt ist. Nicht so der Europäer der in einem Lande erzogen wurde, wo Jeder sein bestimmtes Gewerbe hat u. die eine Hand in die andere arbeitt; dieser ist bei weitem nicht so anschlägig, kl. Hindernisse bringen ihn in Verlegenheit, weil sie ihm neu u. ungewohnt sind, u. erst nach geraumer Zeit lernt er die Axt ordentlich zu gebrauchen, die in den endlosen Wäldern wohl als das unentbehrlichte Instruent anzusehen u. d. Aufbau eines Hauses, KLärung eines Feldes, was dem Amerikaner mit Leichtigkeit v. Statten geht, wird dem Einwanderer saure Mühe mit langsamem Erfolg bringen - Wo es aber der Letzten durch Hülfe ihrer Geldmittel oder sonst gelingt die ersten Jahre durchzumachen, so leben sie, besonders die Deutschen, besser als die Amerikaner u. schwingen sich gewöhnlich bald empor, weil sie in der Arbeit ausdauernder u. nicht so zum herumziehen geneigt sind. Sie weit ich es nun bringen werde, wird die Zukunft lehren. Euren Entschluss voraussehend habe ich bereits vor 3 Wocheen eine Farm um 30 Thaler, mit der Bedingung dass sie der Verkäufer zu jeder Zeit, wenn ich will, um denselben Preis zurücknehmen wird. Das Land ist freilich Staatseigentum, aber darauf werde ich so ruhig sitzen als auf meinem eigenen. Der Kaufpreis gilt nur für 2 Häuser u. Nebengebäude u. etwa 12 - 15 Morgen aufgeklärtes u. eingesentes Land. Hätte ich den Kauf ein Jahr früher geschlossen, ich hätte die gleiche Farm nicht unter 60, 80 od 100 Thaler erhalten, sowie ich für die Miethe wo ich sitze, jetzt auch nur 10 Thlr. od gar nichts geben würde, wenn ich noch einmal traktieren könnte.

    In dem Brief an Vater, worin ich meinen Entschluss, noch einige Zeit hier auszuhalten mittheilte, habe ich auch um Uebersendung mancherlei Effekten u. um Geld gebeten. In erster Beziehung verweise ich auf meinen vorigen Brief od. wenn er allenfalls verloren gegen sollte, auf meine bisherigen Berichte, Euch überlassend daraus zu entnehmen was ein eizelner kann für einen Zeitraum v. wenigen Jahren bedarf, wobei Ihr aber bedenken mögt, dass was Ihr sendet nicht verloren geht, sondern seiner Zeit wieder zurückgebracht wird. Geld scheint mein l. Vater schon mit dem letzten Brief v. Nov. od Dec. gesandt zu habern, da aber derselbe nicht eingetroffen, so ist diesem Bedürfnisse nicht abgeholfen. Freilich ist bestimmt mir die Mittel zur Heimreise zu verschaffen u. wenn Ihr auf meiner Wiederkehr beharrt u darauf dingt, so muss ich Euren Wünschen entsprechen u. Euch v. meiner Reise mündlichen Bericht erstatten, lieber aber wäre mir, wenn Ihr mir zu meinem längeren Aufenthalt in diesem Lande behülflich wäret damit ich mir wenigstens einige Erinnerungen ann dasselbe sammeln kann.

