{"id":220,"date":"2013-07-19T10:39:27","date_gmt":"2013-07-19T07:39:27","guid":{"rendered":"http:\/\/nikaderungs.com\/nikaderungs.com\/no-1-hormung-1833\/"},"modified":"2019-05-20T15:40:27","modified_gmt":"2019-05-20T13:40:27","slug":"no-1-hormung-1833","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nikaderungs.com\/el\/no-1-hormung-1833\/","title":{"rendered":"no 1 Hormung 1833"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\">Havre, den 13. Hornung 1833<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Theuerst Eltern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meinem letzten brief zu folge sind wir also Sonntag den 17. des Morgens 9 Uhr v. Aarau abgereist u. kamen Abends zur guten Zeit in Listal an. Des anderen Morgens fr\u00fch 5 Uhr bestiegen wir den Postwgen nach Belfort; das Wetter welches Tags vorher milde und sch\u00f6n gewesen, hatte sich gewendet u. ein starkes Schneegest\u00f6ber begleitete uns den ganzen Vormittag. Nachmittags floss der Regen in Str\u00f6men, als wir in Belfort anlangten, sodass unser Austritt aus der Schweiz unfreundlich u. die ersten Schritte \u00fcber Frankreichs Boden unangenehm waren.Die schlechte Witterung und die obwaltenden Fassnachtsbelustigungen retteten uns vor den Untersuchungen der Douane in St. Louis, unser Gep\u00e4ck wurde nicht ge\u00f6ffnet und dadurch eine wesentliche Besorgnis(s) behoben, weil bei dem Dr\u00e4ngen des Postens gew\u00f6hnlich nicht wieder ordentlich gepackt weden kann. Kaum hatten wir in Belfort etwas genossen, so musssten wir uns schon wieder in den Wagen setzen und fuhren Tag und Nacht in einem fort bis Paris; das Wetter war anhaltend schlecht u. st\u00fcrmisch, des Nachts bisweilen etwas kalt,u. die Wege so schlecht, dass wir Donnerstag Vormittag erst \u00bd 8 Uhr in Paris anlangten. Neben der \u00fcblen Beschaffenheit der fast bodenlosen Strassen, lag die Ursache dieser Versp\u00e4tungauch in der schlechten Organisation der Courses der Diligenses auf dieser Route, die im Winter wegen mangelnden Concurrance nur nachl\u00e4ssig besorgt werden; oft werden die Postpferde 6-8 Stunden wegs nicht gewechselt, ja einmal mussten die n\u00e4mlichen schlechten G\u00e4ule den schwer belasteten Wagen 11 Stunden lang mitschleifen. Von Troyes weg hatten wir gute Pferde u. weil die Strassen von da bis Paris gepflastert sind, so ging es auf dieser Strecke rasch vorw\u00e4rts. allein dabei nicht ganznicht ganz ohne Gefahr des Umwerfens, indem beim gegenseitigen Ausweichen der Wagen leicht das eine Rad in den bodenlosen Grund sinkt, w\u00e4hrend die ander Seite auf dem hocherhobenen Pflaster bleibt u. dadurch die Diligencen, welche ihre Lasten grossentheils oben auf dem Verdeck tragen, bald das Gleichgewicht verlieren. Indessen kamen wir ohne Unfall, von der ganzen Reise aber w\u00fcsste ich nichts (Angenehmes zu erz\u00e4hlen, weil eine erste Durchfahrt durch ein flaches u. \u00f6des Land wenig interesse bietet, auch machen die zahlreichen Ruinen , die in den D\u00f6rfern seit denFeldz\u00fcgen von 1813 u. 1815 fast \u00fcberall noch sichtbar sind, einen unangenehmen Eindruck, besonders wenn man ohnehin nicht gut gestimmt ist. &#8211; Als wir in Paris ankamen, war die Post nach Havre schon verreist, wir mussten also bis folgenden Abend 6 Uhr daselbst verweilen u. benutzten diese kurze Frist, um die \u00f6ffentlichen Pl\u00e4tze u. Geb\u00e4ude zu besichtigen, die sch\u00f6nen Boutiques in Augenschein zu nehmenu. uns an dem Gew\u00fchl in den Strassen zu belustigen. Diese Promenade durch die Stadt ist unterhaltend u. in kurzer Zeit habe ich viel Sch\u00f6nes gesehen, allein ausser dem Louvre u. den Ger\u00e4ten der Tuillerien hat bei mir nichts einen wesentlichen Eindruck hinterlassen, weil die bevorstehende Reise mich zu sehr besch\u00e4ftigte, als das die Sch\u00f6nheiten u. die Manigfaltigkeit der Hauptstadt Frankreichs etwas anderes als vor\u00fcbergehendes Wohlgefallen erwecken konnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Freitag Abend 6 Uhr sassen wir schon wieder im Postwagen u. da mehrere derselben zuglich abfuhren u. bis Rouen ein fortw\u00e4hrendes Wttrennen hielten, so kamen wir schon bei Tagesanbruch in dieser Stadt an. Das Wetter war sehr milde, obschon noch nicht ganz heiteru. mit Freuden konnten wir des Anblicks der sch\u00f6nen Normandie geniessen. Liebliche Th\u00e4ler u. H\u00fcgel wechseln best\u00e4ndigab u. die vielenObstb\u00e4ume auf den Feldern, H\u00e4user und H\u00fctten in kl. W\u00e4ldchen gaben der Landschaft einen malerischen Anstrich. Havre erreichten wir mit einbrechender Nacht, die Luft war sehr von D\u00fcnsten verfinstert, so dass wir die sch\u00f6ne Lage dieserStadt erst morgen n\u00e4her betrachten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den 25. Hornung 1832(?)