{"id":228,"date":"2013-07-20T15:58:34","date_gmt":"2013-07-20T12:58:34","guid":{"rendered":"http:\/\/nikaderungs.com\/nikaderungs.com\/no-8-july-1834\/"},"modified":"2019-05-20T15:34:48","modified_gmt":"2019-05-20T13:34:48","slug":"no-8-july-1834","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nikaderungs.com\/el\/no-8-july-1834\/","title":{"rendered":"no 8 July 1834"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">no 8<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Little Red River 14 July 1834\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 ( angekommen d 11 sept 1834)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meine th. geliebte Mutter. &#8211; Umsonst habe ich mich bem\u00fcht Deinen von Vater angek\u00fcndigten Brief s. St Louis zu erhalten, er ist noch nicht eingegangen ebensowenig der v. Vater vom Nov od Dec., welch letzterer vermuthlich auch ganz verloren ist. Es thut mir leid darum, denn er schient einige mir interessante Nachrichten zu erhalten, u. aus Deinem Brief m. l. Mutter, hoffe ich entnehmen zu k\u00f6nnen, wie Du u. die andern Familien Glieder \u00fcber das Auswanderungsprojekt denken. Aus Vater werde ich in dieser Beziehung nie recht klug, nach seinen Briefen scheint er die Sache nicht aufgeben zu wollen u. doch nicht die geringste Lust zur Ausf\u00fchrung zu haben. Allerlei Bedenklichkeiten u. Besorgnisse scheinen in ihm aufzusteigen, was mich aber \u00e4rgert u. was mich in meinem letzten Briefe vielleicht zu einiger Empfindlichkeit gef\u00fchrt hat, sind die steten Berufungen auf anderer Leute Meinungen u. Urtheil. Wie k\u00f6nnen andere Leute \u00fcber das urtheilen was uns gut u. angenehm ist, u. was k\u00fcmmern sie sich am Ende darum ob es uns zu Hause od. hier gut od. schlecht gehe; wie wenige waren es, die wirklich Theil daran nahmen, als Vater in den letzten Zeiten so schimpflich zur\u00fcckgesetzt wurde. u. mancher davon bedauerte nicht die Person sondern nur die unterdr\u00fcckte politisch Faction. &#8211; Weit aus die Mehrzahl aber, u. darunter gewiss viele, von denen es gar nicht erwartet wurde, konnten aus die Schadenfreude in unserer Gegenwart zur\u00fcckhalten &#8211; Wie ungut handelte nicht selbst die B\u00fcrgerschaft v. Brugg gegen ihn, deren Besten er doch manche Stunde der geopfert? &#8211;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich werde eben durch Ankunft Eurer Briefe v. Ende Hornung u. Anfanf M\u00e4rz unterbrochen u. \u00fcberrascht. Ich freue mich dass Ihr endlich zu einem definitiven Entschluss gelangt seid, denn die Ungewissheit in der Ihr seit mehr als einem Jahr geschwebt, muss gewiss nachtheilig auf Vater gewirkt haben &#8211;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Euer Entschluss stimmt mit dem Rath in meinem letzten Brief \u00fcberein, ich muss gestehen, die Gr\u00fcnde, welche Euch bestimmten sind der Art, dass ich denselben beipflichten muss. Franz u. seine Eltern werden ohne Zweifel bald Eurem Beispiel folgen. F\u00fcr einstweilen haben die W\u00e4lder , das Klima, die Neuheit der Gegenst\u00e4nde, die mich umgeben, die unbedingteste Freiheit, Reiz genug mich hier zu fesseln, auf wie lange?. Das weiss ich selbst nicht, vermuthlich nur auf kurze Zeit, denn meine Laufbahn als Farmer hat nicht aufs beste begonnen, u. wenn mir&#8217;s n\u00e4chstes Jahr wieder so schlecht gehen sollte, so werde ich bald aufbrechen. Auch f\u00fchle ich wohl, wie schwierig es sein wird, so ganz allein in der einsamen Wildniss zu leben, aber versuchen will ich es u. hoffe nicht