    Bis nächstes Frühjahr werde ich nun jedenfalls hier bleiben müssen, um Eure Antworten auf meine Briefe abzuwarten u um die Winterjagd nicht im Stiche zu lassen. Verwende ich aber das zur Heimreise bestimmte Geld auf meine Ansiedlung, so werde ich spätere auch die Mittel finden mir hach Hause fortzuhelfen. Im Uebrigen aber seid meinetwegen ausser aller Sorge, ich bin munter, planze u. arbeiten von Morgen wie der Tag graut bis zum Abend u. kann am Ende doch nichts herumkommen, weil mir die Arbeit z. Theil noch beschwerlich ist u. nicht so gur vorrückt - Da mein korn gar nichts wird so habe ich eine schöne Quantität Kartoffeln gesteckt, werde diesen Monat rüben säen; meine Bohnen, Zwiebeln, gelbe Rüben, Pastinaken, Melonen, Wassermelonen, Gurken stehen schön, sehr schön, Melonen hatte ich schon reife, ebenso sind die Frühkartoffeln schon seit einem Monat zum Essen gut. Süsse Kartoffeln sind mir viele gefault weil es eine gegen die Feuchte u. Frost sehr enpfindliche Wurzel ist. Einzig Köhl u. Kabis wollen nicht recht gut thun, theils weil es für diese Gewächse etwas warm ist, u. ich keinen ordentlichen Samen bekam, obschon ich ihn sehr theuer bezahlen musste; nächstes Jahr will ich sie irgendwo in Schatten setzen, - Dir mein l. Bruder wünsche ich v. innigem Herz Glück zu den erfreulichen Resultaten Deiner Arbeit, die Dich berechtigt einem Entschluss zu entsagen, der Deiner Neigung hinderlich gewesen. Ich werde zwar zu Deiner Hochzeit nicht kommen, denn das würde Dir wahrscheinlich zu lange dauern, werde aber hoffentlich der ersten od. einer späteren Kindstaufe beiwohnen können. Von Dir od. der Mutter hoffe ich auch einige Nachrichten von Elise, Abraham u. ihren Kindern, v. meinen Bekannten u. Freunden etc zu vernehmen, denn dass Vater nicht dergleichen schreibt, wisst Ihr ja, auch wer der Frager um Luise war, habe ich nicht erfahren, und wenn nicht der Schlingel Beck so dumm war, so könnte ich ihn auch nicht errathen. - Jetzt noch eins - in seinem letzten Brief schreibt Vater, dass Hans wahrscheinlich sein Glück in Amerika versuchen werde, u. ich konnte dies gar nicht missbilligen, insofern nur davon die Rede sein soll, nach beendigter Lehrzeit seine Wanderjahre in diesem Lande zu machen, denn ich glauber dass er dort viel auf seiner Professsion lernen kann, freilich hier nicht sondern in den nördlichen Staaten, wo ein Handwerker nach allen Berichten für Arbeit gar nicht braucht besorgt zu sein.Seine Reise aber soll er im Spätsommer antreten u. über N. Orl. gehen, damit er mich hier besuche eh er weiter gehe. Ich wünsche dies theils meinetwegen um allerlei Neues v. zu Hause zu erfahren u ihn zu sehen, theils seinetwegen, weil ich ihm wahrscheinlich manchen guten Rath ertheilen kann Wenn er bald kommt u. sich dass einige Zeit bei mir aufzuhalten wünscht so ist auch Arbeit da, in dem v Grollmann sich eine Pferdemühle will bauen lassen, die man Winter u. Frühjahr auch durchs Wasser kann treiben lassen - Nun adieu meine Geliebten Alle u. schätzt Euch glücklich, dass sich Eure Verhältnisse so gewendet haben dass Ihr nicht zu mir zu kommen braucht

