{"id":227,"date":"2013-07-20T15:01:31","date_gmt":"2013-07-20T12:01:31","guid":{"rendered":"http:\/\/nikaderungs.com\/nikaderungs.com\/no-7-27-maerz-1834\/"},"modified":"2019-05-20T15:43:31","modified_gmt":"2019-05-20T13:43:31","slug":"no-7-27-maerz-1834","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nikaderungs.com\/el\/no-7-27-maerz-1834\/","title":{"rendered":"no 7 27. Maerz 1834"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Little Red River 27. M\u00e4rz 1834 eingegangen<\/span> den<span style=\"text-decoration: underline;\"> 18. Juny<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit 3 Monaten seid Ihr meine Lieben Eltern, ohne Nachrichten von mir, u. ebenso lange habe ich keinen Brief v. Euch erhalten. Jede Woche erwartete ich mit immer gr\u00f6sserer Zuversicht, Eure Antwort auf meinen ersten Bericht \u00fcber dieses Land, der sp\u00e4testens Ende Oktober od. Anfangs Nov. nach Europa h\u00e4tte gelangen sollen, also fr\u00fch genug dass die Antwort schon vor 2 Monaten h\u00e4tte hier eintreffen k\u00f6nnen. Ich bin sehr beunruhigt, denn wennich auch Euch dieses Fr\u00fchjahr hier nicht erwarte, so k\u00f6nntet Ihr m\u00f6glicher Weise jetzt doch schon auf der Reise sein u. am Ende gar in N.Orl. od. anderswo landen ohne dass ich Eure Abreise erfahren. Warum ich Euch nicht erwarte werdet Ihr v. Franz erfahren haben dem ich vor einigen Wochen geschrieben, ihm mein Wohlsein u. meine jetzige Besch\u00e4ftigung meldend; es war die Beantwortung eines Briefes v. seinem Vater, der mir meldet, dass Ihr durch die verz\u00f6gerte Ankunft meinesr Berichte in Eurem fr\u00fcheren Entschluss wankend geworden seid, das Z\u00f6gern habe ich bereits wiederholt entschuldigt, was wird aber das Resultat Eurer Berathung sein nachdem Ihr meine Berichte empfangen? Ich habe in denselben keine Meinung \u00fcber einen zu fassenden Entschluss ge\u00e4ussert, denn nach meinem Glauben war das Ob eine l\u00e4ngst abgethane Sache, nur <span style=\"text-decoration: underline;\">das wie, wo u. wann<\/span> sollte noch zur Sprache kommen. Auch gut so &#8211; Ihr habt nur eine genauere Kenntniss alles Dessen, was Euch hier erwartet, denn vorher, u. Euer endlicher Entschluss, welcher er auch sein mag, kann nur um so reifer sein. Ich will inzwischen sehen, was ich hier auszurichten vermag; ich s\u00e4e u. pflanze so viel die Witterung u. meine Kr\u00e4fte erlauben, u. hoffe, ja bin \u00fcberzeugt, dass mit beharrlichem Willen ich das erreichen kann, was ich mir vorgesetzt habe. M\u00fchseliger ist es zwar sich mit den Ackerger\u00e4tschaften sein Brod zu verdienen, als mit der Feder, aber die Arbeit ist doch erfreulicher, denn man sieht die Fr\u00fcchte wachsen u. reifen. Schon habe ich Tabak ges\u00e4et der zu keimen anf\u00e4ngt. Kartoffeln, verschiedene Gartens\u00e4mereien habe ich im Boden auch etwas Baumwolle, u. n\u00e4chste Woche wird mit dem Kornpflanzen angefangen. Es geht mir freilich Alles langsam, nicht allein weil mir die Besch\u00e4ftigung ungewohnt, sondern auch weil ich aus Versehen des H. Zschifeli meinen Pflug nicht habe u. deswegen den Boden mir Hacke u. Shaufel bearbeiten muss, was mit dem Pflug in viel k\u00fcrzerer Zeit geschehen k\u00f6nnte. Vieh habe ich noch keines gekauft, denn da meine Entschl\u00fcsse durch die Eurigen bedingt sind, so will ich mein Geld so viel m\u00f6glich zusammenhalten, um nachher desto freier handeln zu k\u00f6nnen. Vielleicht jedoch schaffe ich n\u00e4chstens eine Kuh herbei um dank Milch eine Abwechslung u der Gesundheit zutr\u00e4gliche Verbesserung in unsere einfachen Mahlzeiten zu bringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Im ganzen genommen gef\u00e4llt mir das hiesige Leben recht gut, wenn ich es auch , so wie wir es jetzt betreiben, etwas wild nennen k\u00f6nne, so lebt man doch frei &#8211; frei im h\u00f6chsten Sinn des Worts, denn keine Mode u Convenienz beschr\u00e4nkt meine Handlungen, ich kann thun gerade was mir wohlgef\u00e4llt, u. kein Mensch nimmt Aergerniss daran, meine Besch\u00e4ftigungen sind abwechselnd u. eben darum anziehend, u. Alles was gelingt macht Vergn\u00fcgen, u. missgl\u00fcckt etwas, so denke ich, es werde das n\u00e4chste ma besser gehen. Mit Wasch ul Kleidern allein bin ich b\u00f6s bestellt, u. das ist leider ein Uebel dem nicht sobald abgeholfen werden kann. Es w\u00fcrde mir jetzt sehr schwer fallen nach Europa zur\u00fcckzukehren, wenn Ihr Eure Pl\u00e4ne aufgeben solltet u. darum k\u00f6nnet Ihr denken mit recht sehnlichem Verlangen ich Eure Berichte erwarte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Durch einen Brief v. H H\u00fcrner haben