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no 2 New Orleans, 11. Mai 1833

no 2 New Orleans, 11. Mai 1833 (1)

no. 2

no. 2                                       New Orleans  1.Mai 1833

Wertest Eltern .........

Endlich ---   meinen Lieben .. Nachricht .. Ankunft ... mitteilen.   ...dem wir vom 4. März in Havre abgereist sind, fuhren wir mit günstigem Wind bis zur Insel Madeira

Cap St. Antonio bis zum Ausfluss des Mississipi in dessen Nähe wir.den 24. April anlaufen. Osrtwind, starke ...liche Strömung und ungeschickte m... unseres Kapitäns trieben uns in die westliche Bay Ba... in der wir lange herum irrten bevor wir in der Nacht vom 5. – 6. Mai vor dem südwestlichen Arme des Mississipi vor Anker gehen konnten Wir hatten im Ganzen sehr günstiges Wetter, im Anfang zwar etwas kalt, späterzuweilen warm, doch niemals drückende Hitze, auch niemals stürmisch, ... dass wir ins ... über die lange Dauer der Fahrt nicht aber über die Witterungzu klagen haben. das Seeleben im ganzen ist nicht angenehm, aber doch sehr erträglich und manchen Unannehmlichkeiten kan man durch Vorsicht vorbeugen. Wenn man nicht mit einem Paketboot reist und irgend eine Wahl offen steht, so hat man sich vor Allem eins nach den Eigenschaften des Kapitäns umzusehen, den von dessen Charakter hängt Vires ab, das zu Bequemlichkeit oder zum Aerger der Passagiere Anlass gibt. Das ist wichtig zu kennen, ob der kapitän ein wirklicher Seemann ist oder nicht. Da wie es scheint, sehr oft Personen mit diesem Amte bekleidet werden, die durchaus nichts von dessen Pflichten verstehen, eine Art. Ersparnisse zu Erzielen auf Kosten der Assekuranzen. Besser ist es auch dem Wein u. geistiger Getränke sich nicht vom Kapitän liefern zu lassen, u. wenn dies nicht Misslich wäre, doch wenigsten etwas zur Erfrischung in den Zwischenstunden mit sich zu nehmen, ebenso etwas dürres Obst, Zucker etc., was so zur Erfrischung dienen mag, dann wenn man als Pssagier schon hierauf Ansprüche machen kann, so sins die kapitäns doch sehr intrssiert und oft schlecht versehen. Viele Unannehmlichlleiten fallen auf den paketbooten weg, weil dort besser für Passagiere eingerichtet und seinen geregelten Gang hat wie in einem Wirtshause. Da das Seewasser nicht gut ist zum reinigen des Körpers, der Kleider, weil es dieSeife nicht auflöst zu diesem Zwecke aber nur gesalzenes Wasser gelierfert wird, so würdeein eigenes Fass süsses Wasser eine grosse Annehmlichkeit sein, auch für solche die in der Kajute reisen. Die grösste Unannehmlichkeit ist die Seekrankheit von der ich zwar nur wenige Stunden litt, die aber bei einigen Personen mehrere Tage anhält und bei jedem heftigen Wind weiderkehrt was übrigens nicht gewöhnlich ist. Neben diesem Uebel findet man man .einen Mangel   einer grossen Zahl gewohnter Bequemlichkeiten an deren Entbehrung man sich aber wohl früh gewöhnen muss, da die meisten dem Ansiedler in den ersten Jahren ebenfalls fehlen werden. Die Annehmlichkeiten beschränken sich auf ... Farbenspiel am Himmel und im Wasser, Einige Naturerscheinungen, Fische, Vögel u. Insekten, doch lernt man hier die Schönheiten der Natur im Einzelnen bewundern , u. Manches erfreut, das im gewöhnlichen Leben unbeachtet geblieben wäre. Die Zeit scheint auch nicht sop lang aös ,am sich vorstellt, gute Gesellschaft u. gute Bücher können jede Stunde angenehm ausfüllen. Die Einförmigkeit des Seelebens wird ... durch irgend ein Ereigniss oder einer Erscheinung unterbrochen. Was den Aufenthalt im Zwischendeck betrift so hat diese Reise meine Abneigung dagegen noch verstärkt, u. nur wer die Kosten der Reise in der Kajüte sich zu bestreiten vermag, soll sich dort engagieren. Es ist das Leben einer Kaserne u. noch ärger, Der ewige Lärm , Geschrei so vieler Personen in einem einzigen Raum, die Unannehmlichkeit dieses Reiselebens in Beziehung auf Entkleien u. Schlafengehen, die Rohheit u. Unsittlichkeit welche nur zu oft in diesen Zwischenräumen herrscht , kurz eine Menge Dinge sind der Art, dass ich für meine Person während dieser Reise jeden Tag mehr erfreut war, durch die Wohlfeilheit nicht verleitet worden zu sein, diesen Zwischenraum zu meinem Aufenthalt gewähl zu haben. Auf unserer Reise hatten die Entre.. -Passagiere überdieses mehr als die Hälfte des Weges faules stinkendes Wasser u. gegen das Ende Mängeln an Lebensmitteln, so dass sie nur Wassersuppen kochen konnten. Es ist gewöhnlich dass sich die Leute ihre Lebensmittel von einem Makler im Havre zu einem bestimmten Preis liefern lassen, u. wenn sie den glatten Worten dieser gewissenloser Menschen Glauben schenken, u. die Lieferungen nicht genau nach Qualität und Gewicht inspizieren, so werden sie in Beiden Betrogen. Die Mäkler liefern dem Kapitän ebenfalls das Wasser Salz , welche dieser nach dem Akord zu geben hat, u. da ist ihnen die geringe Müher zu viel, die Wasserfässer vor dem Füllen etwas auszuspühlen, was dann Folgen hat , wie die unsere Mitpassagiere dulden müssen. Für Landleute u. dergl. sind freilich diese Unannehmlichkeiten im ganzen nicht so fählbar, u. wenn Wasser . Lebensmittel gut sind, leben viele auf demSchiff gewiss besser, als sie zu Hause nie konnten.

