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no 8a Juny 1834

Zweiter Brief an Franz Hürner datiert vom 26 Juny 1834  

Litle Red R. angekommen d 2 September

Obschon ich eigentlich jetzt mit der Arbeit sehr gedrängt bin, so ergreife ich doch die Feder, um wieder einmal mit Dir, m Fr, ein paar Worte zu wechseln, denn unsere gemeinschaftliche Gelegenheit geht Allem vor u diese ist jetzt nach einem Brief zu beurtheilen, welchen D. Oheim letzte Woche erhalten, ihrer Entscheidung nahe. Nach d Schlusse meines letzten Briefes konnte ich Dir den Empfang eines Briefes meines v.4 Hornung d.J. anzeigen, u obschon es nicht derselbe ist welcher den eigentlichen Auftrag z. Besuch des Missouri u m. ... Gesinnungen überhaupt in Betreff der Auswanderung enthält, so konnte ich doch daraus entnehmen welches seine Meinung u was seine Stimmung ist. Alle meine Besorgnisse sind nur zu richtig gewesen, denn obschon m. Eltern im Falle Eurer Auswanderung jedenfalls entschlossen scheinen nich zurück zu bleiben, so hält m Vater d. politische Lage d. Schweiz u Europas für so, dass ein Verlassen d. Heimath nicht mehr gebietene Nothwendigkeit u nur unter günstigen Aussichten vorzunehmen sei, welch letztere er in meinen Berichten nicht zu finden glaubt. Er ist um sein Fortkommen w Existenz in diesem Lande besorgt u scheint v. d. beschwerden d. Reise u. Ansiedlung zurückzuschrecken. Unter diesen Umständen hielt ich es für meine Pflicht ihm d. bestimmten Rath zu geben die Ausführung seines Projekts so lang zu verschieben bis er selbst u die übrigen hausgenossen wieder mehr Neigung dazu fühlen. Ich nahm um so weniger Anstand diesen Rath zu ertheilen, da ich glaubte, auch v. Eurer Seite sei die einzige Hoffnung noch auf günstige Berichte aus d. Missouri gerichtet u da ich fest überzeugt bin, sie werden mit Wahrheit abgefasst Euren Erwartungen nicht entsprechen. Nun sprichst sich d. Brief Deiner Mutter, welche vorige Woche hier ankam, so aus, dass weder sie noch Du durch unsere Schilderungen abgeschreckt seien, u D. Vater die politische Lage des Vaterlandes so ansehe, dass er es rathsam finde, u für das künftige Glück s. Kinder erspriesslich finde den, wenn auch herben Schritt zu thun. Gewiss würde Eure Ankunft in diesem Lande NIemand mehr freuen denn mich, u wohin Ihr Euch auch wenden mögt, nach Norden od Süden, so werde ich bald bei Euch sein, obschon ich, aufrichtig zu gestehen, immer noch sehr wenig Hoffnung habe Euch hier zu sehen.

 