    Euer Ergenster G. Jaeger

    P.S. Bevor ich meinen Brief schloss habe ich noch einmal nachgesehen ob ich nichts vergessen, u. habe dann gefunden dass Du l. Mutter nicht einer kürzlich gemachten Geldsendung erwähnst, sondern wie es scheint blos die Meinung zu haben dass ich trachten solle mit den letzen v. N.Orl bezogenen 3000 frs auszukommen. Das ist auch mein Wille, allein meine Vorschüsse an Tschiffeli, über die ich dem Franz meine Rechnung schickte sind so bedeutend, dass mein bares Geld sehr nahe beisamen ist. Ich habe daher in meinem letzten Brief an Vater gebeten mir den Betrag dieser Vorschüsse noch zukommen zu lassen, welches jedenfalls nothwendig wird, wenn ich nach dem Missouri gehen od gar heimkommen soll. Ob ich aber die Reise jetzt od. erst in einigen Jahren zu machen habe, werdet Ihr bestimmen. Dass H. Hürner an meine Reisekosten nichts beitragen wird, versteht sich v. selbst, denn er hat ja diejenigen v. Tschiffeli zu bestreiten, die sich höher belaufen werden, als die meinigen, obschon unter meinen Auslagen ein sehr bedeutender für Ankauf v. Pferd, Kuh, Hausgeräth etc sich befindet, u ich 30 Thlr Pachtzins hier bezahlte. Ich denke überhaupt mit dem Gelde so sparsam als möglich umgegangen zu sein, u kann Euch später Rechnung geben, denn ich habe d. meisten Ausgaben aufgeschrieben leider aber meist nur auf fliegenden Blättern die noch zusammengefügt werden sollten, wozu ich hier zu Lande k. Lust fühle, zu Hause einst aber schon Zeit finden werde - Wenn Ihr meine Sachen schickt, so legt auch etwas Papier v. verschieden Sorten bei, es ist hier ganz horrent theuer GJ