Den 8. Mai holte uns ein Dampfboot auf der Rhede ab u. brachte uns den Fluss hinauf bis New Orleans, wo wir den folgenden Tag anlangten. Diese Dampfbote Remorqueurs fahren auf flachen schiffen sehr grosse Maschinen , über denen noch ein Verdeck ist mit Zimmer für Passagiere. Rings um dad Boot herum ist eine ArtBarriere, an welche die zu remorquirenden Schiffe angebunden werden, u. so marschiert die Maschine den Fluss hinauf, auf jeder Seite mit einem grossen Dreimaster zuweilen diesem her oft noch 2od. 4 kleinere Briggs u. Schoner schleppend. Der Preis hiefür ist ein Thaler von der Tonne Gehalt, doch kann zuweilen etwas abgemarktet werden. Der erste Anblick des Landes am Ausfluss des MIssissipi ist nicht sehr schön, zuerst sieht man nur Sandbänke, später etwas grünes Schilf, das aber auch den Seereisenden nicht schön dünkt. Das ganze Landzwischen den Ausflüssen ist nämlich lauter Sumpf , welcher ein grosser Theil des Jahres unter Wasser ist u. wo nur Binse u. Röhricht gedeihen. Einige .iloten und Hütten sind die einzigen Wohnungen die man hier erblickt. Bld zeiogen sich einige Weidenbüsche, die aus hergeschwemmten Baumstämmen hervorzuschiessen scheinen, dann eine Wasserlilie, u. nach u. nach andere Gesträucher oder verkrüppelte Bäume, welche mit dem verschiedenartigsten u. schänstem Grün prangen. Nach dem zusammenfluss ... der Stromein Majestätisches Ansehen, die Breite ist zwar nicht so beträchtlich als man erwarten sollte, allein die Strömung ist stark u. die Tiefe gross. Ueber beide Ufer hinweg sieht man noch eine weite Strecke zu