wir die politischen Neuigkeiten aus d. Schweiz bis Sept 1833 erfahren, es sieht schlimm, sehr schlimm aus, u. die Aussichten auf Ruhe u. Frieden gering &#8211; denn die Elemente welche jetzt vorherrschen, werder der Ruhe stets feind sein, weil dies ihr Grab ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn meine Reise hieher keine weiteren Folgen f\u00fcr die Zukunft haben sollte, so hat sie mich wenigstens auf eine geraume Zeit eeiner traurigen Gegenwart entr\u00fcckt. Ueber das hiesige Land weiss ich Euch diess mal nichts zu schreiben, denn was ich wusste habe ich Euch in meinen fr\u00fcheren Briefen wiederholt gemeldet u. mein Aufenthalt in dieser Gegend hat mich nur so viel gelehrt, dass Alles was ich von den Beschwerden einer Ansiedlung in den Vorw\u00e4dern gesagt, im vollsten Masse wahr ist. Kaum dass wir in der hiesigen Gegend so viel Korn auftreiben konnten, als wir zur F\u00fctterung der Pferde in der Arbeitszeit brauchen werden, u. selbst davon mussten wir einen Theil etwa 60 Meilen weit den Fluss hinauf tranportieren lassen. Am White River h\u00e4tten wir zwar korn genug kaufen k\u00f6nnen, allein es war nicht m\u00f6glich einen Wagen zu finden, um es hieher zu schaffen. Spatkartoffeln, Baumwolle, u. Tabaksameen, mussten wir ebenfalls am weissen Fluss holen, dorthin fahren wir zur K\u00fchle, u. zwar mit Packpferden, denn nach allen unsern Ueberschl\u00e4gen ist diess noch das leichteste Transportmittel. Fr\u00fchkartoffeln hatte uns ein Mann versprochen, der etwa 10 Meilen v. hier wohnt, als wir aber hinkamen, waren alle weg u. nur durch Zufall konnte er noch einen Buschel ent\u00fcbrigen der bereits ausgepflanzt, u. jedenfalls so viel als Samen behalten will dass f\u00fcr Zukunft das herbeischleppen aus fernern Distrikten ein Ende hat. Diese Fr\u00fchkartoffel ist \u00fcbrgens etwas sehr angenhmes, da sie schon im Juni reif wird. S\u00fcsse Kartoffeln habe ich auch irgendwo aufgechnappt, obschon er Samen diess Jahr selten ist, denn da dieser Winter ausserordentlich streng war, so sind sie den meisten Leuten erfroren, weil man sie bei gew\u00f6hnlichen Wintern des faulens wegen nicht tief in die Erde legen soll. Grollmann hat auch Hafer, Weizen u. Roggen, u. so hatten wir nun beinahe Alles was hier zu Lande gew\u00f6hnlich gepflanzt wird &#8211; Es ist freilich v. dort wenig, denn die Bewohner der Urw\u00e4lder sind im Durchschnitt tr\u00e4ge arbeitsscheue Leute, die ihre wenigen Bed\u00fcrfnisse (mit Hirschfohlen)erkaufen u. daneben nur so viel Land bebauen um sich das Allernothwendigste zu verschaffen. Sie sind dabei zufrieden u. haben nicht einmal das Verlangen ein besseres Dasein zu erringen. Wir haben mit diesen Leuten nur sehr geringen Verkehr, denn sie sind sehr unzuverl\u00e4ssig, u. alle ihre sch\u00f6nen Redensarten u. Versprechugen mit denen sie uns belangen, zielen nur darauf uns das Geld aus dem Beutel zu locken, was ihnen aber nicht stark gelingen soll, denn ich habe mir die h\u00f6chst Sparsamkeit zur Pflicht gemacht, weil ich t\u00e4glich mehr einsehe wie nothwendig ein kl Fond zu einem guten Fortkommen in dieser Gegend ist, u. das Schiksal mehrerer Deutscher in Little Rock erinnert mich lebhaft daran, dass es zu sp\u00e4t wird sein Geld zusammen zuhalten wenn bald Alles fort ist. Auch weiss ich nicht wie lange ich hier noch allein zu hausen habe, bis Ihr anlangt od. ich wieder heimkehre. In meinem letzten Briefe habe ich gesagt, wie viel Umtriebe mir der Bezug der accreditierten 300 frs gemacht, u. H. Baumgartner, der mir das Geld vorschoss, erz\u00e4hlte mir, dass ich beinahe darum gekommen , denn H. Nicolet, in dessen H\u00e4nden mein Geld lag, sei wahrscheinlich gebrochen, wenigstens habe man ihn gemahnt seinen Bezug schleunigst zu betreiben, u. er habe mehrmals hingehen m\u00fcssen, bevor die Zahlung erfolgte. Es th\u00e4te mir sehr leid f\u00fcr H. Nicolet, wenn sich dies best\u00e4tigte, allein es diene Euch &#8230; zur Warnung, ja vorsichtig zu Werke zu gehen. Ich schliesse jetzt diesen Brief, der zwar von unbedeutendem Inhalt ist, aber Euch doch als Lebenszeichen von mir willkommen sein mag. Herzliche Gr\u00fcsse an Euch Alle, meine th. Eltern u. Geschwisster u. ebenso meine Freunde u. Bekannten in Aarau u. Brugg &#8211;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Euer Gottlieb J\u00e4ger\u00a0\u00a0 &#8230;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Little Red River 27. M\u00e4rz 1834 eingegangen den 18. Juny Seit 3 Monaten seid Ihr meine Lieben Eltern, ohne Nachrichten von mir, u. ebenso lange habe ich keinen Brief v. Euch erhalten. 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