  • no 8a Juny 1834

    Zweiter Brief an Franz Hürner datiert vom 26 Juny 1834  

    Litle Red R. angekommen d 2 September

    Obschon ich eigentlich jetzt mit der Arbeit sehr gedrängt bin, so ergreife ich doch die Feder, um wieder einmal mit Dir, m Fr, ein paar Worte zu wechseln, denn unsere gemeinschaftliche Gelegenheit geht Allem vor u diese ist jetzt nach einem Brief zu beurtheilen, welchen D. Oheim letzte Woche erhalten, ihrer Entscheidung nahe. Nach d Schlusse meines letzten Briefes konnte ich Dir den Empfang eines Briefes meines v.4 Hornung d.J. anzeigen, u obschon es nicht derselbe ist welcher den eigentlichen Auftrag z. Besuch des Missouri u m. ... Gesinnungen überhaupt in Betreff der Auswanderung enthält, so konnte ich doch daraus entnehmen welches seine Meinung u was seine Stimmung ist. Alle meine Besorgnisse sind nur zu richtig gewesen, denn obschon m. Eltern im Falle Eurer Auswanderung jedenfalls entschlossen scheinen nich zurück zu bleiben, so hält m Vater d. politische Lage d. Schweiz u Europas für so, dass ein Verlassen d. Heimath nicht mehr gebietene Nothwendigkeit u nur unter günstigen Aussichten vorzunehmen sei, welch letztere er in meinen Berichten nicht zu finden glaubt. Er ist um sein Fortkommen w Existenz in diesem Lande besorgt u scheint v. d. beschwerden d. Reise u. Ansiedlung zurückzuschrecken. Unter diesen Umständen hielt ich es für meine Pflicht ihm d. bestimmten Rath zu geben die Ausführung seines Projekts so lang zu verschieben bis er selbst u die übrigen hausgenossen wieder mehr Neigung dazu fühlen. Ich nahm um so weniger Anstand diesen Rath zu ertheilen, da ich glaubte, auch v. Eurer Seite sei die einzige Hoffnung noch auf günstige Berichte aus d. Missouri gerichtet u da ich fest überzeugt bin, sie werden mit Wahrheit abgefasst Euren Erwartungen nicht entsprechen. Nun sprichst sich d. Brief Deiner Mutter, welche vorige Woche hier ankam, so aus, dass weder sie noch Du durch unsere Schilderungen abgeschreckt seien, u D. Vater die politische Lage des Vaterlandes so ansehe, dass er es rathsam finde, u für das künftige Glück s. Kinder erspriesslich finde den, wenn auch herben Schritt zu thun. Gewiss würde Eure Ankunft in diesem Lande NIemand mehr freuen denn mich, u wohin Ihr Euch auch wenden mögt, nach Norden od Süden, so werde ich bald bei Euch sein, obschon ich, aufrichtig zu gestehen, immer noch sehr wenig Hoffnung habe Euch hier zu sehen. Dass meine Eltern sowohl als Ihr bei den physischen u ökonomischen Kräften, die Jedem zu theil geworden, bei zweckmässiger Administration d. Kapitalien gutes Fortkommen finden werden, davon bin ich überzeugt, besonders wenn man von Anfang nicht aus d. Augen verliert dass ein ganzes Vermögen in Baarschaft verwandelt mehr scheint als es eigentlich ist, ein Grundsz den Dein Onkel nicht zu begreifen scheint sowie er überhaupt d. Welth des Geldes nicht zu schätzen weiss u den letzten Pfennig an den gentleman hängt, eher als dass er ihn für die Nothwendigkeit sparte. Was meine Ansichten über die Ansiedlung selbst betrifft, so verweise ich auf meine frühern Briefe, denn wenn ich auch Wiederholungen nicht scheuen soll, so mag ich nicht allzu oft dasselbe schreiben u Euch würde das lesen noch mehr ermüden; auf einen Punkt aber kehrte ich zurück, um ihn Dir, mein Freund, dringends ans Herz zu legen, nämlich dass Ihr Eure Pläne so einrichtet um gleich v. Anfang Euch dort niederzulassen, wo Ihr zu leben gedenkt u einen provisorischen Aufenthalt nur etwa an einem günstig gelegenen Platz an Eurer Reise-Route für so lange zu wählen, bis Ihr selbst das Land Eurer Wünsche besichtigt u eine Wahl getroffen habt. Das Wandern ist mit zu grossem Verlust, mit zu vielen Mühseligkeiten verbunden, u ein provisorischer Aufenthalt v. einigen Jahren wäre in Beziehung auf hauslich Einrichtung, Bequemlichkeit etc reiner Zeitverlust, ein Verlust den unsere Eltern u auch wir nicht ausser Acht lassen dürfen, wenn Erstere noch v. den Früchten ihrer Bemühungen u Aufopferung geniessen sollen. Dass ein südliches Klima Euch anziehen würde, darf ich mit Gewissheit erwarten, denn wer eine Zeit lang hier gewohnt hat, der wird sich eine angenhmere Witterung wünschen; kalt sind die Winter gar nicht u müssen erst nach Einrichtung ordentlicher Wohnungen kaum fühlbar sein, die Hitze im Sommer ist zwar gross aber gar nicht drückend, u schhon oft habe ich ohne Beschwerde im Felde gearbeitet, wenn die sonne fast senkrecht über meinem Haupte stand, nur unmittelbar vor Gewittern wird es oft schwül, ist aber vorübergehend, Frühjahr ist äusserst lieblich, Herbst nicht weniger u doch will ich Euch rathen eher den nördlichen Missouri zu Eurem Aufenthalt zu bestimmen, wenn das hiersige Land zu wild scheint, als durch späters Wandern den lieblichern Himmelstrich zu suchen. Ich weiss nicht, wie mein Vater hierüber denkt, aber vermuthlich wird er meine Ansicht theilen u sein geringeres Vermögen würde einem solchen Vorhaben grosse Schwierigkeiten entgegen setzen. Es liegt mir viel daran, dass Ihr Euch über diesen Punkt verständigt, denn sonst könnte später eine Entfernung von einander folgen, die so Gott will niemals erfolgen soll. Ich kann den Wunsch nicht verbergen, dass wenn Euer Vorhaben ausgeführt wird, ich Euch am liebsten in der hiesigen Gegend sähe, denn wenn dieselbe auch nicht frei v. Mängeln ist, so sind es doch nur die Leute, welche eigetlich lästig fallen u ein Vereinigung v 2-3 Familien könnte sich ganz v ihnen abschliessen. Grollmann u ich haben damit schon begonnen u unterhalten nur höchst geringen Verkehr mit den Amerikanern. Geld ist d. Magnet, der sie noch etwas an uns zieht, u da wir dieses nicht mehr zu spenden haben, weichen sie immer mehr zurück. Klima ist herrlich, Gesundheit der Gegend besser als ich sie sonst fand, der Boden nicht so gut als er am Missouri zu sein scheint, wenn er aber hier nur 25 - 30 Büschels per are bringt u diese zu 50 cents verkauft werden können, dort aber 40 - 50 Büschels à 20 cents, so wird der Ertrag sich zml. gleich kommen, im wärmeren Klima hat man den Vortheil Baumwolle u tabak pflanzen zu können, wenn das Korn durch vermehrte Produktion im Preise fällt. Der Norden liefert dieses zwar für den Hausgebrauch, aber nicht als Ausfuhrartikel. Jagd ist hier vorzüglich, denn wenn ich schon keine Hirsche schiesse, so sind sie doch in Menge vorhanden, u die Turkis sind im Herbst u Winter so zahlreich,dass ich oft mehrere hundert an einem Tage sah; den Fluss habe ich eine Viertelstunde v. Hause weg, u mir fehlt nur die Zeit um Fische im Ueberfluss fangen od schiessen zu können, denn noch nie sah ich einen Fisch reichern Fluss als den Little Red. Auch 3 verschiedene Arten Schilkröten haben wir bereits darin gefangen wovon eine Art über 100 .. schwer wird u alle schmecken vortrefflich.