ganz schlecht durchzukommen &#8211; wenn ich von dem Fieber verschont bleibe; andere Krankheiten sind nicht zu besorgen, aber diese, so wenig gef\u00e4hrlich sie auch ist, so entkr\u00e4ftigend u. entmuthigend wirkt sie auf den K\u00f6rper u. man darf sich lange Zeit nachher Morgens u, Abends der Feuchtigkeit u. den sonnenstrahlen nicht aussetzen, ist also von jeder Arbeit ausgeschlossen. Dieses Fieber war eigentlich stets meine gr\u00f6sste Besorgniss denn wie Du m. l. Mutter, sagst, ging das ganze Projekt vorz\u00fcglich v. mir aus, u. unendliche Vorw\u00fcrfe h\u00e4tte ich mir machen m\u00fcssen, wenn irgend eines unserer Familien Glieder von der selben u. deren Folgen dahingerafft worden w\u00e4re. Wenn Franz diess bedenkt, so wird auch er nicht Veranlassung sein wollen, dass seine Eltern hierher kommen, wenn sie nicht ihre eigene Sehnsucht herf\u00fchrt. Nur wer Muth, Kraft u. Audauer in sich f\u00fchlt, der kann den niederschlagenden Anwandlungen von Heimweh u. R\u00fcckerinnerungen an bessere vergangene Zeiten widerstehen, u. was einen bei gesunden Tagen mit Freude erf\u00fcllt wird den mit Fieber behafteten zur feindlichen Gem\u00fcthskrankheit. Wenige Europ\u00e4er werden in den ersten Jahren ihre hierseins diesem Uebel entgehen, gew\u00f6hnlich kommt es in dem ersten Jahr u. legt ganze Familien aufs Krankenlager, ein Unstand des so Viele verungl\u00fccken machte, weil sie v. d Arbeit abgehalten sind, ihr oft nur sehr geringes Verm\u00f6gen aufgezehrt, Kummer u. Sorgen dann die Einen ins Grab legt, die andern durch alle Weltgegenden zerstreut. In dieser Beziehung kann sich kein Europ\u00e4er mit den Eingeborenen messen. Haben diese durch Ungl\u00fcck, Liederlichkeit od sonst ihr ganzes Verm\u00f6gen verloren u. haben sie nur ein Pferd, eine Kuh od auch gar nur ihre Wertlosen Hausger\u00e4the aus dem Schiffbruch gerettet, so ziehen sie in unbebaute W\u00e4lder, leben v. Ertrag der Jagd u. ohne alles Geld, denn sie sind v. Jugend auf gew\u00f6hnt solches zu entbehren, wenn d. Erl\u00f6s f\u00fcr Ihre Ernten od. der Ertrag des Pelzwerks zu etwas anderem bestimmt ist. Nicht so der Europ\u00e4er der in einem Lande erzogen wurde, wo Jeder sein bestimmtes Gewerbe hat u. die eine Hand in die andere arbeitt; dieser ist bei weitem nicht so anschl\u00e4gig, kl. Hindernisse bringen ihn in Verlegenheit, weil sie ihm neu u. ungewohnt sind, u. erst nach geraumer Zeit lernt er die Axt ordentlich zu gebrauchen, die in den endlosen W\u00e4ldern wohl als das unentbehrlichte Instruent anzusehen u. d. Aufbau eines Hauses, KL\u00e4rung eines Feldes, was dem Amerikaner mit Leichtigkeit v. Statten geht, wird dem Einwanderer saure M\u00fche mit langsamem Erfolg bringen &#8211; Wo es aber der Letzten durch H\u00fclfe ihrer Geldmittel oder sonst gelingt die ersten Jahre durchzumachen, so leben sie, besonders die Deutschen, besser als die Amerikaner u. schwingen sich gew\u00f6hnlich bald empor, weil sie in der Arbeit ausdauernder u. nicht so zum herumziehen geneigt sind. Sie weit ich es nun bringen werde, wird die Zukunft lehren. Euren Entschluss voraussehend habe ich bereits vor 3 Wocheen eine Farm um 30 Thaler, mit der Bedingung dass sie der Verk\u00e4ufer zu jeder Zeit, wenn ich will, um denselben Preis zur\u00fccknehmen wird. Das Land ist freilich Staatseigentum, aber darauf werde ich so ruhig sitzen als auf meinem eigenen. Der Kaufpreis gilt nur f\u00fcr 2 H\u00e4user u. Nebengeb\u00e4ude u. etwa 12 &#8211; 15 Morgen aufgekl\u00e4rtes u. eingesentes Land. H\u00e4tte ich den Kauf