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sogleich nach unserer Ankunft in Havre haben wir Brentinger aufgesucht, der uns sehr bereitwillig alle m\u00f6glichen Hilfeleistungen anbot u. uns (gestern gut), bewirthete, was uns deswegen sehr erfreulich war, weil wieder eingetretenes Regenwetter jeden Spaziergang unm\u00f6glich machte u. wir auch keine Gesch\u00e4fte in unsern Reiseangelegenheiten vornehmen konnten, da es Sonntag war. Heute fr\u00fch gingen wir sofort in den Hafen, u. fanden ein Segelfertiges Schiff nach New orl\u00e9ans, welches mir auf guten Wind wartete, so dass wir Vielleicht morgen schon abreisen, vielleicht aber noch mehrere Tage hier warten m\u00fcssen, je nachdem uns das Wetter beg\u00fcnstigt oder nicht. Das Schiff auf welchem wir die Ueberfahrt machen werden, ist ein sch\u00f6ner Amerikaner, nach einer oberfl\u00e4chlichen Messung circa 45 starke Schritte lang, so dass man schon ordentlich auf demselben spazieren kann, Das Schiff ist gar nicht befrachtet, auch befinden sich ausser uns nur 4 Passagiere auf demselben, Schweizer aus dem Kanton Neuenburg u. insofern w\u00e4re die Ueberfahrt auf dem Zwischendeck nicht mit so grossen Unannehmlichkeiten verbunden, als dies \u00f6fterder Fall ist. Dessen ungeachtet haben wir uns f\u00fcr die Pl\u00e4tze in einer Cajute engagiert u. zwar aus der ganz einfachen R\u00fccksicht, weil uns dieses h\u00f6chstens frs. 150.- pro Person h\u00f6her zu stehen kommt als die Ueberfahrt im Entreport, was mit den gr\u00f6sseren Unannehmlichkeiten vom letztern Ort in gar keinem Verh\u00e4ltnis steht. Ohne Wein und Brantwein bezahlen wir n\u00e4mlich frs 400 jeder, sonst kostet es gew\u00f6hnlich frs 700 bis 800 u. die Ueberfahrt im Entreport bewertheten wir auf circa 250 frs, weil der Ankauf an K\u00fcchenger\u00e4tschaft nicht unbedeutend ist. Nach 8 Uhr Abends darf im Zwischendeck kein Licht mehr gebrannt werden, bei schlechtem Wetter wird alles geschlossen, so dass man den ganzen Tag im finstern ausharren muss. Holz u. Wasser wird genau zugemessen, f\u00fcr dieses u. den Platz bezahlt man frs 80 Lebensmittel schafft man selbst an, muss selber imeigenen K\u00fcchenger\u00e4t kochen, ist sich selbst \u00fcberlassen so ohne alle Hilfe und Beistandvon Seiten der Schiffsmannschaft. Die K\u00fcche ist auf dem Verdeck wo bei Sturm kein Feuer gemacht werden darf. Trotz aller dieser Inconvenenzien waren wir noch zweifelhaft, bis uns der Kapit\u00e4n erkl\u00e4rte, dass wir von Seiten des Schiffkochs durchaus keine Hilfe zur Zubereitung der Lebensmittel erwaten d\u00fcrften, weil dieser dazu keine Zeit habe u. solches ohnehin nicht gestattet werden d\u00fcrfe. Mit den Neuenburgern konnten wir uns ebenfalls nicht rangieren, weil wir sie nicht aufzufinden wussten u. es ohnehin junge Leute sein sollen, die gewiss so wenig vomKoche verstehen als wir, so w\u00e4re dann die Kocherei ein entscheidendner Grund f\u00fcr das Engagement in die Kajute u. ich gestehe es, ich war froh als ein so entscheidender Grund meine Refektionen fixierte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei Herrn Dupaasseur habe ich frs bares erhoben, weil ich mein Gold gerne spare, u. f\u00fcr das \u00fcbrige liess ich mich nach N.Orleans creditieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun lebt wohl, ich werde noch einiges an Franz schreiben, was er Euch auch mitteilen wird, auch schi(b)li w\u00fcnscht Nachrichten von mir, allein ich werde kurz sein und ersuche Euch, aus diesem Briefe und den sp\u00e4teren, die ich senden werde, ihm die erw\u00fcnschten Mitteilungen zumachen, damit ich nicht gen\u00f6thigt bin das n\u00e4mliche \u00f6fters zu wiederholen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unsere Briefe werden durch die Vermittlung der Herren Dupaseur &amp;cie. an (Hans) Meyer et Cie. nach Brugg kommen u. die an uns k\u00f6nnt ihr \u00fcber den gleichen Kanal an den schweizerischen Consul in New York senden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Adieu Euer Sohn<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">G. J\u00e4ger<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Havre, den 13. Hornung 1833 Theuerst Eltern. Meinem letzten brief zu folge sind wir also Sonntag den 17. des Morgens 9 Uhr v. Aarau abgereist u. kamen Abends zur guten Zeit in Listal an. 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