    Darum mache ich einstweilen alle Anstalten zu meiner Fortsetzung in dieser Gegend, auf den Fall Ihr nicht kommen solltet; ich werde nächstens eine Farm kaufen die zwar noch auf Staatseigenthum liegt, mich aber nur 20 -25 Thlr. kostet, also weniger als der diesjährige Pachtzins kosten wird; so kann ich dann mit nächstem Herbst anfangen m. eigenes Haus u Feld zu bestellen u werde jede Arbeit mit mehr Lust u Freude verrichten. Meinem Vater habe ich meinen Entschluss noch auf einige Jahr hier zu bleiben mitgetheilt u ihn um Uebersendung m. Sachen, sowie überhaupt d. zweckdienlichen Effekten an Kleidern, Kleidungsstoffen, Werkzeugen, Jagdgeräthschaften, Sämereien u Geld gebeten. Letzeres bedarf ich jedenfallls, auch wenn ich die Reise nach dem Missouri machen soll, da meine Baarschaft fast ganz dahingeschmolzen ist, was Du meinem Vater bemerken magst, da ich es zu sagen vergass. Ueber die andern Sachen werden meine Brefe Aufschluss geben, denn aus dem was ich Euch mitzubringen rieth, werden meine Eltern wohl das Diminutiv entnehmen könne, was für eine einzelne Person nöthig ist, u ich habe meinem Vater ohnedies einige Andeutungen gegeben. Da unser Besuch des Missouri durch die Verspätung d. Briefe fast um ein g. Jahr verspätet wurde, so kann jetzt jedenfalls keine Rede mehr davon sein, dass Ihr noch in diesem Jahr d. Heimath verlässt, u sollte vielleicht ein anderer Grund auch im nächsten Jahr ein späte Abreise veranlassen, so sage meinen Eltern, dass ich die Uebersendung von einigen Effekten u Subsidien jedenfalls bedürfe, denn ich bin an Allem sehr entlösst, u meine Hoffnung v. d. Kornernte einiges zu verkaufen wurde auch vernichtet, da ich gerade z. Zeit möthigsten Arbeiten im Felde wegen d. Fieber u der darauf folgenden Schwäche nicht arbeiten konnte u wenn ich auch jetzt die Arbeit nachhole so ist dies mehr um m. Kräfte zu üben u zu lernen, als weil ich einige Hoffnung auf Ertrag habe. Alle Amerikaner in der Nachbarschaft wussten, dass ich in der hiesigen Feldkultur unbekannt , sie wussten, dass ich nicht selbst arbeiten konnte, u dass mit einer Auslage v. wenigen Taglöhnern das Korn in Ordnung, sonst aber d. ganze Erndte verloren wäre, keiner, auch die nicht, welche mehrere Gefälligkeiten u Dienstleistungen v. mir genossen, äusserten sich darüber belehrend od ermahnend, u jetzt ist d. Schaden nicht mehr gut zu machen. Wenn die hoffen, ich werde nun v. ihnen Korn kaufen, so irren sie, denn ich habe gelernt, auch ohne dasselbe zu wirthschaften.