ein Jahr fr\u00fcher geschlossen, ich h\u00e4tte die gleiche Farm nicht unter 60, 80 od 100 Thaler erhalten, sowie ich f\u00fcr die Miethe wo ich sitze, jetzt auch nur 10 Thlr. od gar nichts geben w\u00fcrde, wenn ich noch einmal traktieren k\u00f6nnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In dem Brief an Vater, worin ich meinen Entschluss, noch einige Zeit hier auszuhalten mittheilte, habe ich auch um Uebersendung mancherlei Effekten u. um Geld gebeten. In erster Beziehung verweise ich auf meinen vorigen Brief od. wenn er allenfalls verloren gegen sollte, auf meine bisherigen Berichte, Euch \u00fcberlassend daraus zu entnehmen was ein eizelner kann f\u00fcr einen Zeitraum v. wenigen Jahren bedarf, wobei Ihr aber bedenken m\u00f6gt, dass was Ihr sendet nicht verloren geht, sondern seiner Zeit wieder zur\u00fcckgebracht wird. Geld scheint mein l. Vater schon mit dem letzten Brief v. Nov. od Dec. gesandt zu habern, da aber derselbe nicht eingetroffen, so ist diesem Bed\u00fcrfnisse nicht abgeholfen. Freilich ist bestimmt mir die Mittel zur Heimreise zu verschaffen u. wenn Ihr auf meiner Wiederkehr beharrt u darauf dingt, so muss ich Euren W\u00fcnschen entsprechen u. Euch v. meiner Reise m\u00fcndlichen Bericht erstatten, lieber aber w\u00e4re mir, wenn Ihr mir zu meinem l\u00e4ngeren Aufenthalt in diesem Lande beh\u00fclflich w\u00e4ret damit ich mir wenigstens einige Erinnerungen ann dasselbe sammeln kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bis n\u00e4chstes Fr\u00fchjahr werde ich nun jedenfalls hier bleiben m\u00fcssen, um Eure Antworten auf meine Briefe abzuwarten u um die Winterjagd nicht im Stiche zu lassen. Verwende ich aber das zur Heimreise bestimmte Geld auf meine Ansiedlung, so werde ich sp\u00e4tere auch die Mittel finden mir hach Hause fortzuhelfen. Im Uebrigen aber seid meinetwegen ausser aller Sorge, ich bin munter, planze u. arbeiten von Morgen wie der Tag graut bis zum Abend u. kann am Ende doch nichts herumkommen, weil mir die Arbeit z. Theil noch beschwerlich ist u. nicht so gur vorr\u00fcckt &#8211; Da mein korn gar nichts wird so habe ich eine sch\u00f6ne Quantit\u00e4t Kartoffeln gesteckt, werde diesen Monat r\u00fcben s\u00e4en; meine Bohnen, Zwiebeln, gelbe R\u00fcben, Pastinaken, Melonen, Wassermelonen, Gurken stehen sch\u00f6n, sehr sch\u00f6n, Melonen hatte ich schon reife, ebenso sind die Fr\u00fchkartoffeln schon seit einem Monat zum Essen gut. S\u00fcsse Kartoffeln sind mir viele gefault weil es eine gegen die Feuchte u. Frost sehr enpfindliche Wurzel ist. Einzig K\u00f6hl u. Kabis wollen nicht recht gut thun, theils weil es f\u00fcr diese Gew\u00e4chse etwas warm ist, u. ich keinen ordentlichen Samen bekam, obschon ich ihn sehr theuer bezahlen musste; n\u00e4chstes Jahr will ich sie irgendwo in Schatten setzen, &#8211; Dir mein l. Bruder w\u00fcnsche ich v. innigem Herz Gl\u00fcck zu den erfreulichen Resultaten Deiner Arbeit, die Dich berechtigt einem Entschluss zu entsagen, der Deiner Neigung hinderlich gewesen. Ich werde zwar zu Deiner Hochzeit nicht kommen, denn das w\u00fcrde Dir wahrscheinlich zu lange dauern, werde aber hoffentlich der ersten od. einer sp\u00e4teren Kindstaufe beiwohnen k\u00f6nnen. Von Dir od. der Mutter hoffe ich auch einige Nachrichten von Elise, Abraham u. ihren Kindern, v. meinen Bekannten u. Freunden etc zu vernehmen, denn dass Vater nicht dergleichen schreibt, wisst Ihr ja, auch wer der Frager um Luise war, habe ich nicht erfahren, und wenn nicht der Schlingel Beck so dumm war, so k\u00f6nnte