beiden Seiten des offenen Meeres, u. die einbrechende Nacht hinderte uns zu bemerken wo dieser Anblick aufhört Als wir am andern Morgen erwachten war unser Horizont durch einen Baumkranz beschränkt, u. die Windungen des Flusses gaben demselben fast das Ansehen eines kleinen Landsees. Das Dampfschiff führte uns so nahe am Ufer vorbei, dass wir den Karakter des Landes einigermassen bemerken konnten. Dasselbe ist dem Europäer doch auffallend. Hinter einem Wall von Flozhölzern, die der Fluss an seinen Ufern aufgehäuft, dehnte sich das Wasser in die Wälder hinein, weil der wasserstand gerade hoch war. Das wilde verworren der Bäume mit stehenden u. umgefallenen Bäumen vermischt , die dürrenden (so) grünen mit schwazem herabhangenden Moose bedeckt, unten aus dem Wasser hervor erhebt sich die Wasserpalme auf niedrigem Struk, u.. allerlei Gebüsch u. Pflanzen u. Blumen . Bald nachher zeigen sich einige zersteute Pflanzzungen, die aber ein äusserst armes Dastehen haben und noch ganz neu scheinen. je mehr man sich Neu-Orleans, desto mehr nimmt die Kultur zu, bald folg Pflanzung an Pflanzung, schöne Gebäude mit kleinen Dörfchen u.Negerhütten, aber hier wird auch die Gegend einförmig, die schönen Bäume und Gebüsche verschwinden, u. nur im Hintergrund der Pflanzungen bemerkt man die sogenannten Cyprieres, .......die aus den ... od. Morästen aufsteigenden Urwälder. Es war Abends ½ 8 Uhr als wir in Neu-Orleans ankamen, die Luft war schwül obschon es unmittelbar vorher geregnet hatte; der Hafen war voll Schiffe.

die nahe an dem Ufer und der Stadt liegen, u. doch war Alles still wie auf einem KIrchhofe - der vorangegangene Regen u. die Unsicherheit der Strassen sollen daran Schuld sein.

Do 10 h früh war unser erster Gang zu Hern Nicolet, der mich schon lange erwartet hat denn ein späterer Brief von Rosette war vor mir angekommen u. hatte ihn von meiner Reise benachrichtigt.

Wir wurden äusserst freundlich u. zuvorkommend von ihm aufgenommen, u. er spendete beinahe den ganzen Tag für uns verschiedenes Interessantes der Stadt zu zeigen

Zuerst sahen wir zwei Kattunpressen in denen die Baumwoll-Ballen zur Ladung der Schiffe vermittelst einer Dampfmaschine nochmals gepresst u. auf die Hälfte ihres früheren Volumens reduziert werden. Die Schiffskapitäne be...n die Ladung hierfür um mehr Ladung einnehmen zu können. Von dem Dach dierser Gebäudehallen hatten wir eine sehr schöne Aussicht auf die ganze Stadt, die Umgebung, fluss u. Hafen. Der Lac Pontchartrain, etwa ./4 Stunden von N.O. entfernt, ist der allgemeinen Belustigungsort der Bewohner dieser Stadt, mit welchem die Communikation durch eine Eisenbahn ausserordentlich erleichtert ist. Dorthin führte uns H. nicolet zum Mittagessen, u. so kamen wir unerwarteter Weise zu dem Vergnügen, die schnellste Reise zu machen die man sich denken kann. In 14 Minuten führte uns der Dampfwagen an den Ort unserer Bestimmung. Der fährt in schnurgerader Linie topfeben zum Ziele und geht mitten durch einen ..., so dass er durchwegs auf Pfeilern über dem Wasser ruht. Die Unkosten , erst auf 50’00 Dollar berechnet , beliefen sich nachhaer auf 300.000, und doch soll das Unternehmen sehr erträglich sein, weil sich seit Errichtung dieser Eisenbahn ein grosser Verkehr zwischen Mobich und der dortigen Gegend ... etabliert hat. Es ist eine eigene Sache aus einer Stadt von 70 bis 80 000 Einwohner durch Urwälder u. ewige Sümpfe nach einem Vegnügungsort zu fahren, dervor letzeen nur das zum Voraus har, das er stattt über ausgrotteten Wäldern über den Gewässern eines Salzsees erbaurt wurde.