    Dein Oheim hofft nun bald Geld zu erhalten um die reise nach d. Missouri antreten zu können, ich wünsche dass seine Hoffnung erfüllt werde, denn es befördert die allgemeine Angelegenheit u erlöst uns einen v. d. Andern, die wir doch nicht zusammen passen, für ihn aber ist es besonders wünschenswerth, da er sich sehr beengt fühlen muss etc etc

  • no 9 25. july 1834

    2) Little Red River 25.July 1834         Empf. 15 April 1835

    Vor einigen Tagen sandte ich einen Brief an . geliebte Mutter, worin ich von meinem Entschlusse sprach, einige Jahre länger in diesem Lande zuverweilen. Verschiedene Umtände u Berücksichtigungen haben mich zu einer andern Ansicht gebracht, u ich bin nun entschlossen, Euren Wünschen gemäss, meine theuersten Eltern u Geschwister, die Reise nach der Heimat anzutreten, sobald ich durch Empfang es gewünschten Geldes dazu befähigt werde. Ich habe im Sinn die Heimreise über Newyork zu nehmen, u wünsche desshalb dass mit dem Gelde folgendes Arrangement getroffen werde. Ihr sendet mir lieber den Betrag meines Gurhabens an Tschif. 2 Wechsel auf Newyork circa 50 Dollars den ich irgendwo umsetzen kann, wenn ich mit meiner eigenen Barschaft u dem Verkauf meiner Effekten nicht auskommen kann. Der Umsatz einer kl. Summe wird mir leichter u mit weniger Verlust als ein grosser - Von beiden Wechseln schickt ihr Prima, Secunda u Tetia duch verschiedene Schiffgelegenheiten, auch stellt Ihr sie auf ein gut bekanntes Haus aus. - Vor all den übrigen Effekten die ich verlangt bedarf ich nun weiter nichts als 2000 Capseln zur Restitution an Gollmann, die Samereien Obst, Steine w Kernen etc sowie 1 od 2 Garten .. Rebmesser um damit einiges v. meiner Verbindlichkeit gegen Gollmann abzutragen; er hat zwar auch um Sämereien geschrieben - allein da seine Mutter eine Grossstadtbewohnerin so wird sie es irgend einem Gärtner übertragen u da denke ich dürfte aus den Händen einer bürgerlichen Familie doch das gediegenere u nützlichere hervorgehen. Was dann Bäume u besonders Reben betrifft, so wird ohnehin nicht so leicht Jemand bessern Bescheid wissen als Vater -

    Ja, meine gelibten Eltern, werden wir uns denn bald wieder, hoffentlich gesund u froh wiedersehen, u ich nach meinen Berechnungen diess Land nächsten Hornung od März verlassen können.

    Nach Versendung des Geldes könnt Ihr dann Eure Correspondenz einstellen, u mir hingegen werdet Ihr v. Zeit zu Zeit Nachricht erhalten. Bis dahin Gott befohlen.

