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no 1 Hormung 1833

                                                                                    Havre, den 13. Hornung 1833

Theuerst Eltern.

Meinem letzten brief zu folge sind wir also Sonntag den 17. des Morgens 9 Uhr v. Aarau abgereist u. kamen Abends zur guten Zeit in Listal an. Des anderen Morgens früh 5 Uhr bestiegen wir den Postwgen nach Belfort; das Wetter welches Tags vorher milde und schön gewesen, hatte sich gewendet u. ein starkes Schneegestöber begleitete uns den ganzen Vormittag. Nachmittags floss der Regen in Strömen, als wir in Belfort anlangten, sodass unser Austritt aus der Schweiz unfreundlich u. die ersten Schritte über Frankreichs Boden unangenehm waren.Die schlechte Witterung und die obwaltenden Fassnachtsbelustigungen retteten uns vor den Untersuchungen der Douane in St. Louis, unser Gepäck wurde nicht geöffnet und dadurch eine wesentliche Besorgnis(s) behoben, weil bei dem Drängen des Postens gewöhnlich nicht wieder ordentlich gepackt weden kann. Kaum hatten wir in Belfort etwas genossen, so musssten wir uns schon wieder in den Wagen setzen und fuhren Tag und Nacht in einem fort bis Paris; das Wetter war anhaltend schlecht u. stürmisch, des Nachts bisweilen etwas kalt,u. die Wege so schlecht, dass wir Donnerstag Vormittag erst ½ 8 Uhr in Paris anlangten. Neben der üblen Beschaffenheit der fast bodenlosen Strassen, lag die Ursache dieser Verspätungauch in der schlechten Organisation der Courses der Diligenses auf dieser Route, die im Winter wegen mangelnden Concurrance nur nachlässig besorgt werden; oft werden die Postpferde 6-8 Stunden wegs nicht gewechselt, ja einmal mussten die nämlichen schlechten Gäule den schwer belasteten Wagen 11 Stunden lang mitschleifen. Von Troyes weg hatten wir gute Pferde u. weil die Strassen von da bis Paris gepflastert sind, so ging es auf dieser Strecke rasch vorwärts. allein dabei nicht ganznicht ganz ohne Gefahr des Umwerfens, indem beim gegenseitigen Ausweichen der Wagen leicht das eine Rad in den bodenlosen Grund sinkt, während die ander Seite auf dem hocherhobenen Pflaster bleibt u. dadurch die Diligencen, welche ihre Lasten grossentheils oben auf dem Verdeck tragen, bald das Gleichgewicht verlieren. Indessen kamen wir ohne Unfall, von der ganzen Reise aber wüsste ich nichts (Angenehmes zu erzählen, weil eine erste Durchfahrt durch ein flaches u. ödes Land wenig interesse bietet, auch machen die zahlreichen Ruinen , die in den Dörfern seit denFeldzügen von 1813 u. 1815 fast überall noch sichtbar sind, einen unangenehmen Eindruck, besonders wenn man ohnehin nicht gut gestimmt ist. - Als wir in Paris ankamen, war die Post nach Havre schon verreist, wir mussten also bis folgenden Abend 6 Uhr daselbst verweilen u. benutzten diese kurze Frist, um die öffentlichen Plätze u. Gebäude zu besichtigen, die schönen Boutiques in Augenschein zu nehmenu. uns an dem Gewühl in den Strassen zu belustigen. Diese Promenade durch die Stadt ist unterhaltend u. in kurzer Zeit habe ich viel Schönes gesehen, allein ausser dem Louvre u. den Geräten der Tuillerien hat bei mir nichts einen wesentlichen Eindruck hinterlassen, weil die bevorstehende Reise mich zu sehr beschäftigte, als das die Schönheiten u. die Manigfaltigkeit der Hauptstadt Frankreichs etwas anderes als vorübergehendes Wohlgefallen erwecken konnte.

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