Dass meine Eltern sowohl als Ihr bei den physischen u ökonomischen Kräften, die Jedem zu theil geworden, bei zweckmässiger Administration d. Kapitalien gutes Fortkommen finden werden, davon bin ich überzeugt, besonders wenn man von Anfang nicht aus d. Augen verliert dass ein ganzes Vermögen in Baarschaft verwandelt mehr scheint als es eigentlich ist, ein Grundsz den Dein Onkel nicht zu begreifen scheint sowie er überhaupt d. Welth des Geldes nicht zu schätzen weiss u den letzten Pfennig an den gentleman hängt, eher als dass er ihn für die Nothwendigkeit sparte. Was meine Ansichten über die Ansiedlung selbst betrifft, so verweise ich auf meine frühern Briefe, denn wenn ich auch Wiederholungen nicht scheuen soll, so mag ich nicht allzu oft dasselbe schreiben u Euch würde das lesen noch mehr ermüden; auf einen Punkt aber kehrte ich zurück, um ihn Dir, mein Freund, dringends ans Herz zu legen, nämlich dass Ihr Eure Pläne so einrichtet um gleich v. Anfang Euch dort niederzulassen, wo Ihr zu leben gedenkt u einen provisorischen Aufenthalt nur etwa an einem günstig gelegenen Platz an Eurer Reise-Route für so lange zu wählen, bis Ihr selbst das Land Eurer Wünsche besichtigt u eine Wahl getroffen habt. Das Wandern ist mit zu grossem Verlust, mit zu vielen Mühseligkeiten verbunden, u ein provisorischer Aufenthalt v. einigen Jahren wäre in Beziehung auf hauslich Einrichtung, Bequemlichkeit etc reiner Zeitverlust, ein Verlust den unsere Eltern u auch wir nicht ausser Acht lassen dürfen, wenn Erstere noch v. den Früchten ihrer Bemühungen u Aufopferung geniessen sollen. Dass ein südliches Klima Euch anziehen würde, darf ich mit Gewissheit erwarten, denn wer eine Zeit lang hier gewohnt hat, der wird sich eine angenhmere Witterung wünschen; kalt sind die Winter gar nicht u müssen erst nach Einrichtung ordentlicher Wohnungen kaum fühlbar sein, die Hitze im Sommer ist zwar gross aber gar nicht drückend, u schhon oft habe ich ohne Beschwerde im Felde gearbeitet, wenn die sonne fast senkrecht über meinem Haupte stand, nur unmittelbar vor Gewittern wird es oft schwül, ist aber vorübergehend, Frühjahr ist äusserst lieblich, Herbst nicht weniger u doch will ich Euch rathen eher den nördlichen Missouri zu Eurem Aufenthalt zu bestimmen, wenn das hiersige Land zu wild scheint, als durch späters Wandern den lieblichern Himmelstrich zu suchen. Ich weiss nicht, wie mein Vater hierüber denkt, aber vermuthlich wird er meine Ansicht theilen u sein geringeres Vermögen würde einem solchen Vorhaben grosse Schwierigkeiten entgegen setzen. Es liegt mir viel daran, dass Ihr Euch über diesen Punkt verständigt, denn sonst könnte später eine Entfernung von einander folgen, die so Gott will niemals erfolgen soll. Ich kann den Wunsch nicht verbergen, dass wenn Euer Vorhaben ausgeführt wird, ich Euch am liebsten in der hiesigen Gegend sähe, denn wenn dieselbe auch nicht frei v. Mängeln ist, so sind es doch nur die Leute, welche eigetlich lästig fallen u ein Vereinigung v 2-3 Familien könnte sich ganz v ihnen abschliessen. Grollmann u ich haben damit schon begonnen u unterhalten nur höchst geringen Verkehr mit den Amerikanern. Geld ist d. Magnet, der sie noch etwas an uns zieht, u da wir dieses nicht mehr zu spenden haben, weichen sie immer mehr zurück. Klima ist herrlich, Gesundheit der Gegend besser als ich sie sonst fand, der Boden nicht so gut als er am Missouri zu sein scheint, wenn er aber hier nur 25 - 30 Büschels per are bringt u diese zu 50 cents verkauft werden können, dort aber 40 - 50 Büschels à 20 cents, so wird der Ertrag sich zml. gleich kommen, im wärmeren Klima hat man den Vortheil Baumwolle u tabak pflanzen zu können, wenn das Korn durch vermehrte Produktion im Preise fällt. Der Norden liefert dieses zwar für den Hausgebrauch, aber nicht als Ausfuhrartikel. Jagd ist hier vorzüglich, denn wenn ich schon keine Hirsche schiesse, so sind sie doch in Menge vorhanden, u die Turkis sind im Herbst u Winter so zahlreich,dass ich oft mehrere hundert an einem Tage sah; den Fluss habe ich eine Viertelstunde v. Hause weg, u mir fehlt nur die Zeit um Fische im Ueberfluss fangen od schiessen zu können, denn noch nie sah ich einen Fisch reichern Fluss als den Little Red. Auch 3 verschiedene Arten Schilkröten haben wir bereits darin gefangen wovon eine Art über 100 .. schwer wird u alle schmecken vortrefflich.