    Ihr ergebenster G Jaeger

  • nr 10 14.April 1835

    10

    1) Little Red River 14 Aril 1835           Empf 21 Juny 1835

    Theuerste Eltern . - Gestern habe ich den Brief v. 22 Jenner d. J. erhalten, u da h Grollmann morgen nach N. Orl. geht, so will ich gleich antworten u ihm d. Brief mitgeben. Alle früheren Briefe sind mir ebenfalls zugekommen, u jetzt werdet Ihr auch unterrichtet sein, was für längere Zeit eine Stockung in meiner Korresponden brachte u dass ich wegen Mangel an Reisegeld hier zurückgehalten bin. In 4-6 Wochen werde ich indess v. hier abreisen, wenn kein neues Hinderniss eintrifft, mich vorerst nach dem Missouri begeben, da Franz wünscht, dass ich mich dort auch umsehe u die daselbst wohnenden Schweizer besuche. Kann es ohne Kostenaufwand geschehen, so gedenke ich mich dort etwas zu versäumen, denn bei einer blossen Durchreise wäre ich nicht im Stande irgend ein Urtheil über das Land zu fällen. Bin ich erst v. dort weg, so bin ich schnell in N York u zu Hause, doch müsst Ihr nicht lange Weile haben, wenn ich od meine Briefe über Erwarten lange ausbleiben sonder bedenken, dass ich in einem Lande bin wo man zu sehr v. äussern Umständen abhängt, als dass man sich stets nach Wunsche einrichten könnte. Von Grollmann habe ich circa 60 Dollars zu beziehen, von Verkauf meiner Effekten u anderm Verkehr her, ob dieselben bis nach N.Y. reichen,weiss ich nicht, besonders da ich ganz von Kleidern u Leingen entblösst bin, u doch zur Reise mir nothwendig noch welches anschaffen muss. Durchkommen werde ich auf jeden fall, doch wie gesagt, vielleicht etwas langsamer als ich dachte. Meine Effekten werde ich durch H Nicolet heim spedieren lassen, er enthält wenig mehr, u fast könnte ich derselben hanz entbehren, doch mag ich die Flinte u. andere Kleinigkeiten nicht zurücklassen, u v. meiner letztjährigen Pflanzung bleibt mir noch so viel Tabak übrig, dass ich den leeren Raum ausfüllen kann.

    In einem der letzten Briefe habe ich eine Sendung von Sämereien u Blumenzwiebeln angekündigt. Dieselbe werden wegen geringem Wasserstande im Winter so verspätet, dass sie ganz unterblieb, weil ich das meiste für verdorben hielt. Einiges werde ich noch mitzunehmen suchen, anderes wird mir Gollmann nachsenden. Bis Anfangs Hornung hatten wir hier sehr schön Wetter, dann aber wurde es für lange kalt, so dass dieses J. Alles über 1 Monat später ist als voriges Jahr, grosse Trockenheit trug viel zu dieser Verspätung bei. Vorgestern was etwas Regen,so dass wir mit Pflanzen forfahren konnten u mir Regen scheint bevorzustehen, wodurch die Erde Feuchtigkeit genug erhalten wird, um eine schnellere Vegetation zu bewirken.

    Von Jules H. habe ich noch nichts erhalten, als die ihm mitgegebenen Briefe, wahrscheinlich werde ich denselben irgendwo im Missouri treffen, denn wie sein Vater schreibt, wird er sich wahrscheinlich dorthin begeben. Aus dem Eingang werdet Ihr ersehen, dass ich nicht in Versuchung bin, ihm auf irgendeine Art an die Hand zu gehen.

    Morgen reite ich meine Stute z. Hengst. Ihr könnt also dem Otto sagen, dass wenn

    mein Pferd ein Junges macht, bevor ich weggehe, so bringe ich selbes mit. - Nun lebt wohl, meine geliebten Eltern. Viele Grüsse an meine Geschwister u Bekannten

         G. Jaeger