N.O. im Allgemeinen ist eine unanagenehme stadt. Die Strassen gehen in gerader éienie fort, u. durch diejenigen, welche sich Andeinwärts wenden , sieht man noch in die Urwälder, weenig scöne Häuser u. alles leicht und liederlich gebaut. Obschon man kaum einen Fuss graben kann ohne wasser zu finden, so werden die Backsteinmauern doch keineswegs duch Pfeiler u.Rraste unterstützt, so dass das Spalten u. Zusammenfallen der Gebäude keine Seltenheit ist. Zu beiden Seiten der Strassen gehn trttoirs, aber dazwischen ist Kkoth, dass oft èferd und Wagen stecken bleiben. Wenige Tage Sonnenschein sollen diesen Koth in Staub verwandeln u. dieser muss gewiss noch viel Lästiger sein. Dass diese Ausdünstungen, der unausstehliche Gestank inden Strassen u. die nahe liegenden Sümpfe in der heissen Jahreszeit

Krankheiten erzeugen, ist so natürlich, dass man sich wundern müsste, wenn es anders wäre. Das englische Quaartier, das von dem französischen ganz geschieden ist, sieht zwar etwas reinlicher aus, allein doch noch so, dass zur Belebung des Verkehrs auf öffentliche Kosten fiacres unterhalten werden, welche den Wanderer unentgeldlichh von einem ort zum andern führen.

Alles ist hier ungemein theuer, sowohls Waaren als Lebensmittel, Land, Häuser und Hauszinse. Eine Gesellschaft hat sich ein Lokal zu einer Art Gesellschafthaus gemietet, welches keine übermässige ausdehnung hat u. wofür 16 000 Dollars järlich Mietzins bezahlt wird; gwöhnliche Hausplätze von 10 u. 20 000 Dollaar s sind nicht selten, u. die Kottonpress zahlte 250,000 Dollars für dem Platzk auf dem sie ihr Etablissement errichtete. In diesem Styl geht es bis auf die Wäscherin herab, der man 1 Doll. für das Dutzend Stück bezahlt, sei es, eas es will, u. die Flickerlöhne sind so stark dass man hier zerbrockene Kleidungs..mit mehr Vorteil wegwirft als reparieren lässt. H. Nicolet drückte den Wunsch aus, dass sich Schweizer od. Deutsche auf einer Benachbarten Plantage ansiedeln u. mit Gartenbau beschäftigen möchten. Die Gemüse sind so theuer, dass diess gewiss sehr erträglich sein müsste u. der Eigenthümer des Landes würde vorteilhafte Bedingungen machen; das Klima auf dem Lande soll auch nicht ungesund sein. Im wiefern ein solcher Zweck erreicht werden kann, u. ob es rathsam ist, demselben Aufmerksamkeit zu schenken, vermag ich nicht zu beurtheilen, doch scheint es mir dass das Klima mitten in den hiesigen Sümpfen immer gefährlich bleiben muss und mit grossem Verdienst ist auch wenig gewonnen, wenn das Ausgeben in gleichen Verhältnisse ist.

In unserem Wirtshause haben wir zwei Deutsche gefunden, die vor kurzem einen Ausflug nach Florida gemacht haben um zu erforschen wie sich das Land zur Niederlassung eignet; allein sie fanden meistens Sümpfe u. Sandboden, wenig gutes Land, u. im Süden, wo Letzteres häufiger sein soll, befinde sich Alles noch in einem ungeheuer wildem Zustand. Von Arkansas dagegen haben wir sehr gute Nachrichten. Die Auswanderung nach dieser Gegend ist jetzt in starkem Aufschwung, die Bewohner haben bereits die Zahl ereicht, dass sie das Verlangen beim Kongress stellen konnten, als Staaat in die Union aufgenommen zu werden. Man hegt hier die Ansicht, dass Arkansas binnen kurzem einer der blühendsten Staaten des Innern werden möchte; in wie weit er unsern Absichten entspricht, werden wir sehen.Wir hoffen künftigen Donnerstag abreisen zu können, vorher jedenfalls nicht, weil unsere Wäsche erst bis Mittwoch Abend ferig wird. In der Hoffnung, Euch bald gute Nachrichten senden zu können, ... ich diesen Brief, welcher mörgen früh von hier abgehen wird. Inzwischen viele, viele Grüsse an Euch u. slle Bekannten mit dem Wunsche fortwährendens Wohlergehens.

Euer .. Sohn u. Bruder G. Jaeger

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