ich ihn auch nicht errathen. &#8211; Jetzt noch eins &#8211; in seinem letzten Brief schreibt Vater, dass Hans wahrscheinlich sein Gl\u00fcck in Amerika versuchen werde, u. ich konnte dies gar nicht missbilligen, insofern nur davon die Rede sein soll, nach beendigter Lehrzeit seine Wanderjahre in diesem Lande zu machen, denn ich glauber dass er dort viel auf seiner Professsion lernen kann, freilich hier nicht sondern in den n\u00f6rdlichen Staaten, wo ein Handwerker nach allen Berichten f\u00fcr Arbeit gar nicht braucht besorgt zu sein.Seine Reise aber soll er im Sp\u00e4tsommer antreten u. \u00fcber N. Orl. gehen, damit er mich hier besuche eh er weiter gehe. Ich w\u00fcnsche dies theils meinetwegen um allerlei Neues v. zu Hause zu erfahren u ihn zu sehen, theils seinetwegen, weil ich ihm wahrscheinlich manchen guten Rath ertheilen kann Wenn er bald kommt u. sich dass einige Zeit bei mir aufzuhalten w\u00fcnscht so ist auch Arbeit da, in dem v Grollmann sich eine Pferdem\u00fchle will bauen lassen, die man Winter u. Fr\u00fchjahr auch durchs Wasser kann treiben lassen &#8211; Nun adieu meine Geliebten Alle u. sch\u00e4tzt Euch gl\u00fccklich, dass sich Eure Verh\u00e4ltnisse so gewendet haben dass Ihr nicht zu mir zu kommen braucht<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Euer Ergenster G. Jaeger<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">P.S. Bevor ich meinen Brief schloss habe ich noch einmal nachgesehen ob ich nichts vergessen, u. habe dann gefunden dass Du l. Mutter nicht einer k\u00fcrzlich gemachten Geldsendung erw\u00e4hnst, sondern wie es scheint blos die Meinung zu haben dass ich trachten solle mit den letzen v. N.Orl bezogenen 3000 frs auszukommen. Das ist auch mein Wille, allein meine Vorsch\u00fcsse an Tschiffeli, \u00fcber die ich dem Franz meine Rechnung schickte sind so bedeutend, dass mein bares Geld sehr nahe beisamen ist. Ich habe daher in meinem letzten Brief an Vater gebeten mir den Betrag dieser Vorsch\u00fcsse noch zukommen zu lassen, welches jedenfalls nothwendig wird, wenn ich nach dem Missouri gehen od gar heimkommen soll. Ob ich aber die Reise jetzt od. erst in einigen Jahren zu machen habe, werdet Ihr bestimmen. Dass H. H\u00fcrner an meine Reisekosten nichts beitragen wird, versteht sich v. selbst, denn er hat ja diejenigen v. Tschiffeli zu bestreiten, die sich h\u00f6her belaufen werden, als die meinigen, obschon unter meinen Auslagen ein sehr bedeutender f\u00fcr Ankauf v. Pferd, Kuh, Hausger\u00e4th etc sich befindet, u ich 30 Thlr Pachtzins hier bezahlte. Ich denke \u00fcberhaupt mit dem Gelde so sparsam als m\u00f6glich umgegangen zu sein, u kann Euch sp\u00e4ter Rechnung geben, denn ich habe d. meisten Ausgaben aufgeschrieben leider aber meist nur auf fliegenden Bl\u00e4ttern die noch zusammengef\u00fcgt werden sollten, wozu ich hier zu Lande k. Lust f\u00fchle, zu Hause einst aber schon Zeit finden werde &#8211; Wenn Ihr meine Sachen schickt, so legt auch etwas Papier v. verschieden Sorten bei, es ist hier ganz horrent theuer GJ<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>no 8 Little Red River 14 July 1834\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 ( angekommen d 11 sept 1834) Meine th. geliebte Mutter. &#8211; Umsonst habe ich mich bem\u00fcht Deinen von Vater angek\u00fcndigten Brief s. St Louis zu erhalten, er ist noch nicht eingegangen ebensowenig der v. Vater vom Nov od Dec., welch letzterer vermuthlich auch ganz verloren ist. 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