Darum mache ich einstweilen alle Anstalten zu meiner Fortsetzung in dieser Gegend, auf den Fall Ihr nicht kommen solltet; ich werde nächstens eine Farm kaufen die zwar noch auf Staatseigenthum liegt, mich aber nur 20 -25 Thlr. kostet, also weniger als der diesjährige Pachtzins kosten wird; so kann ich dann mit nächstem Herbst anfangen m. eigenes Haus u Feld zu bestellen u werde jede Arbeit mit mehr Lust u Freude verrichten. Meinem Vater habe ich meinen Entschluss noch auf einige Jahr hier zu bleiben mitgetheilt u ihn um Uebersendung m. Sachen, sowie überhaupt d. zweckdienlichen Effekten an Kleidern, Kleidungsstoffen, Werkzeugen, Jagdgeräthschaften, Sämereien u Geld gebeten. Letzeres bedarf ich jedenfallls, auch wenn ich die Reise nach dem Missouri machen soll, da meine Baarschaft fast ganz dahingeschmolzen ist, was Du meinem Vater bemerken magst, da ich es zu sagen vergass. Ueber die andern Sachen werden meine Brefe Aufschluss geben, denn aus dem was ich Euch mitzubringen rieth, werden meine Eltern wohl das Diminutiv entnehmen könne, was für eine einzelne Person nöthig ist, u ich habe meinem Vater ohnedies einige Andeutungen gegeben. Da unser Besuch des Missouri durch die Verspätung d. Briefe fast um ein g. Jahr verspätet wurde, so kann jetzt jedenfalls keine Rede mehr davon sein, dass Ihr noch in diesem Jahr d. Heimath verlässt, u sollte vielleicht ein anderer Grund auch im nächsten Jahr ein späte Abreise veranlassen, so sage meinen Eltern, dass ich die Uebersendung von einigen Effekten u Subsidien jedenfalls bedürfe, denn ich bin an Allem sehr entlösst, u meine Hoffnung v. d. Kornernte einiges zu verkaufen wurde auch vernichtet, da ich gerade z. Zeit möthigsten Arbeiten im Felde wegen d. Fieber u der darauf folgenden Schwäche nicht arbeiten konnte u wenn ich auch jetzt die Arbeit nachhole so ist dies mehr um m. Kräfte zu üben u zu lernen, als weil ich einige Hoffnung auf Ertrag habe. Alle Amerikaner in der Nachbarschaft wussten, dass ich in der hiesigen Feldkultur unbekannt , sie wussten, dass ich nicht selbst arbeiten konnte, u dass mit einer Auslage v. wenigen Taglöhnern das Korn in Ordnung, sonst aber d. ganze Erndte verloren wäre, keiner, auch die nicht, welche mehrere Gefälligkeiten u Dienstleistungen v. mir genossen, äusserten sich darüber belehrend od ermahnend, u jetzt ist d. Schaden nicht mehr gut zu machen. Wenn die hoffen, ich werde nun v. ihnen Korn kaufen, so irren sie, denn ich habe gelernt, auch ohne dasselbe zu wirthschaften.

Dein Oheim hofft nun bald Geld zu erhalten um die reise nach d. Missouri antreten zu können, ich wünsche dass seine Hoffnung erfüllt werde, denn es befördert die allgemeine Angelegenheit u erlöst uns einen v. d. Andern, die wir doch nicht zusammen passen, für ihn aber ist es besonders wünschenswerth, da er sich sehr beengt fühlen muss etc etc